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Zukunft sichern

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Wenn schon, denn schon«, lautete der Entschluss der Ruppertsburger Schützen. Also gingen sie im Vorjahr das Großprojekt »Schießstand« an. Für den 160 Mitglieder starken Verein ein ambitioniertes Vorhaben, denkt man allein an die Kosten von rund 120 000 Euro oder an die enorme Eigenleistung, die der Umbau erfordert.

Den Anstoß hatte eine Regelprüfung der Behörden ergeben, berichtet SV-Vorsitzender Markus Stiehl beim Ortstermin. »Die Lüftung entsprach nicht mehr dem Standard.« Heißt: Beim Schießen entstehende Emissionen wurden nicht direkt beim Schützen abgeleitet. Also war eine neue Zu- und Abluftanlage einzubauen. Eine Investition von knapp 60 000 Euro, doch alternativlos: »Über kurz oder lang hätte man uns den Stand dichtgemacht«, ist sich Stiehl sicher.

Eigenleistung von 3000 Arbeitsstunden

Bald darauf stand dann besagte Entscheidung, nicht »nur« mit einer neuen Lüftung die Zukunft des Vereins zu sichern. Wie Stiehl erläutert, unterliegt auch der Schießsport einem Wandel, liegt der Fokus gerade beim Nachwuchs zunehmend auf dynamischen Disziplinen. Beim »Zwischendistanzschießen« etwa gilt es, in einem Zeitlimit aus unterschiedlichen Entfernungen ins Schwarze zu treffen. Ein weiteres Beispiel ist das Holsterschießen. Angebote, mit denen sich viele Vereine neue Mitlieder erschließen und für die es unterm Dach der Deutschen Schießsport Union auch Wettbewerbe gibt. Vor dem Mehr an Dynamik aber sind einige Hürden zu nehmen, vor allem in puncto Sicherheit. Wie beim Baustellenbesuch zu lernen, geht es zuvörderst um den Schutz vor Querschlägern; eine Gefahr, die bei kürzeren Distanzen steigt. Decke und Wände waren also mit einer Verkleidung auszustaffieren, die das Projektil »verschluckt«. Gleiches beim Boden: Dafür war der alte Estrich rauszustemmen und durch einen abprallsicheren zu ersetzen. Schließlich musste ein neuer Kugelfang her: Zusätzlich zur Stahlblende zur Decke hin ist jetzt ein gut drei Meter tiefer Sandfang in Arbeit, wofür der Stand um vier Meter verlängert werden muss. Dafür aber kann der SVR nun das Schießen aus kürzeren Distanzen bzw. mit großkalibrigen Langwaffen mit höherer Geschossenergie anbieten. Könnten hier auch Jäger die Optik ihrer Waffen einschießen, könnte auch die Polizei üben, was dem SVR Einnahmen bescherte. Stiehl wie seine Vereinskameraden Michael Köppen und Friedel Schneider betonen an dieser Stelle eines: Keineswegs werde jener Teil der 55 Aktiven ausgeschlossen, der die klassischen, bei Wettbewerben des Deutschen Schützenbundes angesagten Disziplinen bevorzuge. Der Vorsitzende: »Beides bleibt möglich.«

Aus der Sportstättenförderung des Landes hat der Verein 32 000 Euro erhalten, vom LSB 5000 Euro, hinzu kamen Spenden von Mitgliedern und Firmen. Auch hatte man mit Ständen bei diversen Festen Rücklagen aufgebaut. Vor allem aber sind die am Ende rund 3000 Arbeitsstunden zu nennen, die Mitglieder für das Großprojekt ehrenamtlich erbracht haben. »Es wird hinkommen«, zeigt sich Stiehl zuversichtlich.

In Kürze soll alles fertig sein, steht die Abnahme durch die Aufsichtsbehörde an, begleitet von einem Sachverständigengutachten. Im Juli rechnen die Schützen mit der Eröffnung ihres »neuen« Standes, der weit und breit seinesgleichen suchen dürfte. tb/Foto: tb

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