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Erwachen aus einem Albtraum

  • vonRedaktion
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Möglicherweise hat in dieser Woche mit der Inaugurationsrede des neuen US-Präsidenten Joe Biden der Albtraum nicht nur des Buchautors David Runciman geendet. Denn vor vier Jahren fragte er sich bei der Amtsübernahme von Donald Trump, ob dieser die Demokratie abschaffen will. Mit dem Rückblick auf eine Einführungsrede beginnt Runcimans lesenswertes Buch »So endet die Demokratie«. Das Verhalten Trumps zeigt, dass jene Sorge allzu berechtigt war. Und das meint nicht nur die jüngsten Vorfälle, bei denen Trump-Anhänger das Kapitol stürmten - vorher noch angeheizt von ihrem Idol.

Man kann sagen, dass die US-Demokratie die Prüfung, die Trump ihr auferlegt hat, knapper bestanden hat, als viele vor vier Jahren gedacht haben. Runciman fragte sich in seinem Buch, das lange vor der Wahl erschien, was passieren würde, wenn Trump seine etwaige Abwahl nicht akzeptierte und Beistand beim Militär und andren Behörden suchte. Trump könnte seine Chancen hier durchaus eruiert haben, wäre dann aber zum Glück abgeblitzt. Ähnlich waren selbst seine Parteifreunde, die sich ihm sonst weitgehend unterworfen haben, zumindest auf föderaler Ebene nicht bereit, seine bis heute anhaltenden Versuche zu unterstützen, die Wahlergebnisse nicht anzuerkennen. Insofern hat das demokratische System der USA doch funktioniert, aber eben knapp. Die Aussage, dass es jetzt bald wieder einen demokratischen Präsidenten gibt, bekommt so einen doppelten Sinn.

Es ist erschreckend, dass Menschen, die angesichts der Sympathie, die Trump für den nordkoreanischen Diktator Kim hegt, von »zwei Irren mit der Bombe« sprachen, fast eher recht behielten. Trump ist kein Demokrat, er wäre bereit, Wahlfälschungen vorzunehmen und Gewalt gegen den politischen Gegner zu tolerieren. Insofern waren Runcimans Sorgen sehr berechtigt. Dieter Sattler

David Runciman: So endet die Demokratie, Campus, Frankfurt, 232 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 9783593511610

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