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Kritik an Wohnprojekt am Bahnhof: Naturschützer zweifeln Umweltgutachten an

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Von: Stefan Schaal

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Ende des Jahres sollen laut Bürgermeister Jörg König an der Sudetenstraße die Arbeiten beginnen.
Ende des Jahres sollen laut Bürgermeister Jörg König an der Sudetenstraße die Arbeiten beginnen. © Stefan Schaal

Am Bahnhof in Großen-Linden soll ein großes Wohnprojekt umgesetzt werden. Naturschützer zweifeln allerdings an dem Umweltgutachten.

Linden – Im Mai soll der Bau von 100 bis 130 Wohnungen am Bahnhof in Großen-Linden beschlossen werden. Im Stadtparlament werden allerdings Zweifel an der Qualität des Umweltgutachtens laut. Grund: Die Expertise hatte einen Bestand von Haselmäusen auf dem Gebiet ausgeschlossen, die geschützte Tierart wurde nun im Nachhinein aber nachgewiesen.

Das umstrittene Bauvorhaben, 100 bis 130 Wohnungen in Großen-Linden am Bahnhof zwischen Sudetenstraße und den Bahngleisen zu errichten, soll am 10. Mai die nächste politische Hürde nehmen. Vertreter von Grünen und SPD äußerten im Stadtparlament nun allerdings Zweifel an der Qualität des Umweltgutachtens.

Linden (Kreis Gießen): NABU weist bei Bauprojekt auf Haselmausbestände hin

Anlass für die Skepsis ist, dass das Gutachten im Rahmen des Bauprojekts zur Erkenntnis gekommen war, dass auf dem Gebiet keine Haselmäuse leben. Der NABU hatte dann jedoch in einer Stellungnahme mit Fotos auf einen Haselmausbestand hingewiesen, daraufhin hat es Ende vergangenen Jahres eine nochmalige Überprüfung gegeben. Bei dieser wurde, wie Lindens Bürgermeister Jörg König berichtet, in einem Vogelhäuschen eine Haselmaus im Winterschlaf entdeckt. Die Haselmäuse in dem Gebiet sollen nun in ein Areal oberhalb der Sandgrube Steinmüller umgesiedelt werden.

Bei der Haselmaus handelt es sich um eine streng geschützte Tierart. Müsse das Umweltgutachten nun nicht als »fehlerhaft« angesehen werden, fragte im Stadtparlament eine Abgeordnete der Grünen. Dazu könne er keine Angaben machen, antwortete der Bürgermeister. Gudrun Lang von der SPD-Fraktion fragte, ob eine Umsiedlung bei einer schützenswerten Tierart überhaupt sinnvoll sei. Aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises werde dem Artenschutz »Genüge getan«, sagte König.

Architekt des Wohnprojekts: Auf Einwände des NABU reagiert

Architekt Felix Feldmann berichtete, im Rahmen des Gutachtens sei an dem Tag, an dem der Bestand von Haselmäusen untersucht wurde, kein Exemplar der Tierart entdeckt worden. Man habe aber auf den Einwand des NABU reagiert und im Rahmen eines Ergänzungsgutachtens die Haselmaus fesgestellt.

Der Bebauungsplan für das Projekt war bis Ende Oktober vergangenen Jahres in der Offenlage, seitdem war es ruhig um das Projekt geworden. »Den Anwohnern im betreffenden Bereich fehlt jegliche Information über den Fortgang des Verfahrens«, merkte Frank Hille von der CDU-Fraktion in einer Anfrage im Stadtparlament an. »Dies führt zur Verunsicherung und zu einer Belastung.«

Linden (Kreis Gießen): Anwohner sehen Bauprojekt kritisch

Die Planer und eine von der Stadt beauftragte Anwaltskanzlei bereiten für die Sitzung des Stadtparlaments im Mai den Satzungsbeschluss und einen städtebaulichen Vertrag vor. König berichtete, dass östlich der Boule-Anlage ein Bunker und eine Stützmauer abgerissen und begradigt werden sollen. In dieser Angelegenheit habe man sich Mitte Februar mit Vertretern des Boule-Clubs abgestimmt. Ergebnisse des Gesprächs würden im städtebaulichen Vertrag festgehalten.

Vor allem Anwohner sehen das Bauprojekt kritisch, die Bürgerinitiative »Grüne Sudetenstraße« bezeichnet es als überdimensioniert. Das Vorhaben sei »ideal«, betont unterdessen Architekt Felix Feldmann. Es gehe um die Konversion von Brachflächen an Bahngleisen und somit um Innenentwicklung. (Stefan Schaal)

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