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Zuschlag erteilt

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Um die finanzielle Schieflage etwas in Richtung Horizontale zu bringen, verkauft Rabenau sein "Tafelsilber". Wertvollste Preziose sind dabei die beiden Kindergärten, die rund zweieinhalb Millionen Euro einbringen sollen. Während es hier noch hängt - vom Kaufinteressenten und Kita-Betreiber DRK georderte Wertgutachten liegen noch nicht vor -, ist beim Freizeitcamp am "Melmes" die Entscheidung gefallen. Erwartete Einnahmen: ca. 200 000 Euro.

Auf die Ausschreibung des Camps - 2200 Quadratmeter Grund samt Haupt- und Sani-tärgebäude sowie fünf Blockhütten - hatten sich nur zwei Interessenten gemeldet. Einer aus Pohlheim, einer aus dem Main-Tauber-Kreis. Beide sind Betreiber einer Hundeschule, beide legten den Fokus auf sanften Tourismus, bei beiden sind Tiere Bestandteil ihres Konzepts.

Zweiter Bewerber sagt kurzfristig ab

In den Reihen der örtlichen Politik war die Meinung geteilt: Ewald Thomas (FW) und Uwe Höres (SPD) etwa sprachen sich im Fachausschuss für das Konzept der Kreis-Gießener aus; auch wegen deren "Ausdauer", hatten sie sich doch vor Jahren schon einmal, wenn auch vergeblich beworben. Anders Karl-Heinz Till (Grüne) und Heinrich Nachtigall (CDU), die das Konzept der Baden-Württemberger präferierten: Seien sie doch breiter aufgestellt, würden als "Bildungs- und Freizeitcamp" für Wanderer, Radfahrer und Familien (Streichelzoo) mehr Gäste nach Rabenau locken.

Am Ende stand die Einigung, vor einem Zuschlag die Bewerber zur persönlichen Vorstellung einzuladen. Der Termin stand kürzlich an. Nur: Tags zuvor erst sagten die Süddeutschen ab, wie Erster Beigeordneter Andreas Hübl auf Anfrage erklärte. Es habe sich eine bessere Option aufgetan, lautete die Begründung.

Somit blieb dem letztentscheidenden Gemeindevorstand die Qual der Wahl erspart. Zurzeit wird die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags mit den die Pohlheimern vorbereitet. Womit die Gemeinde, die 2016 rund 180 000 Euro für den Rückerwerb des Erbbaurechts hin- geblättert hatte, kein Verlust entstünde. Dass die Kommune mit dem Verkauf auch die Unterhaltungkosten los werde, zeitweise erwogene Nutzung als Waldkindergarten sich zerschlagen habe, merkte wiederum Hübl noch an.

Zum Konzept der neuen Eigentümer: Unter dem Motto "Leben, erholen und lernen im Einklang mit der Natur" soll die Anlage zu einem Ort werden, an dem "Menschen (und gegebenenfalls Tiere) zur Ruhe kommen und lernen, miteinander zu kommunizieren". Übernachtungen von Individualreisenden, Wanderreitern oder Wohnmobilisten sind Teil des Businessplans. Als "wichtiger Punkt" umfasst der die Arbeit mit Hunden, vor allem an Urlaube, Wanderungen oder Workshops mit den Vierbeinern ist gedacht.

Bleibt zu hoffen, dass der dritte Anlauf für sanften Tourismus am "Melmes" gelingt. Die ersten beiden, eine Freizeitanlage für Aktivurlauber (Kanutouren) und ein Campingplatz eines niederländischen Anbieters, waren nicht von Dauer. Abgeschiedene Lage mit herrlicher Fernsicht, Anschluss ans Radwegenetz, der "Rabenauer Höhenweg" vor der Tür sind zumindest ideale Voraussetzungen für den dritten Versuch. tb/FOTO: TB

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