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Ernst-Jürgen Damasky und seine Kaltblutpferde im Einsatz bei Steinbach: Das auffällige Mähwerk basiert auf einer Konstruktion der Amish People, die heute noch Landwirtschaft wie vor 300 Jahren betreiben.

Zwei PS für den Naturschutz

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Spezielle Arbeitsgeräte für Pferde sind selten. Umso mehr fällt ein Mähwerk ins Auge, das seit Kurzem in Fernwald vorrangig zur Pflege der Streuobstwiesen und Naturschutzgebiete eingesetzt wird.

Hunderte Karthäusernelken ragen an diesem Nachmittag aus dem Grün der Streuobstwiese unterhalb des Lutherberges bei Steinbach dunkelrosa leuchtend heraus. Als Ernst-Jürgen Damasky und seine zwei Kaltblutpferde wenig später ihr Werk beendet haben, bildet die Wildblumen- und Kräuterpracht zusammen mit üppigen Gräsern einen duftenden Teppich - es ist frisch gemäht. Die Mahd in dem geschützten Landschaftsteil wird nun an Ort und Stelle trocknen. Der Pflanzensamen fällt zu Boden und bildet die Grundlage für die bald aufkeimende neue Farbenpracht.

Bislang waren die schweren Zugpferde ein Hingucker für Spaziergänger und Radfahrer, seit wenigen Tagen ist ein besonderes Zuggerät mit Mähwerk das Auffällige an dem Gespann. Es basiert auf einer Konstruktion der Amish People. Das ist eine Glaubensgemeinschaft, die heute noch - vorrangig in den USA - Landwirtschaft wie vor 300 Jahren betreibt. Das Mähen und Pflügen mit Arbeitspferden wird dabei dem Einsatz von motorisierten Geräten vorgezogen - der Umwelt wegen.

80 Prozent Förderung

Rund 13 800 Euro hat die Neuerwerbung gekostet, die zu 80 Prozent vom Verein »Region Gießener Land« über das Regionalbudget gefördert wurde. Für Damasky, der bei der Gemeinde Fernwald angestellt ist und im Nebenerwerb eine Fuhrhalterei betreibt, ist die Pflege von Naturschutzgebieten und Streuobstwiesen in Albach, Steinbach und Annerod seit Langem eine besondere Herausforderung.

Diese Arbeit gelingt mit dem neuen Pferdezuggerät besonders effektiv: Beim Bearbeiten der empfindlichen Flächen kann der Fahrer von seiner erhöhten Sitzplattform aus die Pferde beispielsweise besser um einzelne Bäume dirigieren. »Dann kann ich auch leicht erkennen, ob sich ein Rehkitz im hohen Gras duckt«, so Damasky beim Ortstermin.

Elke Hochgesand, stellvertretende Regionalmanagerin bei der Region Gießener Land, zeigte sich besonders angetan von der durch zwei Pferdestärken angetriebenen Maschine: »Wir wollen ganz bewusst kleinere Projekte fördern - genau so etwas wie dieses Mähwerk ist uns wichtig.« Hochgesands Angaben zufolge wurden in diesem Jahr 21 Projekte mit rund 100 000 Euro gefördert. Das Geld resultiert aus Bundes- und Landesmitteln sowie aus Beiträgen des Landkreises Gießen und der Kommunen.

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