Fabereien

Dauerkarfreitag

  • vonDPA
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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe in den letzten Wochen so einiges über das Thema Corona-Virus gelesen. Oder im Fernsehen gesehen. Vom Internet mal ganz zu schweigen, da findet man ja so einiges. Ich muss sagen, ich fühle mich durchaus umfassend informiert.

Ich habe auch schon einige Corona-Lieder gehört, zu viele Witze über Klopapier gelesen und ausreichend Petitionen über bedingungsloses Grundeinkommen studiert. Dann las ich kecke Nähanleitungen für Gesichtsmasken mit lustigen Motiven auf Instagram und betrachtete scheinseriöse Männer mit Stethoskop um den Hals auf Youtube, die alles viel besser als andere zu wissen glaubten und Corona für eine harmlose Grippe hielten. Auch habe ich sehr viele packende Pressekonferenzen mit Super-Söder gesehen oder tägliche Virologen-Podcasts gehört.

Ich fürchte, Ihnen geht es da nicht viel anders. Wenn ich nun Sie wäre, wäre es das wirklich allerletzte, auf das ich jetzt noch Lust hätte, nun auch noch eine Kolumne zu diesem Thema zu lesen. Und genau aus diesem Grund lasse ich das und schreibe stattdessen über… naja…. es gibt ja auch noch andere wichtige Themen im Leben… zum Beispiel… äh… warten Sie, mir fällt schon noch was ein… ja… vielleicht… Ostern?

Hmm, wäre jedenfalls auch ein topp-aktuelles Thema. Habe ich aber eigentlich auch keine Lust drauf. Ist mir zu positiv, und passt nicht zu meiner schlechten Stimmung. Dann schon lieber Karfreitag. Karfreitag ist okay, aber Ostern? Nee! Karfreitag dauert halt dieses Jahr einfach mal länger als drei Tage. Auferstehung muss warten. Punkt. So lange diese weltweite Gesamtsituation noch so unsicher ist, so lange muss Ostern sich eben nun mal gedulden. Halleluja? Von wegen! Ostern kann mich mal und fällt einfach mal aus. Genau so wie die Fußball-EM, die Olympischen Spiele und noch dramatischer: das Wiesnfest in Watzenborn-Steinberg!

Kann es sein, dass ich meine schlechte Laune gerade an dieser Kolumne hier auslasse? Dies täte mir leid. Aber irgendwo muss sie ja hin. Besser hier, als meine direkten Mitmenschen beim Ostereinkauf mit dem Zwangseinkaufswagen zu rammen oder die Kassiererin hinter der Plexiglasscheibe für fehlendes Mehl verantwortlich zu machen.

Ich finde, man muss in diesen Tagen auch einfach mal schlecht gelaunt sein dürfen. Und erst recht muss man nicht den Keller aufräumen, nur um sinnvoll die gewonnene Zeit genutzt zu haben. Und zwischendurch mal Angst haben ist auch okay. Gehört einfach dazu im Moment. Geht auch wieder weg.

Darauf vertraue ich. Genauso wie darauf, dass irgendwann nach diesem Dauerkarfreitag auch wieder Ostern kommen wird.

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. Weitere Informationen zu ihm gibt es im Internet unter www.dietrichfaber.de

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