Dirk Oßwald
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Dirk Oßwald

Zurück zur Normalität

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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Gießen/Pohlheim(pd). Nicht alles, was leicht aussieht, lässt sich tatsächlich auch leicht umsetzen. Das musste das pädagogische Personal der Lebenshilfe Gießen in den vergangenen Monaten zur Kenntnis nehmen. Weil für die Menschen mit Behinderung, die in den sechs Werkstätten und im Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe arbeiten, wegen der Corona-Pandemie von Mitte März bis Anfang Juni ein Betretungsverbot für die Betriebsstätten galt, haben pädagogische Mitarbeiter und Produktionshelfer das Pensum gestemmt.

"Für viele war das ein tolles Erlebnis. Die Leute sind als Team zusammengewachsen", stellt Dirk Oßwald fest. Der Lebenshilfe-Vorstand spricht von einer "aufregenden Zeit" für alle Beteiligten.

In den Lebenshilfe-Werkstätten arbeiten rund 900 Beschäftigte, davon etwa 700 Menschen mit Behinderung. Für etwa zwei Dutzend dieser Mitarbeiter sei eine Notbetreuung angeboten worden.

"Wir haben in dieser Zeit ein Minimum an Aufträgen abgearbeitet", berichtet Jörg Langschied. Der Bereichsleiter Arbeit und Bildung findet es "gar nicht schlecht, dass wir mal selbst produzieren mussten". So manche Maschine wurde in den vergangenen Wochen neu eingerichtet, weil der eine oder andere pädagogische Mitarbeiter abends mit Rückenschmerzen nach Hause gekommen ist und aufgrund der eigenen Erfahrung mit einem Verbesserungsvorschlag vorbereitet war.

Die Lebenshilfe betreibt beispielsweise eine Großwäscherei, zwei Schreinereien, eine Großküche, die unter anderem das Polizeipräsidium sowie mehrere Schulen und Kindergärten versorgt sowie eine Metallwerkstatt in Reiskirchen. Seit Anfang Juni sind rund 320 der 700 Mitarbeiter mit Behinderung wieder an ihrer jeweiligen Arbeitsstelle, berichtet Langschied. Ausgeschlossen von der Rückkehr in die Werkstatt sind über 60-Jährige sowie Menschen, die in einer Wohnstätte leben.

Mit den Behörden habe man in der Corona-Hochphase "immer gute Lösungen gefunden", bekräftigt Oßwald. "Allerdings mussten wir mitunter daran erinnern, dass es uns gibt." So seien die zwölf Wohneinheiten der Lebenshilfe für insgesamt 130 Menschen mit geistiger Behinderung zunächst "ein wenig aus dem Blickfeld geraten", weil der Fokus komplett auf Alten- und Pflegeheime gerichtet gewesen sei.

Auch wirtschaftlich hat die Pandemie Spuren hinterlassen bei der Lebenshilfe. Weil in den vergangenen Monaten Aufträge weggebrochen sind, seien auch die Gewinne aus den Produktionserlösen deutlich reduziert worden. "Wir haben in den vergangenen Monaten eine sechsstellige Summe verloren", räumt Oßwald ein.

Das erhebliche Minus sei entstanden, obwohl Kostenträger wie der Landeswohlfahrtsverband ihre Zahlungen für die Lebenshilfe fortgesetzt hätten. FOTO: PM

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