Zweite Heimat Sambia

Ihre Herzen schlagen für die Kinder in Livingstone: Seit 2010 engagieren sich Sonja und Günther Kühlmann für "ihre" Schule in Sambia. Kaum eine Gelegenheit lässt das Steinbacher Ehepaar aus, um Spenden zu sammeln. Nun gab es ein Wiedersehen in Afrika.

Sauberes Wasser und warmes Essen für die Schüler der Linda-South-Primary-School in Livingstone stehen ganz oben auf der Agenda der Eheleute Sonja und Günther Kühlmann. Was hierzulande als selbstverständlich betrachtet wird, ist dort "Mangelware". Kühlmanns engagieren sich seit ihrem Schlüsselerlebnis 2010: Seinerzeit waren sie mit einer Reisegruppe in Sambia unterwegs, als sie sahen, wie Kingfrey Kalilila eine Handvoll Schüler im Freien unterrichtete. Der Lehrer hatte den Auftrag, in der Provinz eine Schule aufzubauen. Da gab es schon einen Rohbau, den die Dorfgemeinde bezahlt hatte. Aber für den weiteren Ausbau und die Ausstattung mit Möbeln und Geräten reichte das Geld nicht. Für Kühlmanns stand schnell fest: Hier wollen sie helfen.

Inzwischen konnte die Schule mithilfe der Steinbacher und deren Unterstützer eine beachtliche fünfstellige Summe in Ausbau und Geräte investieren. Heute unterrichten zwölf Lehrer 582 Schüler in zwei Schichten. 2017 haben 93 Schüler ihre Abschlussprüfung nach der siebten Klasse geschafft und damit die Berechtigung zum Besuch der Highschool erreicht. 2019 dürfte die Zahl der Schüler auf über 600 ansteigen. Das liegt auch an dem neuen Wohngebiet nahe der Schule mit etwa 6500 Menschen. Und: Ab 2019 wird die Linda-South-Primary-School achtstufig und später sogar neunstufig sein.

Sauberes Wasser für die Schule spendet ein 50 Meter tiefer Brunnen; das Nass wird mit einer Elektropumpe in Kunststoffzisternen gepumpt. Nachdem diese Aufgabe erfüllt ist, setzen sich Kühlmanns nun dafür ein, dass ab 2019 wieder zwei- bis dreimal wöchentlich ein warmes Essen an der Schule angeboten wird. Pro Schuljahr kostet das etwa 10 000 Euro, hat der ehemalige Herderschullehrer Kühlmann ausgerechnet.

2017 haben die beiden Steinbacher – dank Spenden – für 2600 Euro neue Mathematikbücher für die Jahrgangsstufen 5 und 6 angeschafft; 1000 Euro flossen in die Erweiterung der Toilettenanlagen. Auch ein gebrauchtes Kopiergeräte wurde besorgt. Es fehle an vielem, so Kühlmann. Gemeinsam mit Lehrern und weiteren Helfern haben die Kühlmanns bei ihrem neuerlichen Aufenthalt Regale aufgebaut, um Vorräte und Material besser lagern zu können. Es sei schon mal ein bisschen schwierig, eine solche Aktion in Gang zu bringen, erzählt Kühlmann. Zweifelsohne sind die Aufenthalte in Livingstone jedes Mal auch ein kleines Abenteuer. Sonja und Günther Kühlmann reisen immer wieder gerne nach Sambia – "wir fahren zu Freunden". Die Hin- und Rückreise sei stets "aufregend", da mit vielen Formalitäten und Diskussionen beim Zoll verbunden, erläutert Sonja Kühlmann, denn: Auf der Heimreise sind reichlich handgefertigte kunstgewerbliche Gegenstände aus Eisenholz oder Redwood in ihrem Gepäck – Material aus Hölzern, die nicht gesetzlich geschützt sind. Diese Dinge verkaufen die Kühlmanns zugunsten der Schule in Livingstone dann hierzulande u. a. auf Weihnachtsbasaren und -märkten oder in Schulen.

Die Linda-South-Primary-School wird auch von der Gießener Herderschule unterstützt. Im April fand dort auf Initiative von Günther Kühlmann und Oberstufenleiter Ralph Seibel eine Infoveranstaltung "Freiwilliges soziales Jahr" (FSJ) statt. Clara Weberling (Heuchelheim), eine ehemalige Schülerin, berichtete über ihre Erlebnisse beim Aufbau eines Kindergartens im Südlichen Afrika. Auch die Schule in Livingstone wird seit etwa zwei Jahren durch FSJler unterstützt (Info unter www.weltwaerts.de).

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