Einmal Elefanten wie diese in freier Wildbahn so nah sehen - davon träumen viele Menschen. In Corona-Zeiten rückt eine Safari in Afrika aber auch im übertragenen Sinne in sehr, sehr weite Ferne. Stattdessen könnte man mit Gesa Neitzel auf Abenteuertour in Afrika gehen... FOTO: DPA
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Einmal Elefanten wie diese in freier Wildbahn so nah sehen - davon träumen viele Menschen. In Corona-Zeiten rückt eine Safari in Afrika aber auch im übertragenen Sinne in sehr, sehr weite Ferne. Stattdessen könnte man mit Gesa Neitzel auf Abenteuertour in Afrika gehen... FOTO: DPA

Von Berlin in den Busch

  • Annette Spiller
    vonAnnette Spiller
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Dieses Buch ersetzt keine Reise. Schon gar nicht einen Urlaub in Afrika. Aber es ist genau der richtige Lesestoff in der Corona-Krise, auch wenn es schon etwas länger auf dem Markt ist. Von einer, die auszog, um ihrem Traum nachzuspüren… Mit Gesa Neitzel auf Safari, auch durch ihr eigenes Leben.

Gesa Neitzel ist Ende 20 und Fernsehredakteurin in Berlin. Eine Wohnung in der Hauptstadt, einen interessanten Job, liebevolle Eltern, eine nette Schwester, tolle Freunde - das ist doch nicht so schlecht. Und doch fehlte ihr trotz all ihrer vielen Fernreisen etwas - oder vielleicht gerade deshalb: Die eigene Mitte und ein Leben, in dem sie sich wirklich angekommen fühlt. Sie bleibt unruhig, es reicht irgendwie nicht, nicht so, nicht nur, nicht - ja was? Da sie es nicht weiß, bricht sie im Jahr 2015 auf, um sich als Safari-Rangerin in Afrika ausbilden zu lassen. Es klingt bescheuert und wie die typische Schnapsidee: Reiselustige junge Frau ohne jede Erfahrung mit Camping, Haustieren oder Gewehren geht von Berlin nach Südafrika, um dort zu lernen, wie man eine Gruppe sicher zu Fuß durch den Busch führt. Und dann geht es ganz schnell, ergeben sich Chancen, drängen sich Entscheidungen auf, wird es konkret für Neitzel, die selbst gar nicht fassen kann, was sie da tut… und plötzlich ist alles anders.

Sie vermietet ihre Wohnung und tauscht ihr Zuhause in der überfüllten, lärmenden Großstadt mit einem Schlafsack im einsamen Camp unter dem Sternenhimmel, ohne Internet. Dass hier kein Missverständnis aufkommt: Das ist großartig und romantisch und überhaupt - für Neitzel aber zunächst vor allem unfassbar beängstigend und eine ganz andere Nummer als alles, was sie bisher erlebt hat. Jetzt heißt es sich durchzubeißen, zusammen mit den anderen Schülern aus der Gruppe: Bei Geländewagenfahrten durchs unwegsame Regionen, bei Märschen durch ausgetrocknete Flüsse, beim Unterricht mit geballtem Wissensstoff zu Elefanten, Madenhackern, Hyänen, Gelbschnabeltokos und all den mannigfaltigen Vertretern der Tierwelt, die ein Ranger einem Gast nahebringen können sollte. Funktionieren die eigenen Instinkte noch? Neitzel lernt Beobachten und Spurenlesen und Sternenkunde, paukt Vogelnamen und -gewohnheiten, bibbert in kalten Nächten und vor schweren theoretischen und praktischen Prüfungen. Sie läuft barfuß durch die Savanne, frühstückt mit Elefanten und muss aufregende Löwenbegegnungen meistern. Und sich all diesen Fragen aussetzen: Wer bin ich wirklich, wo liegen meine Stärken und Schwächen, was bedeutet Zuhause, wie will ich leben, was bedeutet für mich Afrika - mündend in der Fazit-Frage: Mache ich hier nur die Ausbildung oder ist das ein Turnaround, will ich wirklich Rangerin sein?

Neitzel hat ihre Geschichte aufgeschrieben. Sie kann das gut, erzählt packend, ehrlich und unterhaltsam - nicht so glattgebügelt. Sie nimmt den Leser mit in ihr Afrika und zeigt ihm, was sie dort und mit sich selbst erlebt hat. Man schleicht mit ihr vom Zelt zum Klo in der Nacht - und bleibt drin, weil draußen ein Tier herumschnaubt. Man spürt ihre Freude über die erste Begegnung mit einem Elefanten, wird hineingenommen in das Leben in den verschiedenen Camps.

Ganz wichtig: Der Zusammenhalt zwischen den Menschen, mit denen sie dort lernt, lebt und arbeitet und auf die sie sich blind verlassen muss. Und schließlich hält man mit ihr das Gewehr, wenn sie den Worstcase, den Schuss auf einen Löwen, an einer Attrappe simulieren muss, um die Gruppe vor einem Angriff zu retten… Schwer, aus diesem Buch wieder aufzutauchen. Wer wissen will, was aus Gesa Neitzel geworden ist, kann auf Youtube Talkshows mit ihr gucken. Oder ihr zweites Buch lesen, das jüngst erschien. Untertitel: "Was ich von Afrikas Wildnis fürs Leben lernen konnte."

Gesa Neitzel: Frühstück mit Elefanten. Als Rangerin in Afrika. Verlag Ullstein, 360 Seiten, 10 Euro, ISBN 978-354-8377346

The wonderful wild. Was ich von Afrikas Wildnis fürs Leben lernte. Ullstein Verlag, 252 Seiten, 15,99 Euro, ISBN 978-396-3660610

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