Camilleri-Krimis

Bewährtes und neue Experimente

Der Tod von Andrea Camilleri im vergangenen Jahr hat die Fans des italienischen Bestsellerautors und seiner exzentrischen Charaktere hart getroffen. Wehmütig mögen sie nun die beiden neuen Übersetzungen zweier Kriminalromane in die Hand nehmen, die in diesem Jahr posthum erschienen sind: der eine ein moderner Briefroman, der andere eine Wiederbegegnung mit einem alternden, aber nicht weniger scharfsinnigen sizilianischen Polizisten und seinen liebenswürdig-merkwürdigen Kollegen im Kommissariat von Vigàta.

Real und überraschend ist auch "Kilometer 123" - ein experimenteller Roman ohne Erzähler, der nur aus Dialogen und Dokumenten besteht und sich unter den Augen des Lesers zu einem Puzzle zusammenfügt.

Der bekannte Bauunternehmer Giulio Davoli verunglückt mit dem Auto seiner Frau bei Kilometer 123 der Via Aurelia, Richtung Rom und kommt schwer verletzt ins Krankenhaus. Offenbar war er von einem zweiten Wagen von der Straße abgedrängt worden. Davoli lebte ein Doppelleben, und der Verdacht des versuchten Mordes fällt schon bald auf seine betrogene Frau wie auch auf seine eifersüchtige Geliebte. Als dann auch seine Geliebte an derselben Stelle derselben Straße tot in einem Auto aufgefunden wird, können die Ermittler keine zufriedenstellende Erklärung finden. Offenbar haben sie eines völlig außer Acht gelassen.

Der Leser ist indes immer im Bilde, liest SMS, E-Mails, Dialoge und Zeitungsberichte der Beteiligten. Nicht immer ist gleich klar, wer was gesagt hat und wer genau was weiß. Doch genau das macht ja den Reiz von Kriminalromanen aus - und am Ende löst sich alles auf. dpa

Andrea Camilleri: Das Bild der Pyramide, Commissario Montalbano blickt hinter die Fassaden. Lübbe, 272 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-7857-2655-6 - Kilometer 123. Kindler/Rowohlt, 144 Seiten, Hardcover 22 Euro. ISBN: 978-3-463-00 010 -7

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