anj_Unbenannt_020321_4c
+
anj_Unbenannt_020321_4c

KURIOSER EINSATZ

Zwischen Hiroshima und Tokio

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
    schließen

Einmal die Welt umrunden. Nicht mit Fahrzeugen, sondern zu Fuß. Und das in 30 Tagen. Das haben sich die Spieler und Freunde der HSG Hungen/Lich zum Ziel gesetzt. Mehr als die Hälfte haben sie hinter sich. Sie befinden sich bei Kilometer 28 400 und damit irgendwo zwischen Hiroshima und Tokio.

Alle zwei Tage schnürt Carmelina Mulch die Laufschuhe. Die Spielerin der Ersten Frauenmannschaft geht gerne joggen. Sie läuft dann meistens Strecken zwischen zehn und 20 Kilometern. So wie die 22 Jahre alte Handballspielerin beteiligen sich derzeit rund 550 Spieler, Fans und Freunde der HSG Hungen/Lich an der Challenge. Bis zum 14. März wollen sie gemeinsam 35 000 Kilometer zurücklegen, und damit in Anlehnung an die Strecke des Jules-Verne-Romans in 30 Tagen die Welt umrunden.

Nun sind die gelaufenen Kilometer durchaus erwähnenswert, die Challenge soll aber vor allem eines: Das Wir-Gefühl stärken. In einer Zeit, in der seit Oktober schon nicht mehr gemeinsam trainiert werden konnte, wird das immer wichtiger. »Unsere Chat-Gruppen waren nahezu eingeschlafen«, erzählt Jugendkoordinator Matthias Platzdasch. »Aber jetzt wacht die Gemeinschaft auf, und jeder hat Spaß, wieder Aktivität in sein Leben zu bringen.« Schon jetzt sei das Ganze ein voller Erfolg.

17 von 30 Tagen ihrer Challenge sind seit Montag rum. 28 400 Kilometer sind sie bereits gelaufen, auf ihrer virtuellen Weltkarte befinden sie sich irgendwo zwischen Hiroshima und Tokio. »Unserem Zeitplan sind wir schon um vier Tage voraus«, erzählt Platzdasch. Und auch die Teilnehmerzahl ist mit 542 beachtlich. »Mein persönliches Highlight wäre, wenn sich am Ende 1000 Menschen an der Aktion, bei der nicht nur gejoggt, sondern auch gewandert werden kann, beteiligen.«

Denn mitmachen kann jeder. Man benötigt dafür nur eine Lauf-App auf dem Smartphone. Mit dieser App kann man nicht nur sehen, wo man selbst auf der Rangliste steht, sondern auch die befreundeten Läufer anfeuern, während sie unterwegs sind. »Das ist wie der Applaus der Fans, der uns zurzeit so sehr fehlt. Und der Läufer sieht, er ist nicht alleine, sondern Teil einer Gemeinschaft.«

Schon in den Monaten vor der aktuellen Challenge hatten sich die Trainer mit selbst gedrehten Trainingsvideos alle Mühe gegeben, die rund 200 aktiven Spielerinnen und Spieler der 17 Jugend- und vier Erwachsenenmannschaften zu motivieren. »Aber das funktioniert nur eine Zeit lang«, weiß Platzdasch. »Irgendwann verliert man den Kontakt«.

Auch E-Jugend-Trainer André Zenker hat sich über die Lockdown-Zeit immer wieder was Neues einfallen lassen. Und mit der Aktion »Ich laufe weiter als mein Trainer« hat er innerhalb der großen Challenge noch einen Wettbewerb für seine acht- bis zehnjährigen Spieler gestartet. »Die Kinder können ja noch nicht so lange Strecken laufen und gehen eher wandern«, erläutert Zenker. »Gegen ihren Trainer anzutreten, das motiviert sie jetzt besonders«, berichtet Zenker, der auch Videos für die Mannschaft gedreht hat, um ihnen zu erläutern, wie man mit dem Laufen beginnt und welche Kleidung man dabei trägt.

»Die Trainer geben sich sehr viel Mühe«, erzählt Justus Freitag. »Für den einen oder anderen ist es nicht einfach, dass schon so lange keine Spiele und Trainings mehr stattfinden.« Der Kapitän der C-Jugend und seine Teamkollegen nehmen die Challenge sehr ernst. »Wir haben uns das Ziel gesetzt, als Team ganz weit oben zu sein«, kündigt der 14-Jährige an. Extra Motivation gibt es auch von bekannten Handballspielern per Videobotschaft. So sendete Ex-Nationalmannschaftsspieler Dominik Klein Grüße aus Bayern und lief gleich einige Kilometer für die HSG. »Er ist ein Vorbild für uns«, sagt Freitag, »und das gibt uns jetzt nochmal einen Extraschub Motivation.«

Nicht nur Kleins Videobotschaft, auch den Verlauf der Strecke kann man auf der von den Jugendlichen betreuten Instagram-Seite hsghuli_in30tagenumdiewelt verfolgen. Jeden Tag erfährt man dort, wo sich die Läufer gerade von der Kilometerzahl her befinden. Auch Städte und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke stellt das Team vor. »So schaffen wir es wenigstens, virtuell zu reisen«, sagt Platzdasch. »Durch die Challenge ist einfach so viel Bewegung in unser Vereinsleben gekommen, und wenn dann doch irgendwann wieder trainiert werden darf, dann sind die Spieler auch schon fit.«

Carmelina Mulch wird wahrscheinlich auch heute wieder die Laufschuhe anziehen. Für sie ist ganz klar: »Es ist ein ganz anderer Ansporn, wenn man sagt, wir haben gemeinsam ein Ziel vor Augen.«

Auch für den guten Zweck soll die Challenge sein. Deshalb sucht die HSG Hungen/Lich noch weitere Wettpartner oder Sponsoren. Mit der Stadt Lich haben die Läufer beispielsweise gewettet, dass sie im Erfolgsfall pro gelaufenem Kilometer einen Betrag von einem Cent erhalten. Das wären dann insgesamt 350 Euro. Sollte die HSG es nicht schaffen, steht für sie ein Frühjahrsputz in Lich an. Ein weiterer Wettpartner ist die Subtil Group aus Ettingshausen. Und auch Sponsoren wie etwa die Stadt Hungen unterstützen bereits die Aktion. nab

anj_Unbenannt1_020321_4c
anj_Unbenannt2_020321_4c_1

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare