+

Gepflegtes Nichtstun junger Provinzler

  • vonDPA
    schließen

Frankreichs verlorene Generation steht im Mittelpunkt erstaunlicher Debütromane unseres Nachbarlandes. Sie erzählen von einer Jugend im Abseits und ohne reelle Chancen in einer Gesellschaft, die den Kuchen schon verteilt hat. In Marion Messinas gefeiertem Erstlingswerk "Fehlstart" ist es die Geschichte eines gescheiterten Aufstiegs. In "Aus der Deckung" von David Lopez hat die Jugend dagegen schon von vorneherein jeglichen Ehrgeiz abgelegt.

Faulenzen, chillen, sich um nichts kümmern müssen ist der gelebte Tagtraum des jugendlichen Helden Jonas, der mit seiner Clique in einem Provinzkaff abhängt. Das was eigentlich die Jugendjahre ausmacht - Pläne schmieden, Träumen nachhängen, vielleicht sogar Visionen entwickeln - ist hier völlig ausgeblendet. Die Zukunft ist abgesagt, nur die Gegenwart zählt.

Jonas und seine Freunde Ixe, Poto, Habib und wie sie alle heißen gehen keiner erkennbaren Beschäftigung nach. Einige verdienen sich etwas durchs Drogendealen, andere wie Jonas leben vom Geld des Vaters. Jonas hat anscheinend ein paar Fabriken abgeklappert, aber schon das hat ihn geschafft. "Ich häng rum, ich warte", entgegnet er, als ein Kumpel ihn nach seiner derzeitigen Beschäftigung fragt.

In einem Bereich allerdings ist Jonas überdurchschnittlich gut, beim Boxen. Sein Trainer schickt ihn regelmäßig in Wettkämpfe, er sieht in ihm ein großes Talent. Doch für eine erfolgreiche Profilaufbahn fehlen Jonas Leidensfähigkeit, Biss und Ehrgeiz.

Lopez hat seine Geschichte in einem schwammigen Kleinstadtmilieu angesiedelt, "irgendwo zwischen Speckgürtel und Acker". Die Jungs empfinden sich weder als Landeier noch als Vorstadtprolls, für die Dörfler sind sie Städter, für die Großstädter Hinterwäldler. Dieses soziologische Mittendrin gilt auch im Kleinteiligen: Jonas und seine Freunde entstammen einer Einfamilienhaussiedlung, die sich klar abhebt von den proletarischen Wohntürmen einerseits und den Luxusvillen im besseren Stadtteil andererseits.

"Aus der Deckung" erzählt vom Zeittotschlagen. Eigentlich tödlich für einen Roman. Denn es gibt keinen Spannungsbogen, nur eine Abfolge von Szenen mit Begegnungen und Beobachtungen. Das alles wird aber in einer rhythmischen, literarisch verfeinerten Jugendsprache erzählt, die die Kritik in Frankreich begeistert und Lopez einen begehrten Buchpreis eingebracht hat. dpa

David Lopez: Aus der Deckung, Hoffmann und Campe, Hamburg, 256 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-455-00824-1

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare