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Gaunereien im Steuerschlupfloch

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Endlich Liechtenstein! Das zwischen Österreich und die Schweiz gepferchte Fürstentum bekommt seinen großen Roman. Den allerdings als Possenspiel. Benjamin Quaderer legt in seinem Debüt "Für immer die Alpen" über das Leben des Hochstaplers Johann Kaiser ein ganzes Land auf die Streckbank. Dem 30-Jährigen, selbst in dem Alpenstaat aufgewachsen, gelingt eine Art morderner Eulenspiegel, eine absurde Persiflage, die im Literaturfrühling ihresgleichen sucht.

In der Nahaufnahme ist es ein grotesker Entwicklungsroman über den ausgebufften Filou Johann, dessen Leben darauf hinausläuft, dass er Kundendaten von Schwarzgeldkonten illegal an den deutschen Fiskus verrät. In der Totale schafft Quaderer die Karikatur eines Heimatschwanks über eines der reichsten Länder, das von Romanciers bisher weitgehend übergangen wurde.

Johann, der Mitte der 1960er als Säugling einen Mordversuch seiner Zwillingsschwestern überlebt, wird zum hochintelligenten Gauner. Sein Leben ist gezeichnet von Identitätenwechseln, Parforce-Fluchten und leichtherzig-fatalen Abenteuern. Einer, der am Ende vielleicht ein Held sein will, aber nie einer sein darf.

Der in Österreich geborene Quaderer (weil die Mutter nicht in Vaduz entbinden wollte) verfasst seit seinen Kindertagen Geschichten. Er studiert literarisches Schreiben in Wien und Hildesheim.

Als nach fünf Jahren Arbeit sein 600-Seiten-Wälzer vor ihm liegt, lässt der Wahlberliner (Markenzeichen: Schiebermütze, Oberlippenbart) wissen: "Ich betrachte mein Frühwerk hiermit als abgeschlossen."

Quaderers Vorbild für seine Hauptfigur ist der reale Datendieb Heinrich Kieber. Der soll in den Nullerjahren Informationen über schwarze Konten deutscher Steuerhinterzieher bei der Fürstenbank LGT verkauft haben. dpa

Benjamin Quaderer: "Für immer die Alpen", Luchterhand, 592 S., 22,00 Euro, ISBN 9 783 630 876 139

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