Peter Stein (l.) erklärt die restaurierte Fördertechnik. FOTO: VH
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Peter Stein (l.) erklärt die restaurierte Fördertechnik. FOTO: VH

Zugewuchertes technisches Juwel

  • vonVolker Heller
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Das Climbacher Wasserhäuschen war 1956 außer Betrieb gestellt worden. Bald war das Areal überwuchert. Nun wurde die Pumpstation aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt.

Manchmal sagt ein einziger Satz mehr als tausend Worte. Landrätin Anita Schneider formulierte am Hombergsgraben unterhalb des Climbacher Forstgartens, wo sich im wahrsten Sinn des Wortes Fuchs und Hase gute Nacht sagen, ein solches Musterbeispiel: "Von gar nicht da bis hin zu einem wunderbaren Schmuckstück."

Das Wasserhäuschen aus dem Jahr 1908 war kein Hochbehälter im heutigen Verständnis, sondern eine von Climbach aus betrachtet 100 Meter tiefer gelegene Pumpstation für das Trinkwasser des Höhenortes. Das technische Paradoxon wurde 1956 außer Betrieb gestellt und geriet in Vergessenheit. Bäume wuchsen, Grünzeug wucherte.

2015 Gebäude wiederentdeckt

Der Homberggraben ist eine Feuchtzone, wo Esche und Erle gut gedeihen. Es herrscht eine hohe Luftfeuchte, fast wie im Dschungel Südamerikas. Die Pumpstation verschwand unter dem Bewuchs wie auf dem anderen Kontinent die Maya-Tempel. Die Allendorfer Heimatforscher um Werner Heibertshausen bekamen im Jahr 2015 Wind von der Sache. Ein Stichwort genügte und Heibertshausen war nicht mehr zu bremsen.

Was daraufhin alles unternommen wurde und mit der offiziellen Einweihung seinen würdigen Abschluss nahm, verrät in Wort und Bild eine wunderbare Broschüre im A4-Format (12,80 Euro, bestellbar unter 0 64 07/90 679 61 oder heibertshausen@gmx.de).

Manfred Lotz vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte hielt an Ort und Stelle einen Rückblick und listete alle relevanten Personen auf. Peter Stein hatte das Stichwort gegeben und alles ins Rollen gebracht. Wasserfachmann Arnulf Kuster aus Gießen lenkte die Anfangsplanung in die richtige Richtung und empfahl den Odenwälder Pumpenbauer Bernd Weinthäter.

Werner Burk war noch Zeitzeuge, gab wichtige Ratschläge, verstarb jedoch mittlerweile. Schlossermeister Manfred Schmidt legte Hand an, Andreas Wollenhaupt sanierte das undichte Dach und Manfred Faulstich bewegte Bruchsteine. Barbara Steuernagel vom Fachdienst Denkmalschutz des Landkreises Gießen wurde zu einer Verbündeten, die Stiftung der Sparkasse Grünberg gab eine Zuschuss und Allendorfs damaliger Bauamtsleiter Andreas Becker schickte seine Mitarbeiter. Die Untere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen genehmigte den Bau einer Wegeverlängerung, damit man per Fahrzeug überhaupt die Pumpstation erreichen konnte. Der ehemalige Förster Peter Krautzberger und seine Waldarbeiter rodeten Bäume.

Lotz sprach vom "kleinen Paradies in Allendorf" und machte den Vorschlag für einen Rundweg um den Homberg. Nahe der Pumpstation wäre noch ein früheres Bergwerk zu erkunden und der westlich vom Climbacher Ortsrand gelegene Forstgarten wartet schon seit Jahren auf seine Wiederherstellung. Landrätin Schneider kündigte an, die Pumpstation mit der restaurierten Fördertechnik sollte der "Route der Industriekultur Mittelhessen" eingegliedert werden. Den Machern bescheinigte sie "Herzblut, Euphorie und Idealismus". Für den Allendorfer Magistrat sprach Petra Sommerlad ein Grußwort.

Susanne Gerschlauer, Vorsitzende des Denkmalbeirats der Unteren Denkmalschutz-Behörde, kündigte an, man werde demnächst eine Beiratssitzung vor Ort abhalten.

Lotz gab bekannt, die Pumpstation werde am "Tag des offenen Denkmals" für Besucher zugänglich sein (Sonntag, 13. September). Der Zugang erfolgt von Climbach aus am Forstgarten vorbei und den Hombergsgraben hinab (es gibt ein Hinweisschild).

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