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Angrenzend an Mozart-, Beethoven- und Silcherstraße soll in Lindenstruth ein Neubaugebiet entstehen. Doch braucht der Ort über 40 Bauplätze?

Zu groß für Lindenstruth?

  • Ursula Sommerlad
    VonUrsula Sommerlad
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Lange musste Lindenstruth auf ein Baugebiet warten. Nun sollen am östlichen Ortsrand mehr als 40 Bauplätze ausgewiesen werden. Doch die Planung stößt bei Behörden, Naturschützern und den Reiskirchener Grünen auf Kritik: Das Gebiet sei überdimensioniert.

Rund 40 Bauplätze, ein Grundstück für einen neuen Kindergarten und Platz für ein Forschungs- und Schulungszentrum der Firma Weiss: Mit diesem Auftrag gingen die Planer vor mehr als drei Jahren beim Bebauungsplan »Alte Straße« in Lindenstruth ans Werk. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Weiss Umwelttechnik verfolgt seine Pläne an dieser Stelle aktuell nicht weiter, die Sonderfläche wurde deshalb aus dem Bebauungsplan gestrichen. Für den Rest, nämlich ein Baugebiet samt Kindergarten, stellte Planer Mathias Wolf (Planungsbüro Fischer, Wettenberg) am Mittwoch im Bauausschuss zwei Varianten vor.

Bei Variante 1 liegt die Kita im Norden des neuen Quartiers, das zudem mit der Silcherstraße über eine dritte Anbindung verfügt. Variante 2 hat mit Mozart- und Beethovenstraße lediglich zwei Zufahrten und der Kindergarten ist im Süden situiert.

Aber braucht Lindenstruth überhaupt ein so großes Baugebiet? »Nein«, finden die Grünen, nachdem sie die Stellungnahmen studiert haben, die Behörden und Bürger im Rahmen des Beteiligungsverfahrens abgegeben haben.

Renz Hornischer verwies in der Sitzung des Bauausschusses auf drei Beispiele. »Der Umfang der Wohnbauflächen geht über den für den Ortsteil zu erwartenden Bedarf deutlich hinaus«, schreibt die Obere Landesplanungsbehörde. Auch der NABU hält die Planung für überdimensioniert und verweist zudem auf die fehlende Bahnanbindung. Und das Landwirtschaftsdezernat beim RP hält den Verlust wertvoller Ackerflächen für nicht tolerabel.

»Halb so groß würde reichen«, resümierte Hornischer. »Wir sollten über eine alternative Planung nachdenken.« Auch sein Fraktionskollege Dr. Rolf Tobisch war nicht zufrieden. Fragen des ÖPNV seien nicht ernsthaft abgewogen worden, bemängelte er. Die Grünen blieben mit ihrer Kritik aber alleine.

Gerhard Albach, FW-Fraktionsvorsitzender in der Gemeindevertretung und Ortsvorsteher von Lindenstruth, hält die Bauplätze für dringend erforderlich. »Seit 40 Jahren ist bei uns kein Baugebiet mehr ausgewiesen worden. Eine ganze Generation ist weggezogen. Wir wollen nicht auch die nächste noch verlieren.« Zudem liege mit Weiss Umwelttechnik ein großer Arbeitgeber in direkter Nachbarschaft. Unter den demnächst rund 1000 Mitarbeitern gebe es mit Sicherheit Interessenten für einen Bauplatz. »Auch im alten Ortskern haben wir keine Baulücken. Wenn wir die Leute nicht vertreiben wollen, müssen wir was tun«, forderte Albach. Hornischer hielt dagegen. Die Anbindung Lindenstruths an den Öffentlichen Personennahverkehr sei miserabel. »Das ist ein Problem für dieses Baugebiet.«

Neu sind diese Klagen nicht, wie Manfred Schmitt, der Verkehrsexperte von der SPD, anmerkte. Dass Lindenstruth zwar an der Vogelsbergbahn liegt, aber keinen eigenen Haltepunkt hat, wurde schon oft kritisiert. Ebenso der lückenhafte Busfahrplan.

Um die Verkehrsbelastung durch ein neues Baugebiet möglichst gering zu halten, hat sich der Ortsbeirat Lindenstruth für die Variante 1 ausgesprochen, die drei Zufahrten über Mozart-, Beethoven- und Silcherstraße vorsieht und einen Bauplatz für eine neue Kita im Norden in Höhe der Silcherstraße. Ein Streuobstbestand und ein Regenrückhaltebecken sollen für Abstand zwischen Wohnbebauung und Bahnlinie sorgen.

Dass die über 40 Baugrundstücke vermutlich nicht in einem Zug erschlossen werden können, machte der Planer deutlich. »Man kann das schrittweise entwickeln.« Das sei mit Blick auf die Regionalplanung auch erforderlich. Dort achte man auf eine bedarfsgerechte Ausweisung von Flächen. Wolf: »Die wollen Listen der Bewerber sehen.«

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