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Eine Gewissensfrage

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Wie weit geht ein Mensch, um das, was er als moralisch richtig sieht, umzusetzen? In ihrem Debütroman »Die Farbe der Wahrheit« geht Nina Hamaim dieser Frage nach. Ihren Protagonisten Elias Daniel schickt sie dafür in ein Machtspiel zweier seit Jahrzehnten verfeindeter Männer und lässt den Leser damit sein eigenes Gewissen prüfen.

Sind fünf Menschenleben weniger wert als viele? In der Ethik wird gerne das Trolley-Dilemma herangezogen. Es ist ein moralphilosophisches Gedankenexperiment in dem es darum geht, das ein Güterzug außer Kontorolle geraten ist und droht, ungebremst auf seinem Gleis in einen voll besetzten Personenzug zu rasen. Dabei würden vielen Menschen sterben. Doch man selbst hätte die Chance, die Weichen umzustellen. Dort stehen allerdings fünf Arbeiter auf den Schienen. Was tut man? Diese Problemstellung ist ein essenzieller Bestandteil des Handelns der Figuren in »Die Farbe der Wahrheit«.

Liebesgeschichte und Krimi inklusive

Doch Nina Hamaims Debütroman ist keineswegs eine philosophische Abhandlung, vielmehr ein Stück, das dazu anregt, sein eigenes Gewissen zu prüfen. Dazu schickt sie ihren Protagonisten Elias Daniel in ein undurchschaubares Geflecht von rätselhaften Vorgängen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen und ihn zum Spielball zweier mächtiger Gegner machen. Ein bisschen Krimi und eine Liebesgeschichte gibt es inklusive, denn nachdem Elias etwas Unbegreifliches mitansehen musste und nach Israel flüchtet, trifft er auf die geheimnisvolle Valeria und droht, nicht nur sein Herz an sie zu verlieren.

»Jeder kann dabei für sich selbst prüfen, wie es um sein Gewissen steht«, sagt die Autorin, die in Rockenberg aufwuchs und das Abitur an der Weidigschule in Butzbach ablegte, mit Blick auf die Handlung und die Entscheidungen, die Elias trifft. »Damit dies gelingt, ist der Leser immer auf dem gleichen Stand wie der Protagonist und kann sich selbst überlegen, ob er die Entscheidung auch so getroffen hätte.«

Ihre Magisterarbeit an der Justus-Liebig-Universität in Geschichte hat Hamaim über Adolf Eichmann geschrieben, einen der Hauptorganisatoren des Holocaust, der stets betonte, dass sein Gewissen ihn nicht quäle. »Seitdem habe ich ein Faible für moralische Gedankenspiele. Gewissensfragen üben eine Faszination auf mich aus.«

Als Hamaim (der Name ist ein Pseudonym) dann mit ihrem Ehemann für zwei Jahre nach Israel zog, kam ihr plötzlich auf dem Weg zum Strand in Tel Aviv die Idee zu der Handlung. Die Auslandserfahrung findet sich im Roman wieder. »Das Leben in Israel war für mich sehr inspirierend und ich wollte zeigen, dass Israel ein offenherziges und buntes Land ist«, sagt Hamaim. Nach den Israel-Episoden geht es für Elias wieder in die Heimat und die Ereignisse nehmen ihren Lauf. Und es wird eine Fortsetzung der Geschichte geben, kündigt Hamaim an.

Zielgruppe online erweitern

Dass es nicht einfach ist, mitten in der Corona-Krise ein Buch zu veröffentlichen, musste die Autorin gerade bei ihrem Erstlingswerk erfahren. »Es finden keine Buchmessen oder Lesungen statt und wie will man als Verlag dann neue Autoren präsentieren?«, sagt Hamaim. Ihr Verlag, Alea Libris aus Wannweil, baut sein Online-Angebot aus. Mit digitalen Lesungen und Schreibwettbewerben versucht man, die Zielgruppe zu erweitern.

»Die Farbe der Wahrheit« setzt sich aus zwei Hardcover-Bänden zusammen. Der Clou: Bei einem der beiden Exemplare wurde die Schrift in weißer Farbe auf schwarzen Hintergrund gedruckt und bei dem anderen befindet sich schwarze Schrift auf weißen Seiten. Zusammen umfassen die Bücher gut 800 Seiten. Bestellen kann man sie direkt beim Verlag.

Nina Hamaim: Die Farbe der Wahrheit, zwei Bände: Episoden 1-5; Episoden 6-10), Alea Libris Verlag, Wannweil, 370 bzw. 480 Seiten, je 24,90 Euro, ISBN 9-783945-814536 / 9-783945-814550.

Als Nina Hamaim mit ihrem Ehemann für zwei Jahre in Israel lebte, kam ihr eines Tages auf dem Weg zum Strand plötzlich die Idee zu ihrem Debütroman.

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