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Lisa Fitz

Mit bissigem Humor

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Im Rahmen der Wetzlarer Festspiele begeisterte Kabarettistin Lisa Fitz das Publikum in der ausverkauften Stadthalle mit enormer Energie und kernigem bayerischen Temperament. Der Titel ihres Programms, "Flüsterwitz", spielte auf politische Zensur in Diktaturen an. Die Demokratie produziere "keine Flüsterwitze, weil die ganzen Komiker in der Regierung sitzen", merkte Fitz spöttisch an. Auch im Kabarett sei es eine Gratwanderung, was man zu sagen wagt. Dabei verstand die aus München stammende Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin die Kunst zu kritisieren, ohne anzuecken. Deutlich wurde dies etwa, als sie von muslimischen Emigranten forderte, sich an unsere offene Gesellschaft anzupassen, ohne sich des Rassismus verdächtig zu machen.

Keine Gnade kannte Fitz bei unserer Regierung, die sie als "Dilettantentruppe" bezeichnete. Fast buddhistische Züge trage die sich "wie eine Kröte auf der Autobahn" bewegende, selten aufregende Kanzlerin. Quer durch alle Parteien wollten die Politiker immer recht haben, zudem alles aussitzen. Mit ihrer ausdrucksvollen Stimme bereicherte Fitz durch Songs das Programm. Schmunzeln ließ etwa, gewürzt durch Jodeleinlagen, "Welche Partei soll ich wählen?"

In Russland würden Wahlen manipuliert, in Deutschland die Wähler, entlarvte Fitz die politischen Verhältnisse. Mal machte sie weit- verbreitete Ängste vor Überfremdung zum Thema, dann den Aspekt der Heimat und kulturellen Identität.

Besonders gefiel ihre Warnung vor stumpfsinnigen TV-Sendungen wie "Frauentausch" oder "Bauer sucht Frau". Verblödende Unterhaltung könne zum "fröhlichen Depp" führen, der nicht mehr wahrnehme, was in der Gesellschaft passiere. Dabei sei Bildung "der Schlüssel aus der Falle", betonte Fitz.

Beharrlich rüttelte die Kabarettistin mit ihrem bissigen Humor das Publikum wach. Anders als bei den Gelbwesten in Frankreich, sei hierzulande angesichts der Autoritätsgläubigkeit eine Revolution kaum zu erwarten. Als mögliche Voraussetzung für Staatenlenker bezeichnete sie es, populistisch zu sein, um vom Volk überhaupt verstanden zu werden. Dabei müsse zwischen der Richtung differenziert werden. Wohlgemerkt könne Populismus auch aus der Mitte kommen, wie Merkel mit ihrem wohlbekannten Satz "Wir schaffen das" belege.

Mal heiter, dann wieder ernst lieferte Fitz viele Denkanstöße, scheute dabei nicht, auch mal als Rebellin verkleidet zu rappen. Düster erschien das Szenario, das sie entwarf: Weil "Geist und Seele" fehlten, reiche "das große Wissen nicht aus, die Welt zu retten". In ihrem Schlussplädoyer forderte sie dann auch mit Nachdruck "Staatsmänner, die über den Tellerrand schauen". (jou/Foto: jou)

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