Pater Arno Dähling hat schon zahlreiche Bände veröffentlicht. FOTO: MONIKA MÜLLER
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Pater Arno Dähling hat schon zahlreiche Bände veröffentlicht. FOTO: MONIKA MÜLLER

Bruder Arno dichtet aus dem Kloster

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Liest man ein Buch, stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Von wem stammt es und wo ist es entstanden? Ein schmaler neuer Gedichtband, der sich ganz passend in diesem Jahr des Zuhausebleibens dem Thema Reisen widmet, lässt da alle Fragen offen. Dabei haben viele Menschen in Frankfurt mit dem Autor Arno Dähling zu tun. Der 74 Jahre alte Dichter ist bekannter als Bruder Arno - dass diese Lyrik im Kloster entstanden ist, darauf käme man wohl nur schwerlich.

Seit vielen Jahren lebt der Mönch im Frankfurter Kapuzinerkloster und ist schon von Berufs wegen ein Mann des Wortes. Dähling predigt in der benachbarten Liebfrauenkirche und ist dort auch regelmäßig Seelsorger. "Ruhestand gibt es für Mönche nicht", sagt er. Manch armer Sünder kommt eigens zu ihm nach Frankfurt zur Beichte, weil der Mönch auch Spanisch spricht. Was bewegt die Menschen in diesen Zeiten? Ist Corona ein großes Thema? "Über den Inhalt von Beichtgesprächen äußern wir uns grundsätzlich nicht", sagt er.

"Kultursplitter. Poetische Skizzen" heißt sein neues, gerade im Deutschen Lyrik-Verlag erschienenes Werk. Der Autor muss selbst eine ganze Weile nachdenken, ob es inzwischen tatsächlich schon sein 14. Buch ist. Neben vielen Gedichtbänden hat Bruder Arno auch eine Geschichte der deutschen Kapuziner in Mexiko geschrieben, wo er selbst lange gelebt hat, er hat dem Mond ein Buch gewidmet und Rosenlyrik verfasst. "Ich schreibe nicht über Politik", meint er. "Das funktioniert nicht in Gedichtform, da könnte man nur ironisch oder sarkastisch werden." Buch Nummer 14 ist keine fromme Meditationslyrik (auch das schreibt er), es ist eine Sammlung von Erinnerungen, meist an alltägliche Besuche von Städten und Sehenswürdigkeiten, ob Bochold, Berlin oder Barcelona. Ja, auch Mönche machen Urlaub. "Wir sind sogar dazu verpflichtet!", sagt er mit einem Lachen. Das neue Buch ist ernst, aber nicht schwermütig, ein klassischer Lyrikband - denn wo gibt es das noch, Gedichte, die sich reimen, mit Versmaß, ganz traditionell? "Mir fehlen in der modernen Dichtung Metrik und Rhythmus", sagt Dähling. In Klöstern ist jahrhundertelang auch viel Poesie entstanden, nicht nur auf Latein, es ist eine uralte Tradition. Er arbeite sehr sorgfältig an jeder Zeile, erzählt Bruder Arno. Mit seinen Texten wolle er Dinge erfassen. "Wie halte ich so etwas wie Dämmerung oder Wolken fest? In einem einzigen Text geht das vielleicht gar nicht." Andreas Hartmann

Arno Dähling: "Kultursplitter. Poetische Skizzen", ISBN 978-3-8422-4741-3, ist erschienen im Deutschen Lyrik-Verlag und kostet 6,90 Euro.

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