Zwischen Lahn und Vulkan

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Sechs Kommunen im Norden des Landkreises Gießen wollen sich gemeinsam touristisch vermarkten. Ziel ist es, Besucher nach Lollar, Staufenberg Allendorf, Rabenau, Buseck und Reiskirchen zu locken.

Tourismus funktioniert nur, wenn eine Region zusammenarbeitet", ist sich Kurt Hillgärtner sicher. "Jeder für sich allein – das würde nicht klappen." Deshalb machen sich sechs Kommunen gemeinsam auf den Weg, um ein Konzept zu entwickeln, in dem sie die Angebote und Sehenswürdigkeiten an Lumda und Wieseck zusammenführen: Just dies ist ambitioniert, denn Lollar, Staufenberg, Allendorf und Rabenau sowie Buseck und Reiskirchen fügen im touristischen Marketing zusammen, was auf diesem Feld bislang noch nicht zusammengehört. Die sechs Städte und Gemeinden definieren sich bislang als gemeinsamer Teilraum Nord im Landkreis Gießen und wollen diese Kooperation auf den Tourismus ausdehnen: Von einem "Trittstein zwischen Lahn und Vulkan" spricht der Staufenberger Bürgermeister Peter Gefeller.

Auf zwei Schienen wollen die Kommunen mit Unterstützung der Region Gießener Land für sich werben: Zum einen sind die Naherholungssuchenden aus der Region im Blick, die man zu den Märkten und Festen, zu den Burgen und Schlösschen, auf die Radwege und in die Gastronomie an Lumda und Wieseck locken will. "Jeder kennt Mallorca und die Zugspitze, aber kaum die Schätze in der heimischen Region", weiß Hillgärtner um Defizite beim Werben um die Gunst der Menschen vor Ort. Da soll eben klassisches Binnenmarketing ansetzen, um die Menschen zu gewinnen.

Zum anderen blickt man darüber hinaus in die Region Rhein-Main, aber auch etwa nach Nordrhein-Westfalen oder in die Niederlande: Radwanderer, Wanderer, Bootswanderer will man gewinnen. Dass es seit Jahren erfolgreiche Ansätze gibt, zeigen die Holländer, die gerne nach Geilshausen kommen. "Hinten bei Odenhausen oder Geilshausen, das ist doch fast wie im Allgäu", gerät Bürgermeister Hillgärtner ins Schwärmen.

Warum aber so breit aufgestellt? Die Akteure aus den sechs Kommunen gehen davon aus, dass es unter einer bestimmten Größenordnung zu wenig Erfolg versprechend ist. Und man setzt auf bislang nicht erprobte Verzahnungen, die als Stärke ausgespielt werden sollen: Auf Burg Staufenberg beispielsweise gibt es eine respektabel hohe Zahl an Übernachtungsgästen – aber wissen diese auch, dass in nur 20 Autominuten Entfernung bei Winnerod ein feiner Golfplatz zu finden ist? Eine Idee ist, solches im Paket zu vermarkten.

Was da geht, soll eine Machbarkeitsstudie mit Stärke- und Schwächen-Analyse aufzeigen, auf die sich die Kommunen im Vorfeld einer Auftaktveranstaltung gestern verständigt haben. Bis Juni 2019 solle die Studie vorliegen. Damit dies auch trägt und nicht nur am grünen "Tisch" erarbeitet wird, plant man in den Kommunen Workshops zur breiten Bürgerbeteiligung. Knapp 60 000 Euro stehen für den Prozess bereit; davon 3 000 Euro Fördermittel.

Das Erarbeitete soll in Folge mit weiterem Leben gefüllt werden, und dafür bedarf es eines professionellen "Kümmerers", ist für Hillgärtner klar – und der werde dann weiteres Geld kosten. Erfahrungen damit hat man bereits in anderen Teilräumen im Landkreis gemacht: Im Gleiberger Land etwa finanzieren die Kommunen seit Jahren eine solche Stelle gemeinschaftlich. (Fotos: Archiv)

Ob Tag des Rades im Lumdatal, Golfen in Winnerod, Besuch auf Burg Staufenberg, Frühlingsfest im Busecker Schlosspark, auf den Spuren von Industriekultur in Lollar oder eben Bau- und Kirchengeschichtliches in der Rabenau: Da gibt es einiges zu bieten – und da soll im Miteinander noch mehr gehen!

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