In einem Heißluftballon, mit Schiff und Eisenbahn rund um die Welt: In der Fantasie kann das gelingen - und mit Jules Vernes Klassiker "Reise um die Erde in 80 Tagen". FOTO: ARCHIV
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In einem Heißluftballon, mit Schiff und Eisenbahn rund um die Welt: In der Fantasie kann das gelingen - und mit Jules Vernes Klassiker "Reise um die Erde in 80 Tagen". FOTO: ARCHIV

Abenteuerliche Reisen im Kopf

  • vonDPA
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Grenzen werden in Corona-Zeiten geschlossen, doch im Kopf kann man überall hin reisen. Bücher helfen dabei.

Mit dem Reisen ist es zunächst einmal vorbei in der Corona-Krise. Und doch kann man verreisen: In und mit der Literatur. Reisebücher führen nach Rom, auf abgelegene Inseln - und um die ganze Welt. Eine Auswahl.

Das ultimative Reiseziel? Natürlich die ganze Welt! Jules Verne beschreibt das in seinem klassischen Abenteuerroman "Reise um die Erde in 80 Tagen". Der Engländer Phileas Fogg wettet um sein Vermögen, dass er in 80 Tagen einmal um die Erde reisen wird. Mit der Eisenbahn, auf dem Rücken von Elefanten, im Segelschiff und auf Schlitten: Fogg und sein Diener Passepartout lassen nichts aus, verfolgt werden sie vom Detektiv Mister Fix, der Fogg für einen Bankräuber hält. Über Indien geht es nach Hongkong, Yokohama, San Francisco und New York. Schließlich erreichen Fogg und Passepartout wieder London - fünf Minuten zu spät. Die Wette scheint verloren, doch am Ende triumphieren die beiden.

Mehrfach verfilmt

Der Franzose Jules Verne (1828-1905), einer der Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur, veröffentlichte "Reise um die Erde in 80 Tagen" im Jahr 1873. Als Theaterstück und Musical kam der Klassiker auf die Bühne. Die Verfilmung von 1956 mit David Niven (deutscher Titel: "In 80 Tagen um die Welt") gewann fünf Oscars, darunter als bester Film. 1989 folgte eine Verfilmung als Miniserie mit Pierce Brosnan.

Oder lieber ein gehobener Klassiker? Bitteschön: Johann Wolfgang von Goethes "Italienische Reise": "Auch ich war in Arkadien!" - so überschrieb Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) seine "Italienische Reise". Zwischen 1786 und 1788 reiste der Weimarer Minister nach Italien; das berühmte Gemälde "Goethe in der Campagna" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein zeugt davon. Goethe reiste mit der Postkutsche - inkognito als Pittore (Maler) Filippo Miller. In "Italienische Reise" berichtet der Dichter von seinen Eindrücken, das Werk erschien allerdings viel später. Rom, Neapel und Sizilien widmet Goethe den größten Teil seiner Aufzeichnungen. Sein Interesse gilt weniger der italienischen Gegenwart als vielmehr der Antike, den Museen, der Malerei. Er versucht sich auch selbst im Zeichnen, erkennt aber, wie er im Februar 1788 in Rom schreibt, "daß ich eigentlich zur Dichtkunst geboren bin". Ein Reiseführer ist Goethes "Italienische Reise" nicht, vielmehr Teil seiner Autobiografie: "Ihr Thema ist Goethe - Goethe freilich in der Phase seiner für seine Zukunft entscheidenden Begegnung mit dem Süden", wie der Kunsthistoriker Herbert von Einem kommentierte.

Kreuz und quer

Eher wild geht es in Jack Kerouacs "On The Road"zu: Sex, Drogen, Bebop. Kerouac (1922-1969) wurde mit "On The Road" (1957; deutsch: "Unterwegs") zu einem der wichtigsten Vertreter der Beat-Generation. Dean Moriarty und der Erzähler Sal Paradise reisen kreuz und quer über den nordamerikanischen Kontinent - auf der Suche nach Party, Freiheit und Glück. Sie trampen, fahren auf Güterzügen und in Lastwagen mit und brausen mit dem Auto über den Highway. Kerouac fing das Lebensgefühl einer Subkultur ein, die aus der Perspektive von Außenseitern auf die amerikanische Gesellschaft sah. Er schrieb den Roman 1951 innerhalb von drei Wochen auf einer 40 Meter langen Rolle Endlospapier - 50 Jahre später wurde diese Rolle für fast 2,5 Millionen Dollar versteigert. "On The Road" hat autobiografische Züge. So entspricht Moriarty seinem Freund Neal Cassady, andere Figuren lassen sich als die Schriftsteller Allen Ginsberg und William S. Burroughs identifizieren, Erzähler Sal Paradise ist Kerouac selbst. Der Roman hat die amerikanische Literatur nachhaltig beeinflusst.

Wer ganz weit weg will von allem, für den könnte der "Atlas der abgelegenen Inseln"von Judith Schalansky das Richtige sein. Die vielfach preisgekrönte Autorin (Jahrgang 1980) hat fünfzig entlegene Inseln gesammelt, weit entfernt von Menschen, Flughäfen und Reisekatalogen. Zu jeder Insel gibt es eine Prosa-Miniatur. Der "Atlas der abgelegenen Inseln" wurde von der Stiftung Buchkunst 2009 zum "Schönsten deutschen Buch" gekürt. Der Verlag mare sagt zu dem Atlas: "Damit entführt uns Judith Schalansky zu fünfzig entlegenen Orten - von Tristan da Cunha bis zum Clipperton-Atoll, von der Weihnachts- bis zur Osterinsel - und beweist, dass die abenteuerlichsten Reisen immer noch im Kopf stattfinden: mit dem Finger auf der Landkarte."

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