Irina Pfeiffer ist die erste PA an der Asklepios-Klinik Lich. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Assistenz bei Operationen. FOTO: US
+
Irina Pfeiffer ist die erste PA an der Asklepios-Klinik Lich. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Assistenz bei Operationen. FOTO: US

Ein ziemlich junger Beruf

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
    schließen

Sie wollte "etwas mit Medizin" machen, aber nicht unbedingt Medizin studieren. Irina Pfeiffer hat den Beruf gefunden, der ihr gefällt. Als erste PA an der Asklepios-Klinik in Lich übernimmt sie Aufgaben, die die Ärzte an sie delegieren.

Am Vormittag hat sie im OP bei der Entnahme eines Lymphknotens assistiert. Im weiteren Verlauf dieses Arbeitstages wird sie Patienten Blut entnehmen und eine ganze Reihe von Arztbriefen schreiben, sofern kein Notfall dazwischenkommt. Aber Irina Pfeiffer ist keine Ärztin. Sie ist Physician Assistant und die bislang Einzige ihrer Art an der Asklepios-Klinik in Lich, denn in Deutschland ist PA ein ziemlich junger Beruf.

An der Schnittstelle zwischen Arzt und Pflege übernehmen PAs Aufgaben, die ihnen von den Ärzten übertragen werden. Sie nehmen Untersuchungen vor, interpretieren gemeinsam mit dem Arzt Röntgenbilder, legen intravenöse Zugänge, assistieren bei Operationen, schreiben Arztbriefe oder führen Patientengespräche. Die PAs gehören somit zum ärztlichen Team und übernehmen gleichzeitig eine wichtige Schnittstellenfunktion zu anderen Gesundheitsberufen.

"Irgendwas mit Medizin": Diese Vorstellung schwebte Irina Pfeiffer schon vor, als sie noch in Wetzlar zur Schule ging und den Bio-Leistungskurs belegt hatte. Doch die Hürden für ein Medizinstudium liegen hoch. Da kam ihr der Physician-Assistance-Studiengang, den die Hochschule Fresenius, die heute Carl Remigius Medical School heißt, in Frankfurt anbot, gerade recht. Sie absolvierte Aufnahmetest und Vorstellungsgespräch und war 2015 gleich dabei, als der zweite Jahrgang an den Start ging. Vier Jahre später machte sie ihren Bachelor of Science. Seit Oktober 2019 gehört sie zum Team der Asklepios-Klinik Lich und fühlt sich rundum wohl. "Was ich mache, mache ich gern."

Je nach Hochschule unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen für das PA-Studium geringfügig. In der Regel muss neben einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Bereich Gesundheit und Pflege eine Hochschulzugangsberechtigung vorliegen. Häufig erfolgt das Studium berufsbegleitend.

Bei Irina Pfeiffer war das vor fünf Jahren noch ein bisschen anders. Sie hat ein grundständiges Studium absolviert. Das heißt: Sie hatte keine Ausbildung in einem medizinischem Beruf. Deshalb dauerte ihr Studium zwei Semester länger und beinhaltete sechs Praktika, bei denen sie breite Einblicke gewann.

Eines davon absolvierte sie in der allgemeinen Chirurgie der Asklepios-Klinik und merkte ziemlich schnell, dass das ihr Ding ist. Bei vielen ihrer Kommilitonen war das ganz anders. "Die wollten auf gar keinen Fall in den OP", erzählt die 24-Jährige, die bei Operationen Aufgaben übernimmt, die sonst Assistenzärzte erledigen würden. Die Kameraführung bei laparoskopischen Eingriffen gehört zum Beispiel dazu.

Dr. Thilo Schwandner, der Ärztliche Direktor der Asklepios-Klinik Lich, begrüßt das neue Konzept. "Die PAs fungieren bei uns als Bindeglied zwischen Pflegeberufen und Ärzten. Sie schließen damit eine Lücke und entlasten den ärztlichen wie den pflegerischen Dienst gleichermaßen." Auch Geschäftsführer Uwe List findet, dass eine zusätzliche Ebene bisher gefehlt habe. In anderen Ländern ist das anders. In den USA oder auch in den Niederlanden seien PAs schon länger im Einsatz, erzählt Irina Pfeiffer.

Für Patricia Rembowski, die Sprecherin der Licher Klinik, ist die neue Berufsgruppe ein geeignetes Instrument, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das gilt vor allem für Ärzte, die immer mehr Zeit für die Dokumentation verwenden müssen. "Wenn sie solche Aufgaben delegieren können, haben sie mehr Zeit für die Patienten."

Deshalb soll das Konzept weiter ausgebaut werden. An der Asklepios-Klinik Lich sind immer wieder interessierte Praktikanten von der Carl Remigius Medical School in Frankfurt zu Gast.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare