Die Gründer des Portals foodfinder24 wollen von den Gastronomen keine Provision pro Bestellung, sondern einen festen Jahresbeitrag.
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Die Gründer des Portals foodfinder24 wollen von den Gastronomen keine Provision pro Bestellung, sondern einen festen Jahresbeitrag.

Gastro-Lieferungen

Startup aus Gießen will Lieferando ärgern - Und bietet entscheidenden Unterschied

  • VonStefan Schaal
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Sie fordern einen riesigen Konkurrenten heraus: Zwei Männer aus Pohlheim und Heuchelheim haben das Portal foodfinder24 gegründet. Kunden sollen dort in wenigen Wochen Pizza, Burger und Sushi online bei Restaurants im Kreis bestellen können. Vor allem die Gaststätten sollen profitieren: Beim Marktführer Lieferando müssen diese bis zu 30 Prozent Provision zahlen, das Startup verzichtet darauf.

Gießen - Der Funke zündet beim Fußballgucken. Marvin Neuhaus und Alexander Matschassek wollen Essen bestellen, da beginnen sie, zu diskutieren. »Es kann doch nicht sein, dass es mit Lieferando im Grunde nur eine App gibt«, sagen sie. »Da braucht es etwas Neues.« Neun Monate lang schlagen sich der Pohlheimer und der Heuchelheimer danach die Nächte um die Ohren. Sie gründen ein eigenes Online-Portal zum Bestellen von Pizza, Burger, Döner und Sushi. Nun fordern sie Lieferando heraus.

Foodfinder24 heißt ihr Startup. Im Gießener Land wollen sie ihr Angebot aus der Taufe heben, dort soll man über das Portal in wenigen Wochen Essen bestellen können. »Aber wir planen, es deutschlandweit auszubauen«, sagt Neuhaus.

Zunächst allerdings ist Klinkenputzen angesagt: Der 35 Jahre alte Matschassek und der 25-jährige Neuhaus gehen derzeit so gut wie täglich in Lokalen der Region essen. Sie treffen Inhaber und Betreiber von Restaurants, um sie für ihre Geschäftsidee zu gewinnen. Die beiden Unternehmensgründer stoßen dabei allerdings immer wieder auf Stirnrunzeln. »Viele wollen uns erstmal nicht glauben«, sagt Matschassek. »Die höchste Hürde ist, die Restaurantchefs zu überzeugen, dass wir ihnen etwas Gutes wollen.«

Gastro-Startup aus Gießen kommt ohne Provisionen aus

Die Skepsis liegt in dem Geschäftsmodell begründet, das sich in einem wesentlichen Punkt von Lieferando unterscheidet: »Wir wollen keine Provision pro Bestellung«, erklärt Matschassek. »Die Restaurants zahlen uns stattdessen 249 Euro im ersten Jahr.« Der Betrag werde danach erhöht und orientiere sich an der Zahl der Bestellungen. Bei weniger als 2500 Bestellungen im Jahr läge der Jahresbeitrag bei 499 Euro, bei zum Beispiel 10.000 bis 15.000 Bestellungen wären es 2499 Euro. »Provisionen wird es bei uns aber nie geben«, betont Neuhaus. »Bei uns wissen die Restaurants, welche Kosten auf sie zukommen.«

249 Euro - So viel zahlt so manche Gaststätte Lieferando an einem Tag an Provisionen und Gebühren. Ihnen sei bewusst, sagt Matschassek, dass viele Restaurants auf Portale wie Lieferando angewiesen seien, sie dort über die Provisionen aber »nicht so glücklich sind«. Die Provision pro bestelltes Essen beim Marktführer Lieferando ist tatsächlich für viele Gastronomen ein Ärgernis. Liefert das Restaurant selbst, fallen 13 Prozent für die Nutzung der Plattform an. Die Provisionen und Gebühren steigen auf bis zu 30 Prozent, wenn Lieferando nicht nur die Bestellung vermittelt, sondern auch die Lieferung übernimmt. Lieferando sorgt als bekanntes Portal zwar für mehr Umsatz bei den Gastronomen, die hohen Gebühren können für diese aber auch zum Problem werden.

Marvin Neuhaus (l.) und Alexander Matschassek.

Lieferando, seit 2019 in Deutschland nahezu der einzige Anbieter, nutze seine Machtposition aus, sagt Matschassek. Dass der Marktführer während der Coronapandemie, als zahlreiche Lokale um ihre Existenz bangten, in einigen Städten seine Provision fast verdoppelt hat, »hat uns geärgert und zusätzliche Motivation für unsere Geschäftsgründung gegeben«.

Mit einem festen Beitrag von 249 Euro im ersten Jahr für teilnehmende Restaurants werden die Jungunternehmer nicht gerade viel an ihrer Geschäftsidee verdienen. »Das ist in Ordnung für uns«, sagt Matschassek. »Die Plattform ist gut konfiguriert, wir haben kaum Fixkosten und noch keine Mitarbeiter.«

Alternative zu Lieferando aus Gießen: Seite www.foodfinder24.de ist freigeschaltet

Inzwischen ist die Seite www.foodfinder24.de freigeschaltet, noch ist dort kein Restaurant eingetragen. In den Funktionen ähnelt der Auftritt vergleichbaren Angeboten. Im Unterschied zu Lieferando werden Kunden bei foodfinder24 allerdings auch Telefonnummern der Restaurants finden, um dort bestellen zu können. »Gerade ältere Leute wollen in den Lokalen lieber anrufen«, sagt Matschassek. »Wir können das anbieten, weil wir eben keine Provision pro Bestellung nehmen.«

Zweifellos wird es ein schwieriges Unterfangen, in Konkurrenz zu Lieferando zu treten. Die beiden Unternehmensgründer müssen ihr Start-up erst einmal bekannt machen. Und ob der Name foodfinder24 für Kunden eingängig genug ist, muss sich noch zeigen. Als lokales Portal im Kreis könnten sie durch ihre Kontakte zu den heimischen Restaurants aber durchaus Kunden gewinnen. »Wir haben nichts zu verlieren«, sagt Neuhaus. »Und natürlich reizt es uns, den großen Wettbewerber zu ärgern.«

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