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Ein Papyrus aus dem frühen 3. Jahrhundert wurde als ältester bekannter christlicher Privatbrief identifiziert.

Fischsoße für die frühen Christen

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(dpa). Die ersten Christen waren nicht alle so weltabgewandt wie häufig gedacht. Sabine Huebner, Professorin für Alte Geschichte an der Universität Basel, hat einen Papyrus aus dem frühen dritten Jahrhundert jetzt eindeutig als ältesten bekannten christlichen Privatbrief identifiziert. Er stammt aus Ägypten. Die Forscherin kommt zu dem Schluss: "Die ersten Christen nahmen durchaus am politischen Leben teil, sie reisten und sie besaßen Ländereien."

Auch kulinarischen Freuden waren sie offenbar nicht abgeneigt: In dem Brief bittet der Absender namens Arrianus seinen reisenden Bruder, "die beste Fischsoße", die er finden kann, mitzubringen. "Fischsoße war das Maggi der damaligen Zeit", sagt die Professorin der Deutschen Presse-Agentur. Die Deutsche hat am Mittwoch ein Buch über Einblicke in den Alltag der ersten Christen veröffentlicht. "Diese Brüder verbanden ihren christlichen Glauben offensichtlich mühelos mit dem Alltag als Mitglied der lokalen Oberschicht", meinte Huebner.

Die Geschichte der ersten Christen müsse teils umgeschrieben werden. Bislang sei vor allem die Christenverfolgung bekannt, sagte Huebner: Christen hätten den Kaiserkult verweigert und seien wegen Verschwörung gegen den Staat angeklagt worden. Die bekannten Quellen zum frühen Christentum stammten vor allem aus der Feder von Bischöfen. "Danach stellt man sich vor, dass sich die ersten Christen nur dem Gebet widmeten, allen Reichtum aufgaben, sich für den Märtyrertod bereithielten und reihenweise vor die Löwen sprangen."

In ihrem neuen Buch dokumentiert sie die Datierung des auf altgriechisch geschriebenen Briefes von Arrianus an seinen Bruder Paulus. Darin wird ein Verwandter erwähnt, der gerade in den Stadtrat gewählt worden sei. Sie habe diesen Mann in anderen Schriften gefunden und wisse daher, dass er im Jahr 239 bereits im Stadtrat saß. Daher müsse der Brief vorher entstanden sein.

Alltagsbeschreibungen aus der Zeit zu finden, sei äußerst schwer, sagt Sebastian Ristow vom Archäologischen Institut Köln. Das frühe Christentum ist einer seiner Forschungsschwerpunkte. Die frühen Beschreibungen der Kirchenväter seien aus deren Blickwinkel geschrieben und gäben sicher ein Bild. Er sei nicht überrascht, dass auch die ersten Christen am politischen Leben teilnahmen. "Das dürfte nicht anders gewesen sein als heute", meinte er. Manche Leute hätten sich tief religiös abgekapselt, andere nicht. "Es ist natürlich spannend, wenn man das jetzt dokumentiert findet", sagte er.

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