Wie der Golem nach Island kam

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Fast 30 Jahre lang trug der isländische Avantgarde-Autor Sjón seine Romanidee über die berühmte Geschichte des Prager Golem in sich. Seinen nun auf Deutsch erschienenen 640-Seiten-Wälzer "CoDex 1962" stellt er in die Tradition des Rabbiners Löw, der einst in der frühen Neuzeit das mystische Wesen schuf.

Der dreiteilige Roman nimmt in Nazi-Deutschland seinen Anfang und erstreckt sich bis in die Nullerjahre. Der über zwei Drittel des Buches noch ungeborene Erzähler Jósef berichtet, wie ihn sein jüdischer Vater aus Lehm formt, mit ihm nach Island flieht und dort zum Leben erweckt. Der letzte Part des Romans beginnt 1962, Sjóns Geburtsjahr. Nach einem Unfall in einer Biotech-Firma kommen seinerzeit genetisch veränderte Kinder auf die Welt. Ab da erreicht das Buch nach Liebesgeschichte und Krimi das Reich der Science Fiction. Erneut verwischt Sjón Poesie und Prosa, Realität, Fantasie und Mystik. Für das gemächliche Erzähltempo und viele Seitenstränge müssen Leser zwar Geduld mitbringen. Am Ende werden sie aber mit einem kraftvollen Roman und einnehmenden Charakteren belohnt. dpa

Sjón: CoDex 1962, S. Fischer Verlag, 640 S., 32 Euro, ISBN 978-3-10-397 341 -9

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