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Autorin Katharina Köller bei ihrer Dankesrede.

Ein Buch mit Haltung

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Die österreichische Autorin Katharina Köller ist dieser Tage mit dem Phantastikpreis der Stadt Wetzlar geehrt worden. Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) übergab die mit 4000 Euro dotierte Literaturauszeichnung im Wetzlarer Rathaus an die 37-Jährige für ihren Debütroman »Was ich im Wasser sah«. Unter 100 eingereichten Titeln habe die Jury Köllers Werk ausgesucht, weil es mit Mitteln des magischen Realismus ein ernstes Lebensthema behandle, ohne sich in einfachen Botschaften zu verlieren.

Das Buch sei ein Werk voller teilweise fantastischer Metamorphosen, heißt es in der Begründung. »In der Tradition des Todorowschen Fantastikbegriffs bleibt vieles in der Schwebe. Was wirklich geschieht und was nur dem Entschluss der Ich-Erzählerin entspringt, sich keine fremde Realität aufpfropfen zu lassen, lässt sich nicht immer eindeutig sagen.«

Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt (SPD) sagte in ihrer Laudatio: »Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ein Buch gelesen habe, das so voll, so intensiv, so vielschichtig ist. Das Setting lässt Raum für die eigene Fantasie, und die Kraft der Sprache erzeugt so starke Bilder.« Köllers Buch erzähle von Familie und Freundschaft, Bedrohung, Nähe, Fremde, von der Verletzlichkeit der Lebensräume, von Identität und Äußerlichkeiten. Es seien Fragen, die lebensnah Lebenslagen aufzeigten, die jeden Menschen beträfen. Das Buch habe eine Haltung, und diese Haltung mache es so besonders.

Die Autorin Köller sagte in ihrer Dankesrede, dass der Phantastikpreis ihr ein großer Ansporn sei, da sie gerade ihren zweiten Roman schreibe. Dass die Schauspielerin, Performance-Künstlerin, Regisseurin für »Was ich im Wasser sah« knapp acht Jahre brauchte, läge daran, dass sie beim Schreiben immer haderte, an sich zweifelte und sicher war, sie würde nie genügen.

Der Phantastikpreis der Stadt Wetzlar wird seit 1983 verliehen. Zu den Preisträgern gehörten Rafik Schami, Carl Amery, Thomas Glavinic, Cornelia Funke und Christian Kracht. Das preisgekrönte Buch ist 2020 bei fva, der Frankfurter Verlagsanstalt, erschienen. (320 Seiten, 22 Euro, ISBN 9783627002794). pm

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