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Die Flüchtlinge und der Terror

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Jussi Adler-Olsen ist politisch, keine Frage. Die Bücher des Dänen über den kauzigen Ermittler Carl Mørck und das Sonderdezernat Q greifen immer wieder gesellschaftspolitische Phänomene und Missverhältnisse auf. So politisch wie in seinem neuen Buch aber war das Sonderdezernat Q noch nie: In "Opfer 2117", das es - wie für Adler-Olsen (69) üblich - wieder aus dem Stand an die Spitze der Bestseller-Liste schaffte, geht es um Flüchtlinge, die im Mittelmeer sterben, um Terror in Berlin und einen jungen Mann, der sich in der Abgeschiedenheit seines Zimmers und der virtuellen Welt eines Ballerspiels in blutigen Rachefantasien verliert.

Vor allem aber geht es um Assad, den geheimnisvollen Assistenten von Carl, der inzwischen nach einem Jahrzehnt der Zusammenarbeit zum Freund geworden ist - aber darum nicht weniger mysteriös. Carl muss feststellen, dass vieles, was er über Assad zu wissen glaubte, falsch war. Er kommt nicht etwa aus Syrien, sondern wurde im Irak geboren, wuchs in Dänemark auf und war nicht weniger als ein Top-Elitesoldat der dänischen Armee.

Bei einem UN-Einsatz im Irak vor vielen Jahren aber ging so einiges schief: Schließlich musste Assad (gemeinsam mit Carls verhasstem Vorgesetzten Lars Bjørn) dessen Bruder aus einem Gefängnis Saddam Husseins befreien und geriet selbst in die Fänge der saddamschen Gefolgsleute - ebenso wie seine geliebte, damals schwangere Frau und die beiden kleinen gemeinsamen Töchter.

Seit 16 Jahren hatte Assad sie nicht mehr gesehen. Doch dann tauchen sie plötzlich auf einem Foto in der Flüchtlings-Reportage einer spanischen Zeitung wieder auf. Sie sind über das Mittelmeer nach Zypern gekommen; und zwar in Begleitung des Mannes, der Assads Leben und das seiner Familie zerstört hat: Ghaalib.

In der Reportage, die Assads alte Wunden wieder aufreißt, geht es um das titelgebende "Opfer 2117", eine tote Frau aus dem Nahen Osten, die an Zyperns Küste angespült und auf der "Tafel der Schande" in Barcelona, auf der die Zahl der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge angezeigt wird, als "Opfer 2117" vermerkt ist. Allerdings ist sie nicht - wie Hunderte andere - ertrunken, sondern ermordet worden.

Anschlag und Amoklauf

Schnell wird klar: Ghaalib steckt dahinter. Und er ist nicht nur auf einem persönlichen Rachefeldzug gegen Assad, er plant auch einen Terroranschlag mitten in Berlin. Ein brutaler, menschenverachtender Terrorist, als Flüchtling nach Europa gekommen: Adler-Olsen thematisiert eine große Angst, mit der in Europa seit nunmehr Jahren Stimmung gemacht wird. Ganz nebenbei meldet sich auch noch der arme Irre Alexander beim Sonderdezernat Q, der "Opfer 2117" huldigen will, indem er erst seine Eltern und dann wahllos andere Menschen umbringen will.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, um den Terroranschlag in Berlin zu vereiteln und den Amoklauf in Dänemark - und ganz nebenbei auch noch Assads so lange verloren geglaubte Familie zu retten. Adler-Olsen erzählt diese vielen Geschichten, die doch alle zusammenhängen, aus unterschiedlichen Perspektiven: Aus Assads und Carls, Ghaalibs und Alexanders, Roses und Gordons und aus der von Joan, eines erfolglosen spanischen Reporters, der mit der Geschichte über "Opfer 2117" Kasse machen will und sich dafür sogar von Terroristen einspannen lässt. Auch die Medien kriegen ihr Fett weg bei Adler-Olsen.

Das alles wird stellenweise etwas überladen. So, als wolle der Star-Autor zu viel. Allerdings gelingt es ihm vor allem eins zu zeigen: Hinter jedem Flüchtling, der an einem europäischen Strand ankommt, verbirgt sich eine Geschichte, die oft fürchterlich tragisch und traurig ist.

Britta Schultejans

Jussi Adler-Olsen: "Opfer 2117", dtv München. 585 S., 24 Euro, ISBN 978-3-423-282-109

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