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Erbitterter Kampf um Macht und Liebe

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Der Kampf auf Leben und Tod der "Tribute von Panem" geht weiter: Der neueste Band der bisher dreiteiligen Saga der US-amerikanischen Schriftstellerin Suzanne Collins ist nun gleichzeitig in Deutschland, den USA, Kanada, Großbritannien, Neuseeland und anderen Ländern erschienen. Das fast 600-seitige Buch mit dem Titel "Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange" ist dabei keine Fortsetzung des Endzeit-Spektakels um die Jugendliche Katniss Everdeen.

Stattdessen entführt der vierte Band die Leser in eine Zeit, die mehr als 60 Jahre vor dem erbitterten Kampf Everdeens ums Überleben und gegen die Dominanz des Kapitols mit dem tyrannischen Präsidenten Coriolanus Snow liegt. Der später eiskalte, überhebliche und machthungrige Snow steht im Mittelpunkt des neuen dystopischen Science-Fiction-Romans über die Welt Panem.

Er könnte - fast zehn Jahre nach Erscheinen des dritten Buches - eine Erfolgsgeschichte fortschreiben. Die ersten drei deutschsprachigen Bände wurden dem Hamburger Verlag Friedrich Oetinger zufolge 4,7 Millionen Mal verkauft, weltweit mehr als 100 millionen Mal. Auch im Kino war die Geschichte ein Kassenschlager.

Und worum gehts in "Panem X"? Snow ist gerade einmal 18 Jahre alt, noch verletzlich und durchaus charmant. Der Krieg der Rebellen aus den Distrikten gegen das Kapitol ist seit zehn Jahren vorbei und er hat auch bei den Snows Spuren hinterlassen. Reichtum und Macht der Familie sind verpufft, die Eltern tot. Der junge Snow, seine Cousine Tigris und die Großmutter versuchen verbissen, den Schein zu wahren, die alte Stärke und Anmut an den Tag zu legen - und sich Hunger und Armut nicht anmerken zu lassen.

Bei den zehnten "HungerSpielen" sollen wieder ein Junge und ein Mädchen aus jedem Distrikt - die sogenannten Tribute - in der Arena des Kapitols bis auf den Tod gegeneinander kämpfen. Am Ende wird es nur einen Sieger geben. Mit diesen brutalen Spielen will das Kapitol jedes Jahr wieder seine Überlegenheit gegenüber den zwölf verbliebenen Distrikten demonstrieren. Erstmals sollen Schüler nun Mentoren für die Tribute sein und damit die Spiele noch spannender machen. Snow hofft auf Ruhm und Ehre und bekommt Lucy Gray zugelost - ausgerechnet das Mädchen aus dem heruntergekommenen Distrikt 12. Doch aus der Zwangspartnerschaft wird Freundschaft, eine zarte Liebe. Das bringt den berechnenden, kühlen Snow durchaus in Bedrängnis. Wie weit kann er sich gegen das Regime auflehnen und sein Tribut auch gegen die Spielregeln unterstützen, ohne seine vermeintliche Stellung in der Gesellschaft zu gefährden? Und was ist ihm am Ende tatsächlich wichtig? Macht oder Liebe?

Suzanne Collins wollte mit der Geschichte den Zustand der menschlichen Natur in den Mittelpunkt stellen. Wer sind wir und was brauchen wir zum Überleben? Collins lässt ihre Figuren also über das Wesen der Menschen sinnieren, über Herrschaftssysteme, über Freiheit. Doch eine überzeugende Tiefe dieser Gedanken will dabei nicht so recht aufkommen.

Für eingefleischte Fans ist das lang ersehnte Buch eine spannende Erweiterung des "Panem"-Kosmos. Ähnlich bunt bei der Zeichnung der überdrehten Kapitol-Spielmacher, ähnlich fesselnd bei den Kämpfen bis zum Tod und auch ähnlich brutal bei den Details der tödlichen Kinderkämpfe. Christiane Bosch

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem. Das Lied von Schlange und Vogel, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg, Erscheinungsdatum 19. Mai 2020, 608 Seiten, 26 Euro, ISBN 978-3-7891-2002-2

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