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Die Wettenberg-Dörfer sind bei jungen Familien beliebt, deshalb muss jetzt wieder bei den Kindergärten nachgelegt werden. Das Archivbild zeigt den Festzug anlässlich des 50. Geburtstags der Kita "Schatzkiste" in Krofdorf-Gleiberg. ARCHIV-FOTO: MO

Zuwachs durch Zuzug

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Wettenberg wächst weiter. Diese Überschrift passt seit Jahren. Die Gemeinde im Westen von Gießen erfreut sich ungebrochen großer Beliebtheit, sodass durch moderaten Zuzug die natürliche Bevölkerungsentwicklung mit ihren leichten Verlusten mehr als ausgeglichen wird.

Zum Stichtag, 31. Dezember 2019, zählten die drei Dörfer Krofdorf-Gleiberg, Wißmar und Launsbach exakt 13 199 Einwohner - und damit 277 mehr als noch drei Jahre zuvor. Das ist ein leichtes Plus von 2,14 Prozent, wie die Statistiker im Rathaus ermittelt haben.

5498 Menschen wohnen in Krofdorf-Gleiberg, 5159 in Wißmar und 2542 in Launsbach. Wißmar hatte gegenüber des Vorjahrs mit einem Plus von 46 Einwohnern den Löwenanteil an Zuwachs zu verzeichnen. Auch in Launsbach gibt es ein Plus von 14 Bürgern, während in Krofdorf ein Minus von 15 zu verzeichnen ist.

Die Geburtenzahlen sind in 2019 gegenüber des Vorjahrs in allen drei Dörfern zurückgegangen und liegen wieder auf dem Niveau wie in den Jahren 2016 und 2017. Denn 2018 war mit 125 Geburten in Wettenberg ein außergewöhnliches Jahr. In 2019 wie auch in früheren Jahren liegt der Wert zumeist zwischen 90 und 100 Geburten. Ortsteilspezifische Unterschiede sind da nicht auszumachen. Die Zeugungsrate liegt in keinem der Dörfer signifikant höher als in einem anderen. "Eine Erklärung für den vorübergehenden sprunghaften Anstieg in 2018 wäre spekulativ", sagt Bürgermeister Thomas Brunner, als er dieser Tage in der Gemeindevertretung die Zahlen vorlegte. Er vermutet ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Faktoren. Dazu zählt unter anderem die gute wirtschaftliche Situation. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Familien werden zudem immer besser, etwa durch den Ausbau der Kinderbetreuung. Ein weiterer Faktor könnte der Zuzug von Migranten mit größerem Kinderreichtum sein. Der 2018er Aufwärtstrend bei den Geburtenzahlen war in unterschiedlicher Ausprägung bundesweit zu beobachten.

Den 94 Geburten im vergangenen Jahr stehen derweil 119 Sterbefälle gegenüber - dies ein vergleichsweise niedriger Wert. In den Jahren davor wurden in den drei Wettenberg-Dörfern jeweils 136 bis 143 Todesfälle verzeichnet.

Vor allem junge Familien kommen

Dieser natürliche Bevölkerungsverlust, der sich aus höheren Sterbe- als Geburtenzahlen ergibt, kann in Wettenberg seit Jahren durch Zuzug ausgeglichen werden. In den vergangenen fünf Jahren zogen im Schnitt 140 bis 150 mehr Menschen zu, als dass sie Wettenberg den Rücken kehrten.

Auch wer da kommt, wird erhoben: Es sind vor allem die 30- bis 49-Jährigen mit minderjährigen Kindern, also junge Familien. Die Gründe sind schnell ausgemacht: Hohe Wohnqualität und familien- und kinderfreundliches Umfeld: Konkret zu benennen sind die Lage direkt vor den Toren von Gießen, die Stadtbus- und die Autobahnanbindung, eine intakte Vereinsstruktur: Schulen und Kindergärtern in jedem Dorf. Die meisten Einwohner verliert Wettenberg durch die sogenannte "Bildungswanderung". Junge Erwachsene ziehen wegen Ausbildung oder Studium fort.

Sie zurückzugewinnen ist ebenfalls ein Ziel von Kommunalpolitik: Der Kreis hat dazu jüngst erst ein Programm aufgelegt, mit dem Kommunen auf ihrem Weg begleitet werden, jugendgerechte Arbeit zu machen. In Wettenberg soll dies in den kommenden Wochen im Sozialausschuss beraten werden.

Der Zuwachs in den Wettenberg-Dörfern fällt gleichwohl unterm Strich vergleichsweise moderat aus. Denn seit vielen Jahren schon wird eher zurückhaltend mit dem Ausweisen von Wohnbauland umgegangen.

Das jüngste Baugebiet war in Launsbach das Viertel "Hinter dem Dorf" unterhalb des Friedhofes, das binnen weniger Monate" ausverkauft" war. Aktuell in Vorbereitung ist nur eine kleinere Arrondierung des Baumäcker-Viertels in Krofdorf-Gleiberg Richtung Heggraben. Doch dort werden nur einige wenige Häuser von einem Investor errichtet werden.

Noch "in der Pipeline" ist eine Bebauung des Seegartens am Fuß des Gleiberg-Osthanges. Dazu laufen vorbereitende Untersuchungen und Vorplanungen. Eine Grundsatzentscheidung ist noch nicht festgezurrt. Denn seitens der Grünen, aber auch in den Reihen der Sozialdemokraten gibt es kritische Stimmen hinsichtlich der Notwendigkeit und vor allem der Dimension des Gebietes. Deshalb sind erste Vorüberlegungen bereits nach unten korrigiert worden.

Wobei bei allem Wachstum auch die Infrastruktur mitzudenken ist - von Kindergartenplätzen bis Kanal-Kapazitäten. Gerade in Sachen Kinderbetreuung wird kräftig nachgesteuert: In Wißmar ist mit dem Wiesenhaus im vergangenen Jahr ein großer neuer Kindergarten in Betrieb gegangen, in Launsbach soll das Mäusenest aktuell um zwei Gruppen erweitert werden. Und in Krofdorf-Gleiberg wird einen neue, größere Kita gebaut.

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