Dem Biergarten und der dahinterliegenden Scheune sei dank: Hans Dern und seine Tochter Anna kommen in Corona-Zeiten mit dem Betrieb der alteingesessenen Gaststätte "Speckmaus" gerade so über die Runden. FOTO: AGE
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Dem Biergarten und der dahinterliegenden Scheune sei dank: Hans Dern und seine Tochter Anna kommen in Corona-Zeiten mit dem Betrieb der alteingesessenen Gaststätte "Speckmaus" gerade so über die Runden. FOTO: AGE

Zwischen Sorge und Optimismus

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Kneipen haben es in Corona-Zeiten wegen der auferlegten Beschränkungen besonders schwer. Die "Speckmaus" in Langgöns hat glücklicherweise einen Biergarten und eine große Scheune.

Feiern finden derzeit gar nicht statt", bedauert Hans Dern. Der nunmehr 70-Jährige betreibt seit 2004 die "Speckmaus", eine über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Gastwirtschaft in Langgöns. "Die Leute trauen sich noch nicht. Viele wollen nicht kommen, auch wenn die Abstandsregeln es zuließen", beschreibt er die derzeitige Lage.

Damit ist dem Gastronomen derzeit eine wichtige Einnahmequelle regelrecht ausgetrocknet. Die eigentliche Kneipe im alten Fachwerkhaus ist wegen der beengten Verhältnisse geschlossen.

Mit der anfänglichen Fünf-Quadratmeter-Regel hätten dort nur rund zehn Personen sitzen dürfen, mit der jetzt aktuellen Abstandsregel etwas mehr. Aber immer noch zu wenig, als dass es sich lohne, den Bierhahn wieder aufzudrehen.

Beihilfe und Mietverzicht

Doch ganz zum Erliegen gekommen ist das Geschäft nicht. Dank des Biergartens kann Dern seine Gäste seit einigen Wochen wieder begrüßen. Die hatten die Wiedereröffnung regelrecht herbeigesehnt. Beschränkungen wurden und werden weitgehend akzeptiert, Unmut gab es nur ganz vereinzelt, berichtet Anna Dern, die auf absehbare Zeit die Gaststätte von ihrem Vater übernehmen will. "Es hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass man lieber ein bisschen vorsichtiger ist."

Ihr Vater ergänzt, dass viele Gäste das Geschehen gelassen sähen. Und hoffnungsvoll praktikabel: "Dann wird eben der 51. Geburtstag gefeiert, wenn der 50. nicht geht", das sei die Einstellung von vielen.

Ein Thema ist auch die Mundschutzpflicht. Sie besteht für die Gäste nicht generell, was beim Essen und Trinken auch nicht praktikabel wäre. Doch bei Begegnungen ist ein Schutz gewünscht. Die Bedienungen tragen durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz.

Der Umsatz sei um rund 40 Prozent zurückgegangen, sagt Dern. Der Betrieb rentiere sich derzeit kaum. Zupass kommt ihm der Umstand, dass er keine Miete zahlen muss. Deshalb hat er auch keinen Zuschuss beantragt, der ohne Prüfung möglich gewesen wäre. Das sei für ihn eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Dern hat die Zeit der Schließung damit verbracht, Vorschläge zum verbesserten Umgang in Zeiten von Corona zu machen. Da gingen dann Briefe schon mal direkt an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, oder Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Denn eine Sache fuchst den streitbaren Kommunalpolitiker besonders: Seine gesamten 450-Euro-Kräfte gingen völlig leer aus. Die 30 Prozent Sozialabgaben begründeten keine persönlichen Ansprüche. Die angebotenen Darlehen brächten nichts. Geringverdiener würden gezwungen, Sozialhilfe zu beantragen.

Das findet Dern nicht in Ordnung. Ihm schwebt eine Beihilfe vor, ähnlich wie für die Arbeitskräfte in der Industrie. Mit einem besonderen Effekt: Mit den gleichen Mitteln für einen Beschäftigten in der Industrie könnte man angesichts der deutlich unterschiedlichen Einkommenshöhen 10 bis 15 geringfügig Beschäftigten helfen.

Für seine Kollegen in der Gastronomie wünscht Dern sich einen temporären Mietverzicht, wo immer dies möglich ist: "Das wäre ein echtes Zeichen der Solidarität, das sofort spürbare Auswirkungen hätte".

Außerdem plädiert der Wirt für eine steuerliche Zusammenveranlagung der Jahre 2019 und 2020. Im Gegensatz zu direkten Beihilfen, die der Staat zu 100 Prozent tragen müsse, verringere sich aber auf Zweijahressicht das Einkommen und dadurch die Steuerlast für die Gastronomen.

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