+
"Ich habe gelernt, bei mir selbst zu bleiben, mich von Meinungen abzuschotten", sagt Robert Laupert über den wilden Ritt vor drei Jahren.

Zurück aus der Versenkung

  • schließen

"Als Person", sagt Robert Laupert, "bin ich stinklangweilig". Das mag an sich schon reichlich Understatement sein. Als Musiker jedenfalls ist er alles andere als langweilig. 2016 sorgte der Licher mit seiner ersten Platte "Flowers" für Aufsehen. Danach war es lange ruhig um ihn - bis jetzt. "Reframing" heißt das neue Album von Laupert alias L’aupaire.

Eigentlich ist im Musikgeschäft klar, was nach einem erfolgreichen Debütalbum passiert: Ein schnelles Zweitlingswerk muss hinterhergeschossen werden. Niemand will schließlich in Vergessenheit geraten. Bei Robert Laupert, dem Licher, der 2016 als L’aupaire mit seiner Folkpop-Platte "Flowers" plötzlich in sehr vieler Munde war, lief es anders. Der Nachfolger spät angekündigt, dann verschoben, es dauerte drei Jahre. Eine Ewigkeit in einem schnelllebigen Geschäft. Nun ist der inzwischen 31-Jährige wieder da. Bei Universal ist sein neues Album "Reframing" erschienen.

"Ich habe eine bewegte Zeit hinter mir", sagt der Sänger und Multiinstrumentalist. Vater ist er geworden. Das ändert einiges, doch mitentscheidend für die lange Pause war auch etwas anderes: "Alle haben etwas erwartet. Ich war aber einfach leer." Unzählige Konzerte, Leben aus dem Koffer, Verantwortung für das Team, Flüchten vor Groupies: In der Hochphase von "Flowers" schienen tausend Hände gleichzeitig an ihm zum zerren. "Dabei bin ich als Person stinklangweilig."

Also zog sich L’aupaire komplett zurück, fing an zu gärtnern und zu malen, schrieb Songs und nahm sie in seinem Schlafzimmer auf. Auch in einem ehemaligen Getränkemarkt in Hüttenberg, den er mit Freunden und Partnern zu einer "Studiocommunity" auf 400 Quadratmetern umgebaut hat, entstanden Teile dessen, was einmal eine neue Platte werden könnte.

Und diese Entwicklung - das Zurück zu den Wurzeln - hört man dem neuen Album "Reframing" an: Es ist intimer und reduzierter als der Vorgänger. "You have to feel the blues to sing the blues", zitiert der Licher. In allen Stücken ist sein über einhundert Jahre altes Klavier zu hören, das er einst zufällig in einem Laden in Berlin entdeckt hatte. "Ich habe es gesehen, eine Note angeschlagen und gewusst: Das ist der Klang, den ich haben will", sagt Laupert. Als das gute Stück dann in seiner Wohnung stand, in der er damals lebte, da kam irgendwann die Erkenntnis: "Das soll das Hauptelement meines neuen Albums sein."

Nun ist "Reframing" also draußen. Endlich, mögen einige sagen. Die Vorbereitung auf die Deutschland-Tour, die den Licher am 23. Oktober auch nach Mainz führen wird, läuft drei Jahre nach dem Hype um "Flowers" auf Hochtouren. Angst scheint das Robert Laupert nicht zu machen:

"Ich bin selbstbewusster geworden und habe gelernt, bei mir selbst zu bleiben, mich von Meinungen abzuschotten", sagt er. "Reframing" gibt einen Blick in seine kleine Welt preis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare