Hoffen bis zuletzt

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Berlin- Für viele Menschen sind Musikfestivals das, was für andere der Sommerurlaub ist. Dass Zehntausende Menschen aber Anfang Juni vor einer riesigen Bühne zusammen bei Rockmusik feiern, erscheint angesichts der Corona-Pandemie und der Kontaktsperren utopisch. "Rock am Ring" und "Rock im Park" sagen die Veranstalter bislang trotzdem nicht ab. Für Fans bedeutet das Ungewissheit.

Ein Grund für das Zögern der Veranstalter seien Versicherungsfragen, sagte der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), Jens Michow. Eine Versicherung zahle nur, wenn der Veranstalter den Ausfall des Festivals nicht zu vertreten habe. Das wäre etwa der Fall, wenn Behörden dieses verbieten. "Eine Absage aufgrund der Vermutung", dass ein solches Verbot komme, reiche da nicht aus. "Da wir alle nicht wissen, was in den nächsten Wochen erlaubt und was verboten sein wird, müssen Festivalveranstalter zunächst so planen, dass das Festival stattfinden kann", sagte Michow.

Obwohl Lockerungen der Corona-Maßnahmen noch nicht in Sicht sind, halten die Veranstalter an "Rock am Ring" und "Rock im Park" fest: Die Festivals sollen vom 5. bis 7. Juni steigen; die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, teilte eine Sprecherin der Agentur Live Nation auf Anfrage mit. Vergangenes Jahr besuchten insgesamt 156 000 Menschen die Partnerfestivals am Nürburgring (Eifel) und in Nürnberg. Es sei noch nicht absehbar, ob Festivals, die nach Ostern liegen, stattfinden können, sagte die Sprecherin. Man werde die Vorgaben der Gesundheitsbehörde befolgen. Konzerte per Livestream, also ohne Publikum vor Ort, seien keine Option.

Wankt Wacken?

Vage Hoffnungen hegen auch die Veranstalter des Wacken Open Air (WOA) in Schleswig-Holstein. Ab 30. Juli wollen dort wieder Zehntausende Metal-Fans ihre Mähnen im Takt schütteln. Aktuell gebe es für das WOA keine Beschränkungen, teilte der Veranstalter der Deutschen Presse-Agentur mit. "Entscheidend ist für uns, dass die behördlichen Auflagen definiert werden." Der Veranstalter rechnet demnach wie in Österreich mit einer Entspannung der Lage nach Ostern. Man tue "alles menschenmögliche", um das WOA wie geplant stattfinden zu lassen.

"Das Festival findet statt!", prangt es auf der Internetseite der Zwillingsfestivals "Hurricane" und "Southside" (19. bis 21. Juni). Ein Sprecher äußerte sich auf Anfrage aber vorsichtiger: Man sei sich bewusst, dass der Verlauf der Pandemie nur schwer vorherzusehen sei. Ihre Entwicklung gebe "noch keinen Grund, die derzeitigen Schutzmaßnahmen geschweige denn Veranstaltungsverbote zu lockern." Die Vorbereitungen liefen, "soweit das in dieser besonderen Situation möglich ist". Beim "Hurricane" (Scheeßel, Niedersachsen) und "Southside" (Neuhausen ob Eck, Baden-Württemberg) feierten vergangenes Jahr insgesamt 128 000 Menschen.

Die Bundesregierung will die Kontaktsperren bis 19. April aufrechterhalten. Danach müsse für Konzerte und Festivals eine bundesweit einheitliche Regelung gefunden werden, forderte Michow vom BDKV. "Wir sind dringend darauf angewiesen, dass wir nach dem 19. April nicht wieder ein derartiges Chaos erleben, wie es Anfang März der Fall war", betonte er - "nämlich dass jedes Land zeitlich und inhaltlich unterschiedliche Anordnungen erlässt." dpa

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