Thomas Bellut fühlt sich wohl beim ZDF. Zweimal war er kurz davor, zur Konkurrenz zu wechseln, hat sich dann aber dagegen entschieden, erzählt der Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens. FOTO: DPA
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Thomas Bellut fühlt sich wohl beim ZDF. Zweimal war er kurz davor, zur Konkurrenz zu wechseln, hat sich dann aber dagegen entschieden, erzählt der Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens. FOTO: DPA

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Journalist und Manager

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Er hatte Angebote von der Konkurrenz, er blieb aber stets einem Sender treu: Thomas Bellut kennt das ZDF in- und auswendig. Worüber sich der Intendant ärgern kann, warum der "Bergdoktor" ihn stolz macht und warum er kein "Feierbiest" ist.

Hinter dem "Bergdoktor" und der "heute-show" steht ein und derselbe Mann. Seit Jahrzehnten ist er für das ZDF tätig und stieg bis zur mächtigsten Position in dem öffentlich-rechtlichen Sender in Mainz auf. Auf den Start der Familienserie "Der Bergdoktor" in seiner Zeit als Programmdirektor ist Intendant Thomas Bellut stolz. "Wir brauchten für den Donnerstagabend irgendwas, was unbedingt funktioniert. Dann habe ich eine Produzentin gefragt: Warum machen wir nicht Berge und Arzt zusammen? So schlicht ist manchmal Programmplanung", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als sechs Millionen TV-Zuschauer schalten die Abendserie in der Regel ein. Die Nachrichtensatire "heute-show" stammt auch aus Belluts Programmdirektorenzeit. Die Einschaltquoten geben dem Intendanten Rückenwind - das ZDF ist seit Jahren der meistgesehene Sender in Deutschland.

Bellut, der am morgigen Sonntag 65 Jahre alt wird, prägt das Zweite Deutsche Fernsehen mit rund 3500 festen Mitarbeitern schon lange. Er verkörpert den Sender quasi. Seit mehr als 35 Jahren arbeitet er dort. Obwohl er nach eigenen Angaben auch die Option hatte, zur ARD-Konkurrenz zu wechseln: "Ich hatte Angebote. Aber ich bin froh, dass ich beim ZDF geblieben bin", sagt Bellut. "Das ZDF hat einfach den Vorteil, eine selbst handelnde Einheit zu sein. Hier kann man viel bewegen - vor allem national." Trotzdem sei er zweimal kurz davor gewesen, zu wechseln. "Es hätte mich schon einmal gereizt, in einem anderen System zurechtzukommen. Aber so anders ist die ARD dann doch nicht."

Nach seinem journalistischen Start bei den "Westfälischen Nachrichten" absolvierte Bellut ein Volontariat beim ZDF. Er war in den 1980er Jahren unter anderem Korrespondent im Landesstudio Berlin. Ab den 1990er Jahren lag sein Fokus auf der Innenpolitik. Er war für Sondersendungen und Parteitagsberichterstattung zuständig. Bellut moderierte Wahlsendungen ebenso wie das "Politbarometer" und wurde so vielen Zuschauern bekannt.

Er studierte ab Mitte der 1970er Jahre Politikwissenschaften, Geschichte und Publizistik in Münster und promovierte auch. Journalist wollte er relativ früh werden: "Schon bei der Bundeswehr dachte ich, das könnte der Weg sein", sagt der Intendant. "Ich stamme aus einem kleinen Dorf in Norddeutschland und wollte unbedingt weg in die weite Welt. Und der Journalismus schien mir das ideale Mittel zu sein." Bellut wechselte mit den Jahren ins ZDF-Management. "Ich habe hier drei Berufe gehabt: Journalist, Programmdirektor und jetzt Intendant."

Intendant ist er seit März 2012. Er wurde zwischendurch einmal wiedergewählt. In der Funktion vertritt Bellut das ZDF nach außen und ist für die Geschäfte der Fernsehanstalt und für das Programm verantwortlich.

