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Peggy und Michael Engel (rechts) zieht es mit ihren Eseln auf Touren durchs Kleebachtal.

Zwei »Päpste« im Kleebachtal

  • VonConstantin Hoppe
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Das Kleebachtal verfügt über eine schöne Landschaft und einige Wanderrouten. Seit Kurzem gibt es dafür eine besondere Begleitung: Ein Hof in Oberkleen bietet neuerdings Eselswanderungen an.

Aufmerksam schauen Pius und Paul, wer da näherkommt. Ihre beiden Besitzer, Peggy und Michael Engel, erkennen sie sofort, nicht aber die anderen drei Menschen - zwei Erwachsene und ein Kind. Besonders das Kind hat es den beiden Grautieren angetan: Sie nähern sich, schnuppern an dem Mädchen, das sich lachend wegdreht. Dann lassen sie sich ganz ruhig ihr Fell von dem Mädchen bürsten - das gefällt den Vierbeinern offensichtlich gut. Nun ist man sich nicht mehr ganz so fremd, die gemeinsame Tour kann beginnen: Heute ist eine Wanderung rund um Oberkleen angesagt.

Seit Kurzem bietet die Familie Engel mit ihrem Hof »Wilde Heimat« in Oberkleen Eselswanderungen durchs Kleebachtal an. Entlang der Wege zwischen Niederkleen und Cleeberg gibt es bei diesen am Ufer des Kleebachs viel zu entdecken, was einem sonst nicht auffallen würde. Denn die Wanderung mit Esel entschleunigt, sorgt dafür, dass man auch einmal einen Moment zum Innehalten hat und seine Umgebung aktiv wahrnimmt. »Man erlebt auch die Reaktionen der Tiere mit. Sie achten darauf, wo sie schon einmal waren und welche Gegend für sie unbekannt ist«, beschreibt Peggy Engel die Besonderheiten einer solchen Tour.

Zumindest damit haben Pius und Paul an diesem Tag keine Probleme. Den Weg kennen sie. Ein kurzer Stopp erfolgt dann an einer Pferdekoppel. Zwei riesige Kaltblüter nähern sich. Pius, der jüngere der beiden Esel, ist neugierig und stupst eines der Pferde an. Eine Freundschaft entsteht hier und heute aber nicht. Eines der Pferde stampft kräftig auf und Pius geht auf Abstand. Hauptberuflich ist das Ehepaar Engel in der Personalberatung tätig. Die Tiere sind für sie eine willkommene Abwechslung vom Arbeitsalltag: »Beruflich rede ich viel mit Menschen. Da sind die Esel dann immer entspannend, die sprechen nämlich nicht«, scherzt Michael Engel. Wie kommt das Paar dazu, solche Wanderungen anzubieten? »Seit wir Pius und Paul besitzen, hatten wir schon häufiger Nachfragen, ob Wanderungen möglich seien«, erzählt Peggy Engel. »Aber wir wollten erst einmal selbst Erfahrung sammeln.« In der vergangenen Adventszeit fiel dann der Entschluss, Wanderungen anzubieten, die erste Gruppen bereits wahrgenommen haben.

Am Waldrand entscheidet Paul ganz plötzlich, haltzumachen. Aufmerksam streckt er die langen Ohren in die Luft, dreht sie mal nach links und mal nach rechts. An ein Weiterkommen ist für den Augenblick nicht zu denken. Die Hufe von Paul scheinen nun fest am Boden verwurzelt zu sein. Da hilft auch kein leichter Zug am Strick, kein gutes Zureden - wenn der Esel beschlossen hat, stehen zu bleiben, dann bleibt er stehen. Da kommt einem schnell das Vorurteil vom »störrischen Esel« in den Sinn. Dabei hat dieses Verhalten nichts mit Sturheit oder gar Dummheit zu tun.

»Nur weil sie sehr vorsichtig sind, gelten sie als störrisch und dumm - dabei sind sie eher klüger als Pferde«, meint Michael Engel. »Esel sind eben keine Fluchttiere. Wenn ihnen etwas nicht geheuer ist, dann bleiben sie erst mal stehen und schauen ganz genau, was los ist.« Erst wenn der Esel sicher ist, dass keine Gefahr droht, läuft er weiter. Ein Verhalten, mit dem man umgehen können muss: »Manager denken gerne mal, dass sie mit ihrer Erfahrung auch einen Eselhengst vorantreiben könnten - das ist aber nicht so«, sagt Peggy Engel.

Kurz darauf wird klar, was Paul da gerade bemerkt hat: Eine Gruppe von Rehen ist am Wald unterwegs. Die großen Ohren des Esels haben sie schon lange gehört, bevor sie ins Blickfeld der Menschen geraten sind. Dann ist es auch mit Pauls Vorsicht vorbei und ohne weiteres Zögern folgt er dem Weg erneut.

Zwei Esel mit päpstlichen Namen, die zur Familie Engel gehören - das passt. Zu den Tieren kam die Familie jedoch zufällig. »Eine Freundin von uns kam und erzählte, dass ihr Nachbar seine beiden Eselhengste abgeben und nur die Stuten behalten wolle«, erzählt Peggy Engel. »Da haben wir zugesagt - und schon standen sie hier.« Auch ihre Namen, Pius und Paul, haben die Tiere von ihrem Vorbesitzer. Als Pfarrer hatte dieser seine zwei Grautiere mit den Papstnamen bedacht.

Nach rund zwei Stunden ist die Tour am Montag dann auch schon wieder vorbei. Paul und Pius kommen zurück auf ihre Koppel direkt neben dem Bauernhof. Zum Abschied erhalten sie jeweils eine Möhre, die sie dankbar und vorsichtig aus der Hand nehmen. Ob ihnen die kleine Wanderung auch gefallen hat? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

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