Flugunruhen und Lebenswirbel

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LGW, DOH, YYZ, GRU - wer in Corona-Zeiten auf Reisen mit dem Flieger verzichtet, könnte alternativ zum neuen Roman von David Szalay greifen. Die Flughafencodes von London, Doha, Toronto, São Paulo und weiteren Städten geben den zwölf Geschichten in "Turbulenzen" ihre jeweiligen Titel. Wie schon im für den renommierten britischen Man-Booker-Preis nominierten Vorgänger "Was ein Mann ist" flicht Szalay in seinem fünften Roman erneut scheinbar eigenständige Handlungen, die diesmal jeweils mit einer Flugroute in Verbindung stehen, zusammen. Nebencharaktere, die er in der einen Geschichte einführt, macht er in der nächsten zum Erzähler: Außenwahrnehmung wechselt in Selbstdarstellung. Die Protagonisten aus mehreren Kulturen und Ländern sind verbunden als Verwandte, Arbeitskollegen, fremde Sitznachbarn oder One-Night-Stands. Trotz erzählerischer Leichtigkeit stellt Szalay sich den tragischen Momenten des Lebens: Krebsdiagnose, Unfalltod, verheimlichte Affären, Einsamkeit.

Der 1974 in Montreal geborene und in London aufgewachsene Autor, der mittlerweile in Budapest lebt, zeigt sich als Meister des sparsamen Erzählens. Das Nichtgesagte, das Ausgelassene erhält bei ihm eine immense Bedeutung. Bei aller Unterschiedlichkeit der Figuren ist "Turbulenzen" ein schmaler Roman über die ganze Fülle der Welt. dpa

David Szalay: Turbulenzen, Hanser Verlag, 136 Seiten, 19 Euro, ISBN 978-3-446-26765-7

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