Wie geht es weiter? Sein Vertrag laufe bis zum 15. März 2022, sagt Bellut. "Und den möchte ich auch erfüllen, weil es mir unheimlich Spaß macht." Auf die Frage, ob er sich noch einmal als Intendant zur Wahl stellen werde, betont Bellut: "Ich werde mich im nächsten Jahr dazu äußern, wie ich mich verhalten werde." Er habe sich noch nicht entschieden.

Wann kommt Ärger auf, wenn er ZDF schaut? "Schlamperei kann ich in keiner Form leiden. Und fehlenden Einsatz." Von Berufskollegen und Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, bekommt der ruhig auftretende Mann Anerkennung. Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow sagt auf dpa-Anfrage: "Thomas Bellut bleibt auch unter Druck ruhig, abgeklärt und immer diplomatisch." Der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, hebt "professionelle Klugheit, seine Aufrichtigkeit und Gradlinigkeit" hervor.

Der in Osnabrück geborene und auf dem Land bei Vechta aufgewachsene Bellut steuerte das ZDF immer wieder durch schwieriges Fahrwasser. Da ist etwa der Spardruck der vergangenen Jahre, der einen Abbau von Hunderten Stellen nach sich zog. Bellut zeigte sich als Reformer und Sanierer, der Dinge anpackte. Ein Beispiel: Für das Show-Flaggschiff "Wetten, dass..?" war mit sinkenden Quoten Ende 2014 Schluss. Das jüngere Publikum sieht Bellut als eine zentrale Aufgabe an. Bei seiner Wiederwahl als Intendant betonte er, man könne sich nie sicher sein, die "Akzeptanz von Generation zu Generation übertragen" zu bekommen. Akzente setzte er auch, indem er verstärkt ins Digitale investierte.

Von seinem Job erholt sich Bellut mit Sport und er pflegt sein Privatleben, wie er erzählt: "Ich bin keiner, der ständig auf Partys rumläuft. Das ist nicht mein Ding." Seinen 65. Geburtstag will er mit seiner Ehefrau und im kleinen Kreis mit Freunden in Mainz verbringen: "Ich bin nicht so ein Feierbiest, was Geburtstage angeht. Ich freue mich still, dass ich immer noch gut unterwegs bin."

Wenn er die Herausforderungen für das ZDF in den vergangenen Jahrzehnten vergleicht, sagt der Intendant: "So viel hat sich nicht geändert. Es gibt Gruppen, die das öffentlich-rechtliche System so nicht wollen. Die Diskussion etwa mit der AfD erschreckt mich nicht. Es gab Ähnliches in der Vergangenheit immer wieder." Jetzt könne man sich über das Netz besser organisieren, aber es habe sich im Prinzip nichts geändert. Bellut betont rückblickend auch: "Die härtesten Debatten habe ich erlebt, als ich Intendant wurde und der Beitrag für jeden Haushalt eingeführt wurde. Da war richtig was los."

Popcorntimes.tv heißt ein neuer Gratisanbieter für Video-Streaming über den Browser - direkt und ohne Anmeldung. Im Programm sind Tausende Spielfilmklassiker, die zwischen 1910 und 2010 abgedreht wurden. Der einzige - durchaus faire - Haken am Angebot: Nutzer müssen Werbung in Gestalt von Spots erdulden.

Popcorntimes.tv versteht sich nach eigenen Angaben auch als Filmarchiv, das Produzenten und Verleiher unter anderem bei der Digitalisierung, und dem Erhalt älterer Filmwerke unterstützt.

Ob die Stuart-Paton-Verfilmung von "20 000 Meilen unter dem Meer" aus dem Jahr 1916, der Italo-Western-Klassiker "Django", Hitchcock- oder Buster-Keaton-Filme: Die Plattform bietet viel, was sonst nur schwer oder gar nicht mehr aufzustöbern wäre. Selbst "Superman"-Trickfilme aus den 1940er Jahren sind zu finden.

Die von den Betreibern erworbenen Lizenzen schließen derzeit das Streaming in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Aus anderen Ländern kann auf die Filme nicht zugegriffen werden. Seit längerer Zeit bietet schon Netzkino.de ein vergleichbares Konzept mit Gratis-Film-Streaming gegen Werbung an. dpa

Wer einen E-Book-Reader kauft, sollte ihn auch konsequent nutzen. Denn je länger das Gerät genutzt wird, desto mehr Gedrucktes kann es ersetzen und desto günstiger fällt sein ökologischer Fußabdruck aus. Schließlich werden bei der Produktion eines Readers Ressourcen verbraucht. Darauf weist das Freiburger Öko-Institut hin.

Setzt man die Lektüre von zehn Büchern mit jeweils 200 Seiten als Vergleichsmaßstab an, erzeugt man auf einem E-Book-Reader durch die Herstellung und Nutzung dieser Anzahl digitaler Bücher acht Kilogramm CO2, wie das Institut vorrechnet.

Bei zehn gedruckten Büchern gleichen Umfangs entstehen bei der Herstellung aus Frischfaserpapier den Angaben zufolge elf Kilogramm CO2 - bei Büchern aus Recyclingpapier sind es nur neun Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Auto stößt pro verbrauchtem Liter Benzin etwa 2,4 Kilogramm CO2 aus.

Gemäß dem Klimaschutzgrundsatz "vermeiden, verringern, ausgleichen", ist es den Experten zufolge am besten, keine neuen, sondern gebrauchte Bücher zu kaufen, Bücher in Bibliotheken oder von Freunden auszuleihen und auch die eigenen Bücher weiterzugeben. So verteilten sich Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen aus der Herstellung dann auf viele Nutzer. dpa

Wie Gift breitet sich die Hoffnungslosigkeit im neuen Ludwigshafen-Krimi der dienstältesten "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) aus. Darin verstricken sich zwei Jugendliche immer tiefer in eine Spirale aus Prostitution und Elend, aus der sie sich nicht mehr befreien können. "Leonessa" heißt der "Tatort", den das Erste am Sonntag um 20.15 Uhr ausstrahlt. Regisseurin Connie Walther inszeniert das Sozialdrama ohne erhobenen Zeigefinger - und wohl deswegen besonders wirksam.

Als Erster stirbt Hans Schilling. Der Mord an dem Wirt einer Country-Kneipe ergibt zunächst wenig Sinn. Doch nach und nach enthüllen Kommissarin Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter), dass sich Schilling immer wieder eingemischt hat, wenn es in dem Brennpunktviertel rau oder gar illegal zuging. Mit der Zeit wird klar, dass das jemandem sehr missfallen haben muss. Aber wem?

Schnell entwickelt sich der Sonntags-Krimi von Drehbuch-Autor Wolfgang Stauch zu einer fatalen Mischung aus Sehnsucht und Existenzangst. "Leonessa" ist ein Kunstwort - so werden Leon und seine Freundin Vanessa genannt. Vorbild ist der Begriff "Brangelina" für Brad Pitt und Angelina Jolie. Leon und Vanessa verdienen Geld mit Prostitution. Nach Verabredungen im Internet treffen sie Männer auf dem Dach eines Parkhauses. Lena Urzendowsky und Michelangelo Fortuzzi spielen das desillusionierte Paar nahezu unbeteiligt. In einer Szene wird Vanessa wie etwas Lästiges aus dem Auto geworfen. Desolat rafft sie Geldscheine aus dem Rinnstein. Bei so viel Elend wird der Mord an dem Wirt fast zur Nebensache.

Regisseurin Walther leuchtet das "No Future" in allen Facetten aus. Die Jugendlichen geben sich stark und wirken doch zerbrechlich.

Ist "Leonessa" nicht zu helfen? Der Film beantwortet das nicht abschließend. Auch wenn die Geschichte nicht immer ganz schlüssig und stabil ist: Dieser "Tatort" lässt viele Deutungen zu. dpa

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