Ein Archäologie-Thriller und ein Trümmer-Krimi

Nach kirchlicher Tradition gilt Ephesos als ein möglicher Sterbeort der Gottesmutter Maria. Bill Oakridge, Altertumswissenschaftler aus Berkeley, wähnt sich einer Sensation nahe, denn ein frühchristlicher Papyrus liefert Hinweise auf das Grab Mariens in Ephesos. Leider reißt der Text an der entscheidenden Stelle ab, aber Bill ist sich sicher, in der Vatikanischen Bibliothek in Rom weitere Hinweise zu finden. Gemeinsam mit dem Bibliothekar Monsignore Montebello entdeckt er einen Papyrus, der die Grablege erwähnt. Bill will sich mit einer Expedition auf die Suche machen, aber die sensationelle Entdeckung ist bereits bekannt geworden und weckt in dunklen Kreisen Begehrlichkeiten. Stefan von der Lahr, promovierter Altertumswissenschaftler, versteht es, in "Das Grab der Jungfrau" Fakten und Fiktion spannend zu verbinden. Glücklicherweise vermeidet er Actionszenen à la Dan Brown und entwickelt einen kurzweiligen Archäologie-Thriller, der spekulativ ist, aber Bodenhaftung behält.

Eine neue Krimireihe spielt zwischen Trümmern und Wiederaufbau. Der junge Fred Lemke fängt 1958 bei der West-Berliner Kriminalpolizei an. Sogleich wird er auf einen Fall angesetzt, den sein älterer Kollegen Auweiler für einen Raubmord hält. Fred hingegen entdeckt in der Vergangenheit des Toten Verbindungen zur Gestapo. Aber seine Ermittlungsergebnisse werden von seinen Kollegen ignoriert und sein Vorgesetzter verbietet ihm förmlich weitere Nachforschungen. Fred lässt jedoch nicht locker, denn für alte Nazis hat er nichts übrig. "Der Petticoat-Mörder" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe von Leonard Bell, Pseudonym eines deutschen Autors. Mit scharfer Beobachtung trifft er sehr genau den Alltag in Nachkriegsdeutschland. Altes steht neben Neuem, Seilschaften des Dritten Reiches neben jungen Idealisten, denen die Demokratie wichtiger ist als der Muff der Tausend Jahre. Diese Gegensätze bewirken eine Dynamik, die sich perfekt in die Handlung einfügt. dpa

Stefan von der Lahr: Das Grab der Jungfrau, C.H. Beck, München, 400 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-406-75 658 -0 / Leonard Bell: Der Petticoat-Mörder, Ullstein Verlag, Berlin, 432 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 978-3-548-06 307 -2

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