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Zukunft der Marktplatz-Linde heiß diskutiert

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Laubach (tb). "Die Linde soll im Zuge der Verkehrsberuhigung auf dem Marktplatz verschwinden. Sie fügt sich im Moment perfekt in das gesamte Bild des Marktplatzes ein und spendet im Sommer viel Schatten" - mit diesen Zeilen wirbt Initiator Mario S. per Online-Petition für den Erhalt des Solitärs auf Laubachs "gut Stub". Adressat der Eingabe ist Bürgermeister Peter Klug. Gut 430 Unterschriften sind bereits zusammengekommen.

Nur: Wie von dieser Zeitung berichtet, ist weder über eine Fällung des Baumes bereits entschieden, noch geht es bei der Neugestaltung des Marktplatz im Zuge der Stadterneuerung einzig um "Verkehrsberuhigung".

Vorpreschen der Förderstelle kritisiert

Heiß diskutiert wird das Thema auch in den sozialen Medien. In der geschlossenen "Laubach-Gruppe" finden sich rund 80 Kommentare. Viele seien "sehr einseitig", bestätigt ein Mitglied, selbst für den Erhalt der Linde, gingen von der falschen Annahme aus, eine Entscheidung sei bereits gefällt und Anlass der Planung sei überdies eine verkehrspolitische Frage, hier die Verbannung der Autos vom Marktplatz.

Bei der 2020 vorgesehenen Neugestaltung des Marktplatzes handelt es sich um das zentrale Projekt der Stadterneuerung, kurz IKEK. Zwei Entwürfe des Architekturbüros liegen auf dem Tisch: Einer mit Erhalt der Linde, 1913 in Erinnerung an den Sieg über Napoleon hundert Jahre zuvor gepflanzt, einer ohne den Solitär.

Eine Entscheidung liegt de facto noch in weiter Ferne: Die IKEK-Steuerungsgruppe hat bislang keine Empfehlung getroffen, das letztentscheidende Stadtparlament hat nicht mal mit den Vorberatungen begonnen.

Einzig die IKEK-Arbeitsgruppe "Innenstadtentwicklung" hat sich für die Variante ohne den 106 Jahre alten Baum samt Einfassung und Rundbank ausgesprochen, um so auch Platz zu schaffen für einen Begegnungsraum; eventuell, dazu legte man sich nicht fest, abgegrenzt vom Fahrweg zur Volksbank mit einer Baumreihe. Wie ebenfalls von der Gießener Allgemeinen Zeitung berichtet, ist das Einbeziehen der Bevölkerung fest vereinbart. Auch Bürgermeister Klug und Bauamtsleiter Martin Bouda unterstützen die Empfehlung. Zumal so einem "zukunftsfähigen Konzept" der Weg bereitet würde. Klug: "Manche Veränderung erweist sich erst mit der Zeit von Vorteil."

Dass diese Veränderung, so sie denn käme, ob der emotionalen Bindungen der Laubacher an ihre Marktplatz-Linde Proteste auslösen würde, stand zu erwarten.

Im Rathaus auf Protest, ja harsche Kritik gestoßen ist das "Vorpreschen" der IKEK-Förderstelle, des Amtes für den ländlichen Raum beim Lahn-Dill-Kreis. In Kürze: Fälle die Stadt die Linde, erhalte sie keinen Zuschuss. Ohne den aber kann Laubach das mindestens 500 000 Euro teure Projekt nicht schultern. Nicht nur, dass das Amt also ein Präjudiz zu schaffen suche, der Stadt das Heft aus der Hand nehme und ein Votum der Bürger zu einer der beiden Alternativen verhindere, stieß beim Bürgermeister und Bauamtsleiter sauer auf. Sondern auch, dass das Amt der fachlich übergeordneten Denkmalschutzbehörde vorgreife und für den Erhalt der Linde die Völkerschlacht heranziehe.

Gewölbe Gefahr für den Baum?

Bauamtsleiter Bouda verwies im Übrigen aufs Neue auf die offenen Fragen zum Laubacher Untergrund: Unterm Marktplatz werden bekanntlich uralte Gewölbe vermutet. Was nicht nur Ängste vor einer Verteuerung der Neugestaltung nährt, sondern auch in Sachen Lebensgrundlage des Baumes.

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