Das Sanitärgebäude des Grünberger Campingplatzes. Für die CDU strahlt es den "Charme der 70er" aus. FOTO: TB
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Das Sanitärgebäude des Grünberger Campingplatzes. Für die CDU strahlt es den "Charme der 70er" aus. FOTO: TB

Zukunftsfragen am "Spitzen Stein"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). Braucht der Campingplatz "Am Spitzen Stein" mehr Attraktivität? Darf er künftig ganzjährig als Wohnsitz genutzt werden? Fragen, die sich Grünbergs Stadtverordnete derzeit stellen.

Zwar seien die im Sommer aufgelisteten Mängel größtenteils abgearbeitet, so Marcel Schlosser (CDU) im Hauptausschuss, doch bedürfe eines Attraktivierungs-Konzepts. Fäkalienentsorgungsstation im Waschraum, keine Zwischenwände in der Dusche, kein WC am Zeltplatz - sehr wohl gebe es noch Mängel, sei jahrzehntelang nichts geschehen, sekundierte Karlheinz Erdmann.

Letzteres wies Bürgermeister Ide mit Vehemenz zurück und erinnerte etwa an die Sanierung des Sanitärgebäudes 2008 für 50 000 Euro; auch gebe es keine Beschwerden der Camper. Wünsche man Verbesserung, sollte man das Geld etatisieren, etwa 20 000 Euro für eine Entsorgungsstation, statt solche "Wischi-Waschi-Anträge" zu stellen. Bei zwei Ja-, vier Neinstimmen und drei Enthaltungen war der CDU-Antrag "für mehr Attraktivität des Campingplatzes" abgelehnt.

Ide-Kritik an Wischi-Waschi-Antrag

Auch am "Spitzen Stein" gibt es Pächter, die ihre Parzelle nicht als Freizeitanlage, sondern als Wohnsitz nutzen. Nicht nur "mietvertragswidrig", wie es seitens Stadt heißt, sondern auch Grund für Verärgerung beim Gros der Freizeitcamper. Zahlen diese doch ebenfalls 565 Euro für die Saison (März bis Oktober), ohne aber den gleichen Nutzen daraus zu ziehen. Wie im Frühjahr angekündigt, reicht die Verwaltung nun eine Vorlage ein, um für "Gleichbehandlung" zu sorgen. Den zehn Betroffenen sollen ab November 2021 Nebenkosten in Höhe von 380 Euro/Monat in Rechnung gestellt werden. Bei zwei Personen 460 Euro, macht bei vier Monaten 1840 Euro.

Durch Angleichung der Kosten auf das etwaige Niveau einer Mietwohnung mochte der Magistrat zugleich einen Anreiz schaffen, sich "zeitnah um ›Wohnraum‹ zu kümmern." Laut Vorlage sollten Kündigungen zum 31. März ausgesprochen werden. In zwei Einzelfällen ist dies bereits erfolgt; in einem Fall aus Gründen der Fürsorgepflicht, wie es heißt. Bereits im Sozialausschuss hatten Jürgen Schmidt (SPD) und Hans-Dieter Stübenrath (Grüne) dagegen gesprochen. Träfe der Beschluss doch v. a. sozial Schwache, auch habe es bislang - wie von Stadt bestätigt - keine Beschwerden oder gar Polizeieinsätze gegeben.

Nach Birgit Otto (CDU) ist es das Eine, Lebens- und Wohnphilosophie der Menschen zu respektieren. Das Andere aber sei die Frage, ob der Campingplatz der geeignete Ort sei. Als Steuerungsinstrument erachtete sie die Vorlage für legitim. Für die CDU-Politikerin ist somit eine Grundsatzfrage zu entscheiden. Dass es eines rechtssicheren Zustands und klarer Haftungsregeln bedürfe, forderte Fraktionskollege Kai-Albrecht Jochim (CDU).

Diskussionsstoff bot das Thema auch im Haupt- und Finanzausschuss. Grünen-Fraktionssprecher Reinhard Ewert stellte da den Erweiterungsantrag, wonach für die Winternutzung "eine kostendeckende Gebühr angemessen zu ermitteln und zu erheben ist." Das Ergebnis sei zunächst dem HFA vorzulegen, der darüber zu befinden hätte. Und weiter: "Ab sofort" werde die ganzjährige Nutzung erlaubt bzw. legalisiert. Der Antrag wurde bei sechs Ja-, drei Neinstimmen und einer Enthaltung zum Beschluss empfohlen. Folgt dem das Plenum, dürften die Änderungskündigungen nicht bereits zum 31. März erfolgen.

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