Das Areal zwischen Heggraben und Baumäcker in Krofdorf war vor 15 Jahren bei der Planung bewusst außen vor gelassen worden. Eben weil man im Rathaus und seitens der Politik Konflikte befürchtete, wenn Wohnbebauung und Gewerbe aneinanderstoßen. Wiese und Kartoffelacker waren ein natürlicher Puffer.
+
Das Areal zwischen Heggraben und Baumäcker in Krofdorf war vor 15 Jahren bei der Planung bewusst außen vor gelassen worden. Eben weil man im Rathaus und seitens der Politik Konflikte befürchtete, wenn Wohnbebauung und Gewerbe aneinanderstoßen. Wiese und Kartoffelacker waren ein natürlicher Puffer.

Zielkonflikt im Krofdorfer Norden

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Bauland ist in den Wettenbergdörfern rar und teuer. Verständlich, dass man aus verfügbaren Flächen das Optimum herausholen will. Nicht nur als Investor, der Geld verdienen will, sondern auch als Kommune, der es um das Schaffen von (bezahlbarem) Wohnraum geht. Ein Zielkonflikt in Krofdorf-Gleiberg.

Krofdorf ist immer noch ein Dorf und nicht städtisch. Braucht man Zuwachs um jeden Preis?", fragt eine Anwohnerin aus dem Nassauer Ring. Und schiebt nach: "Bürgermeister Brunner hat uns noch 2019 gesagt: ›Es gibt keinen Zuwachs um jeden Preis.‹" Was die junge Frau und viele weitere Anwohner aus dem Nassauer Ring, der Merenberger Straße, der oberen Wiesenstraße sowie der oberen Kattenbachstraße aufregt, das sind Überlegungen für eine Bebauung in ihrer Nachbarschaft.

"Überdimensioniert", "total inakzeptabel" - das sind die Attribute, mit denen die Nachbarn die Ideen eines Investors versehen.

Denn in einer Planskizze, die seit Ende April den Gremien und den Bürgern vorliegt, ist die Rede von bis zu 36 Wohneinheiten in bis zu acht Mehrfamilienhäusern. Vorgesehene Firsthöhe: Bis zu zwölf Meter.

Nicht nur diese Dimension der Verdichtung neben einem Viertel mit klassischen Einfamilienhäusern sorgt für Protest: Auch die Lärmschutzwand von bis zu 4,50 Metern Höhe und 120 Metern Länge stößt auf Ablehnung. Die ist erforderlich, um Lärm aus dem Gewerbegebiet von der Wohnbebauung fernzuhalten.

Denn wenn die fragliche, rund 7000 Quadratmeter große Fläche zwischen dem Gewerbegebiet am Heggraben und dem jungen Baumäcker-Wohnviertel bebaut wird, dann wird ein bislang vorhandener natürlicher Puffer wegfallen.

Mitglieder des Bauausschusses und des Infrastrukturausschusses der Gemeindevertretung sahen sich bei einem Ortstermin am Donnerstag mit klarer Ablehnung des Vorhabens konfrontiert. Was die Menschen noch mehr verstimmt: Ursprünglich waren von dem Investor auf dem Areal nur fünf Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften geplant worden. Das hätte sich in die angrenzende Bebauung eingefügt. Aus der Kommunalpolitik, vonseiten der Grünen, vereinzelt aber auch aus der SPD und der Union, war an den Investor der Wunsch nach mehr Verdichtung herangetragen worden - mit dem durchaus verständlichen Ziel, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Beim Ortstermin beeilte sich ein Vertreter des Investors denn sogleich, die in der Kritik stehende Idee massiver Bebauung etwas zurückzunehmen. Er sprach nur noch von 24 und nicht mehr 36 Wohneinheiten. Konkret von zwei Mehrfamilienhäusern mit je sieben Wohnungen, einem Haus mit fünf Wohnungen plus Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften. Denkbar seien zwei Vollgeschosse plus Staffelgeschoss, mit Höhen bis zu elf Metern.

Auch die Lärmschutzwand soll nun nicht mehr 4,50, sondern nur noch drei Meter hoch werden. Ein neues Schallschutzgutachten komme zu dem Ergebnis, dass dies ausreiche, wenn an den Wohnhäusern ebenfalls entsprechender Schallschutz vorgesehen ist, etwa durch besondere Verglasung und das Ausrichten lärmsensibler Räume wie Schlafzimmer und Wohnzimmer nach Süden hin.

Doch auch bei 24 Wohnungen müsste noch Platz für 48 Pkw-Stellplätze vorgehalten werden. So sieht es die kommunale Satzung vor. Und auch die Zuwegung über die obere Wiesenstraße oder den Heggraben ist noch nicht geklärt.

Die Ausschussvorsitzenden Ulrich Ellinghaus (SPD) und Jürgen Quurck (Grüne) versicherten ebenso wie Parlamentsvorsitzender Hans-Peter Steckbauer (SPD), dass man ganz am Anfang eines Verfahrens stehe und noch nichts beschlossen sei. Steckbauer: "Es wird nichts mit heißer Nadel gestrickt. Die Bedenken der Anwohner werden wohlwollend aufgenommen."

Auch Ellinghaus konzediert zum Ende des Bürgerdialogs: "Wir wollen Wohnraum schaffen. Aber wir sehen jetzt auch die Probleme, die damit geschaffen werden. Es war wohl keine so gute Idee." Er sicherte ebenso wie Quurck zu, mit den Bürgern im Dialog zu bleiben.

Die Grünen favorisieren dort weiterhin eine verdichtete Wohnbebauung, wie Fraktionsvorsitzender Matthias Schulz unterstreicht. Doch bei CDU und SPD kann man sich mittlerweile noch eine ganz andere Variante vorstellen, um der Lärmschutzthematik und dem Interessenkonflikt zu begegnen: "Die Ausweisung als Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe, das so die Pufferfunktion übernimmt."

Die könnte aber seitens des Investors kritisch gesehen werden, da Mischgebiet in der Vermarktung erfahrungsgemäß schwieriger ist als reine Wohnhäuser. FOTO: SO

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare