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Erfindung des Nordens

Von Hygge bis zu den Wikingern

  • vonDPA
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Der Norden war einst ein Phantom, eine Linie, die auf einer antiken Karte das Ende der bekannten Welt markierte. Der Norden war ein vages Gebilde, das man mit Kälte und Dunkelheit assoziierte. Später verband man ihn mit Vorstellungen von einem geheimnisvollen Magneteisberg, der Schiffe ins Verderben leiten würde. Oder von einem Meeresschlund, der Seefahrer in die Tiefe riss. Auch viel später noch war der Norden für Mittel- und Südeuropäer eine Projektionsfläche für Ängste, Sehnsüchte, ja sogar für größenwahnsinnige Fantasien.

Genau davon handelt Bernd Brunners mitreißendes Buch "Die Erfindung des Nordens. Kulturgeschichte einer Himmelsrichtung", mit dem er seine Reihe erfolgreicher kulturgeschichtlicher Bücher fortsetzt. Es ist ein wunderbarer Schmöker für lange Winterabende. In dieses Werk hat Brunner eine Vielzahl von Quellen einfließen lassen, von Seefahrern, Forschern, Kaufleuten und Schriftstellern, die dem hohen Norden in Neugier und Sehnsucht, aber nicht selten auch in Misstrauen und herzlicher Abneigung verbunden waren. Sie alle prägten das Bild vom Norden so wie heute skandinavische Krimi-Schriftsteller, wohlige Hygge-Kultur oder die abschmelzenden Polargletscher.

Der Norden, so Brunners Quintessenz, "unterliegt dem historischen Wandel - und wird dabei immer wieder neu erfunden und konstruiert." Er steht auch heute noch für eine einzigartige raue Natur. Und doch hat sie ihre Unschuld verloren, ist gefährdet und fragil geworden und damit ein Symbol für den Zustand des gesamten Planeten. dpa

Bernd Brunner: "Die Erfindung des Nordens. Kulturgeschichte einer Himmelsrichtung", Galiani Verlag, 320 S., 24 Euro, ISBN 978-3-86971-192-8

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