Drei Kameradinnen und eine Fälscherin

Sie sind in der gleichen Wohnblocksiedlung aufgewachsen und haben einen ähnlichen migrantischen Hintergrund. Zusammen rauchen sie auf dem Hochhausdach und feiern Partys: Saya, Kasih und Hani sind drei Kameradinnen, eine bedingungslos miteinander verbundene Schicksalsgemeinschaft. Die Geschichte dieser Freundschaft erzählt Kasih, »das Mädchen aus dem Getto«, in der Rückschau in rotzig-frechem Ton.

Denn es ist etwas Schlimmes passiert. Ein Wohnhaus wurde in Brand gesteckt und Saya sitzt im Knast. Hat sie, die ewige Rebellin, das Feuer gelegt, und wenn ja warum?

Den zweiten Roman von Shida Bazyar, »Drei Kameradinnen«, kann man als kraftvollen literarischen Beitrag zur aktuellen Identitäts- und Rassismusdebatte lesen. Vor dem Hintergrund des NSU-Prozesses schildert sie die Lebenswirklichkeit dreier Migrantinnen, ihre Ausgrenzungserfahrungen, ihre Wut, aber auch ihre Sehnsucht nach etwas »Normalität«. Dabei verleiht sie Kasih eine Erzählstimme von erstaunlicher Authentizität, verwirrend, widersprüchlich und berührend.

Beutekunst und Venedig

Ganz anders die zweite Neuerscheinung, die wir hier vorstellen: Während der napoleonischen Besatzung gelangen zahlreiche Kunstwerke Venedigs als Beutekunst nach Frankreich. Als sie 1818 in die Lagunenstadt rückgeführt werden, verschwinden viele Stücke bei einem gigantischen Kunstraub. Der deutsche Schriftsteller Franz Wercker erhält den Auftrag, sich auf die Spur der Diebe zu begeben. Getarnt als Kunsthändler, knüpft er Verbindungen zu Sammlern, Händlern und Künstlern und gerät dabei ins Visier der Hintermänner der Diebstähle. Ein Mordanschlag führt dazu, dass Franz sein Gedächtnis verliert. Christian Schnalke erweckt mit seinem Roman »Die Fälscherin von Venedig« Italien als Sehnsuchtsort der deutschen Romantik zum Leben. Die Serenissima versprüht aber nicht nur kulturellen Glanz, sondern ist auch ein Ort der Armut und Kriminalität. Dieser Spagat gelingt dem Autor bestens. dpa

Shida Bazyar: Drei Kameradinnen, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 352 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-462-05 276 -3 - Christian Schnalke: Die Fälscherin von Venedig, Piper Verlag, München, 496 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-492-05 952 -7

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