Hai-Hysterie auf großer Leinwand

  • Rüdiger Geis
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Die Corona-Krise schränkt die Urlaubsfreude erheblich ein. Badefreuden mit Ansteckungsgefahr? Vor 45 Jahren beeinträchtigte eine andere Gefahr die Lust aufs Wasser. Sie war etwa sieben Meter lang und hatte ein Gebiss mit fürchterlich scharfen Zähnen: "Der weiße Hai".

Partystimmung an einem Strand an der amerikanischen Ostküste. Junge Leute feiern, Alkoholika und Joints machen die Runde. Eine junge Frau und ihr Freund lösen sich aus der Gruppe. Während der angesäuselte Mann beim Entkleiden einschläft, springt die Frau ins Wasser. Am nächsten Tag findet man ihre Leiche, oder besser: die zerfetzten Überreste am Strand.

So beginnt Steven Spielbergs Horrorklassiker "Der weiße Hai", der am 20. Juni 1975 US-Premiere feierte. In Deutschland kam der Film am 18. Dezember desselben Jahres heraus. Im Gegensatz zu Amerika in einer Zeit, in der hierzulande kaum jemand an Baden im Meer dachte. Und dennoch sorgte der Schocker auch in Deutschland für eine plötzliche Angst vor den Gefahren aus den Tiefen des Ozeans.

Ein erstes Untersuchungsergebnis, wonach die Frau durch einen Hai-Angriff starb, zieht der Ortsarzt wieder zurück - auf Druck des Bürgermeisters, der um die Sommersaison des Badeorts Amity fürchtet, insbesondere um die Einnahmen am Nationalfeiertag 4. Juli. Der Polizeichef des Ortes, Martin Brody (Roy Scheider), und der Meeresbiologe Hooper (Richard Dreyfuss) können sich zunächst nicht durchsetzen. Die Strände bleiben offen.

Und so kommt, was kommen muss. Drei weitere Menschen werden Opfer des Hais. Nun soll es der Fischer Quint (Robert Shaw) richten. Zusammen mit Brody und Hooper bricht er auf dem klapprigen Kutter Orca auf, um den weißen Hai zu erlegen. Bei dessen erster Sichtung stammelt der Polizeichef den legendären Satz: "Sie werden ein größeres Boot brauchen."

Ein ungleiches Trio, dass da auf Jagd ist: Brody, der Wasser außerhalb von Dusche und Badewanne fürchtet, aber aus Pflichtgefühl dabei ist. Hooper, der ein wissenschaftliches Interesse an Haien hat. Und Quint, der seinen Hass auf Haie zu einem Feldzug gemacht hat. Als junger Marinesoldat war er auf der USS Indianapolis, die von einem japanischen U-Boot torpediert und versenkt worden war. Viele seiner im Wasser treibenden Kameraden wurden Opfer von Hai-Angriffen.

Beim Finale wird Quint - eine Art Kapitän Ahab mit Moby-Dick-Komplex - selbst im Maul des großen Weißen enden. "Eine Geschichte - wie von Hemingway erfunden", schrieb die "FAZ".

Steven Spielberg übernimmt Regie

Die Geschichte der Verfilmung von Peter Benchleys Roman "Jaws" (deutsch: Kiefer) - so auch der amerikanische Originaltitel des Films - ist nicht minder spannend wie die Kinoadaption. Die Suche nach einem geeigneten Regisseur gestaltete sich schwierig. Ein Kandidat meinte, er habe schon immer einen Film über einen Wal drehen wollen.

Schließlich kamen die Produzenten Richard D. Zanuck und David Braun auf den jungen Steven Spielberg, der kurz zuvor "Sugarland Express" zum Erfolg geführt hatte. Nach mehreren Drehbuchversionen begannen schließlich im Mai 1974 die Dreharbeiten im Ostküstenort Martha’s Vineyard. Doch halt: Da gab es ja noch das Problem mit dem eigentlichen Hauptdarsteller. Hätten wir das Buch ein zweites Mal gelesen, hätten wir den Film nie gemacht, sagte Brown einmal im Interview. Den Produzenten war schnell klar: Haie kann man nicht dressieren wie Löwen oder Tiger. Die Haifilmer Ron und Valerie Taylor wurden beauftragt, vor Australien Aufnahmen von echten großen Weißen zu machen.

Da die Raubfische dort aber kleiner waren als das Filmmonster, arbeitete man mit kleinen Hai-Käfigen und einem schmächtigen Stuntman als Hooper-Double. Nach dem Angriff eines großen Hais auf seinen Käfig war der völlig verängstigte Mann nicht mehr willens, nochmals in das Metallgehäuse zu steigen

So wurden von Disney-Trickexperten lebensgroße Hai-Modelle entwickelt, die auf Schienen unter Wasser bewegt wurden und auf Knopfdruck den Kopf bewegen und den Rachen aufreißen konnten. Allerdings, allzu oft kam der Ruf vom Special-Effekt-Team: "Shark is not working! - Hai funktioniert nicht!" Die Dreharbeiten waren ursprünglich mit 52 Tagen geplant gewesen. Daraus wurden 155. Spielberg soll zwischenzeitlich daran gedacht haben, sich eine Treppe hinunter zu stürzen, damit er arbeitsunfähig wurde.

Am Ende hatten sich alle Mühen gelohnt. "Der weiße Hai" handelte sich zwar massive Kritiken von Tierschützern ein, machte aber bei sieben Millionen Dollar Produktionskosten weltweit 471 Millionen Dollar an den Kinokassen, leitetet die Ära der Blockbuster ein und war bis zum "Krieg der Sterne" der kommerziell erfolgreichste Film.

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