Vor allem für Austauschschüler aus Südamerika ist es momentan schwer, nach Hause zu kommen. SYMBOLFOTO: DPA
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Vor allem für Austauschschüler aus Südamerika ist es momentan schwer, nach Hause zu kommen. SYMBOLFOTO: DPA

Zurück in die Heimat

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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Es sollte eine aufregende Zeit werden. Ein Jahr im Ausland verbringen, in der Gastfamilie neue Leute kennenlernen. Doch die Jugendlichen aus Mittelhessen, die als Austauschschüler in ein anderes Land gereist waren, sind mittlerweile fast alle wieder hier. Schwieriger gestaltet sich die Rückholaktion in umgekehrter Richtung - etwa für Schüler aus Südamerika.

Viele Jugendliche haben sich auf die spannendste Zeit ihres Lebens gefreut, als sie im vergangenen Sommer die Koffer gepackt haben, um ein Jahr in Südamerika, Asien oder in den USA zu verbringen. Spannend ist die Zeit bestimmt gewesen, seit einigen Wochen allerdings auf eine Art und Weise, auf die Schüler in aller Welt gerne verzichtet hätten. Die Corona-Pandemie hat die Pläne fast aller Austauschschüler und Gastfamilien gehörig durcheinandergewirbelt.

"Weltweit haben wir die Kinder zurückgeholt", berichtet Uta Neumann, die heimische Komiteevorsitzende von "AFS - Internationale Begegnungen". Die Lindenerin, die seit Jahrzehnten den Austausch heimischer Jugendlicher in andere Länder sowie die Vermittlung internationaler Austauschschüler in mittelhessische Gastfamilien organisiert, kann sich nicht daran erinnern, jemals derart nervenaufreibende Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Schüleraustausch erlebt zu haben. "Es ist ein Drama."

Allein aus den USA seien am vergangenen Montag gut zwei Dutzend AFS-Jugendliche mit einer Privatmaschine von Chicago nach Frankfurt geflogen worden, wo sie am Dienstag angekommen sind. Aus allen Teilen der Vereinigten Staaten seien die Austauschschüler zuvor nach Chicago gebracht worden, in die Wege geleitet wurde alles von der AFS-Zentrale in Hamburg und organisiert von der deutschen Botschaft.

Zwei Jugendliche aus dem Gießener Land, die in Kanada und Spanien waren, sind seit gut drei beziehungsweise zwei Wochen ebenfalls wieder in heimischen Gefilden. Auch eine Schülerin, die in Tschechien war, ist wohlbehalten zurück.

Einige Gastschüler, die ein Auslandsjahr in Mittelhessen verbringen wollten, sind allerdings noch immer nicht zurück in ihren Heimatländern. Das betrifft einen 17-Jährigen aus Guatemala, der bei einer Gastfamilie in Heuchelheim lebt und auf die Aufhebung der Flughafensperre in seinem Heimatland wartet, aber auch Jugendliche aus Argentinien, Brasilien und Chile, die ebenfalls darauf warten, einen Flug zu bekommen.

In jeder Hinsicht Pech hatte ein Schüler aus China, der erst Anfang des Jahres nach Deutschland gekommen war und gerade einmal sechs Wochen bei seiner Gastfamilie in Lahnau verbracht hatte. "Es war sehr schwierig, ihn zurückzubringen", berichtet Uta Neumann. Alle Beteiligten waren in großer Sorge, zumal der Jugendliche in den letzten Tagen seines Aufenthalts Fieber bekommen hatte. Neumann: "Er wurde nach seiner Ankunft sofort in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach langem Warten und vielen Umwegen haben wir endlich die gute Nachricht erhalten: Sein Corona-Test war negativ."

Die AFS-Komiteevorsitzende betont die große Aufgabe, die Familien, deren Gastkinder bisher nicht zurück in ihr Heimatland reisen konnten, derzeit zu bewältigen haben. "Die Jugendlichen sind in einem für sie fremden Land. Sie haben keine Schule und so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten."

Aber auch der Blick in die nahe Zukunft steckt voller Fragezeichen. "Die Vorbereitungen für die kommende Austauschperiode sind abgebrochen worden", sagt Neumann. Ob Jugendliche, die für August oder September ein Auslandsjahr planen, ihr Vorhaben tatsächlich umsetzen können, "ist die große Frage". Angesichts der weltweiten Situation ist für die Komiteevorsitzende sogar der Fortbestand der Organisation für internationale Begegnungen ungewiss. "Wer weiß, ob es uns nächstes Jahr noch gibt."

FOTO: SCHEPP

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