Jonas Fleischauer (Tom Gronau, r.) muss sich regelmäßig von Pater Anselm (Maciej Robakiewicz) exorzieren lassen. FOTO: ARNIM THOMAß/rbb/ARD
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Jonas Fleischauer (Tom Gronau, r.) muss sich regelmäßig von Pater Anselm (Maciej Robakiewicz) exorzieren lassen. FOTO: ARNIM THOMAß/rbb/ARD

"Handlanger des Teufels"

  • vonDPA
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Nur wenige Minuten vergehen im neuen "Polizeiruf 110 - Heilig sollt ihr sein", bis man zum ersten Mal das Gefühl hat, tief durchatmen zu müssen. Die Geschichte um die ungewollte Schwangerschaft einer 16-Jährigen zieht den Zuschauer sofort mitten in den Konflikt. Verzweifelte Eltern, die nicht in der Lage sind, ihrer Tochter zu helfen. Ein Selbstmordversuch des Mädchens und ein junger Mann, der in einem Krankenhaus Ungeheuerliches tut. In der Episode, die das Erste am morgigen Sonntag (20.15 Uhr) ausstrahlt, wird der Zuschauer emotional gefordert. Gleichzeitig greift der Film ein politisch aktuelles Thema auf. Und: Das deutsch-polnische Ermittlerteam gerät in persönliche Konflikte.

Die 16-jährige Larissa (Paraschiva Dragus) erwartet ein Kind, das sie nicht bekommen will. Über den Vater schweigt sie. Ihre Eltern, Nikola (Julia Krynke) und Simon Böhler (Shenja Lacher), die im polnischen Slubice an der Grenze zu Brandenburg wohnen, sind mit der Situation überfordert und wissen nicht, wie sie ihrer Tochter helfen sollen. Die Ärzte haben Trisomie 18 bei dem Ungeborenen diagnostiziert. Das bedeutet: Das Kind kommt mit Behinderungen auf die Welt - eine kaum zu ertragende emotionale Belastung für die junge Frau. Einen Abbruch wollen die polnischen Ärzte nicht vornehmen. Medien greifen das brisante Thema schnell auf und schreiben von "Handlangern des Teufels". Abtreibungsgegner beherrschen die öffentliche Meinung. Polen hat eines der strengsten Abtreibungsgesetze in Europa. Larissa sieht keinen Ausweg mehr und entscheidet, sich das Leben zu nehmen. Dann taucht Jonas Fleischauer (Tom Gronau), ein fremder junger Mann, scheinbar zufällig auf. Er nennt sich selbst Elias, er redet auf Larissa ein und kann die Verzweiflungstat im letzten Augenblick verhindern. Jonas versucht die junge Frau zu überzeugen, das Kind zu bekommen - die 16-Jährige entscheidet sich dagegen. In einem Krankenhaus in Frankfurt (Oder) soll der Spätabbruch der Schwangerschaft vorgenommen werden. Jonas kann sich zu Larissa in den Operationsraum schleichen: Er fühlt sich dazu berufen, das Leben des ungeborenen Kindes zu retten, und entschließt sich zu etwas Unfassbarem. Gronau ("Deutschstunde") spielt überzeugend einen religiös-fanatischen jungen Mann. Als die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) eintreffen, schwebt die junge Frau in Lebensgefahr. Das Kind ist gesund. Auch der behandelnde Arzt hat keine Erklärung dafür. Wie kann das möglich sein? Und wer ist dieser Jonas, der sich den Namen eines Heiligen gibt?

Die Kommissare Lenski und Raczek kommen in dieser Episode emotional an ihre Grenzen. Olga, die ihrem oft aufbrausend reagierenden, rastlosen Kollegen meist Routine und Sachlichkeit entgegensetzt, kann ihr Entsetzen über die Tat kaum verbergen. Als Ermittlerin wirkt sie oftmals distanziert und nüchtern, in dieser Geschichte kommt sie den Betroffenen ganz nah.

Kommissar Raczek wird bei den Ermittlungen privat hart geprüft: Katholisch aufgewachsen zwischen Schuld und Sühne, holt ihn die Vergangenheit ein, als seine Mutter Agnieszka - bewegend gespielt von Malgorzata Zajaczkowska - nach Jahren vor der Tür steht. Die gläubige Katholikin eröffnet ihm, dass sie schwer krank ist. Als Abtreibungsgegnerin und ihrem Schicksal ergeben setzt sie Adam doppelt zu. dpa

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