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Zeitungshüte.

Zeitung ersetzt das Schulbuch

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In einer Zeitung steckt viel drin. Mehr, als manche Kinder denken. Aber was genau? Das werden viele Schülerinnen und Schüler in den nächsten Wochen entdecken. Sie machen mit beim Projekt "Zeitung in der Grundschule", das seit dem 2. September wieder bis Dezember läuft. Einige Lehrerinnen haben bei einem Vorbereitungstreffen im Verlag der "Allgemeinen" schon mal Zeitungsluft geschnuppert und sich auf besondere Wochen vorbereitet.

Das Projekt "Zeitung in der Grundschule", das in diesem Jahr zum achten Mal von der Gießener und der Alsfelder Allgemeinen Zeitung durchgeführt wird, ist gestartet. 31 Klassen mit mehr als 600 Schülern aus 16 Grundschulen haben sich dazu angemeldet. Die pädagogische und organisatorische Betreuung leistet wieder das "Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren" (IZOP) in Aachen. Ziele sind: Förderung von Lesemotivation; Stärkung der Basiskompetenzen Lesen und Schreiben; Vermittlung und Stärkung der Fähigkeiten, mit traditionellen und neuen Medien wie Zeitung und Internet sinnvoll umzugehen.

17 Lehrerinnen haben Ende August am Vorbereitungsseminar in Gießen teilgenommen. Und seit dem 2. September bekommt jeder Schüler der teilnehmenden Klassen täglich seine eigene Zeitung.

Zu Gast im Verlagshaus

Dr. Markus Moog und Dr. Elke Runte-Gerhards vom IZOP-Institut haben den Pädagoginnen das Projekt vorgestellt, die Lernziele skizziert, die Hauptelemente erläutert und schließlich auch die Unterrichtmaterialien präsentiert. Danach konnten die Lehrerinnen in ihren Schulen die Vorbereitungen für den Startschuss am 2. September treffen. Drei Monate werden die Schulen kostenlos die Gießener oder Alsfelder Allgemeine Zeitung als Grundlage für das Projekt beziehen. Jede Klasse hat im Projektzeitraum zudem bis Dezember die Möglichkeit zu einem Redaktionsbesuch bei der Allgemeinen. Das dreiköpfige Betreuungsteam der Zeitung, bestehend aus den Redakteuren Susanne Riess, Katrin Hanitsch und Burkhard Bräuning, berät die Klassen beim Schreiben der Texte und führt die Kinder auch bei den geplanten Redaktionsbesuchen durch das Verlagsgebäude.

Bräuning hatte die Kursleiter, die Lehrerinnen und Liane Hoppe als Vertreterin des Projektpartners Ovag (Friedberg) begrüßt und darauf hingewiesen, dass die Redaktion in Gießen das Projekt eng begleiten und den Lehrern bei Bedarf auch hilfreich zur Seite stehen wird.

Die Kinder werden überwiegend in ihren Klassenräumen arbeiten, aber sie "sollen auch in Bereiche hineinschnuppern können, die man als Normalbürger nicht sieht, wo man nicht so einfach hinkommen kann". Die Schüler können als "Journalisten" zum Beispiel auf einem Bauernhof, bei der Feuerwehr oder bei einem Bäcker recherchieren. Sie können ihren Bürgermeister befragen oder sich in Einrichtungen wie Büchereien, Museen und Versorgungsunternehmen umschauen, soziale Einrichtungen wie Altenheime und Krankenhäuser aufsuchen und sich über die Aufgaben von DRK und Polizei informieren. Über ihr Recherchethema wird jede Klasse eine Reportage schreiben. Diese Texte werden mit Foto in der Allgemeinen abgedruckt.

Fazit des Seminars: Die Lehrerinnen und ein Lehrer sind sehr motiviert, die Veranstalter IZOP und Allgemeine auch - und sie sind vor allem zufrieden, was die Teilnehmerzahl betrifft. Projektpartner Ovag hat, wie Liane Hoppe sagte, auch eigene Themenvorschläge eingebracht. Zum Beispiel Führungen durch ein Wasserwerk, Artenvielfalt im Wald und Kochkurse.

Jeden Morgen bekommen nun alle teilnehmenden Klassen die Zeitungen zu ihren Schulen geliefert. Egal, in welchem Fach - ob Deutsch, Mathe, Religion oder Kunst - die Möglichkeiten, das Lokalblatt im Unterricht einzubinden, sind vielfältig. Wie das geht, das haben die IZOP-Mitarbeiter beim Vorbereitungsseminar erläutert. Dabei ist die Idee hinter dem Ganzen ziemlich simpel: Zum einen soll die Lesekompetenz gefördert und ausgebaut werden. Zum anderen lernen die Kinder ihre lokale Tageszeitung kennen. Wobei es vorrangig nicht um die Berichte aus der großen weiten Welt gehe, sondern vor allem auch um die regionalen Nachrichten. So können die Schüler und Schülerinnen ihr eigenes Lebensumfeld entdecken.

Meist planen die Lehrkräfte zudem Langzeitprojekte. Dafür suchen sich die Kinder ein Lieblingsthema aus und sammeln alles, was sich in der Zeitung dazu findet. Schlussfolgerungen und Auswertungen können sie am Ende grafisch darstellen.

Ein weiterer Höhepunkt für viele Klassen ist der Besuch im Verlagshaus, zu dem Bräuning, wie in den vergangenen Jahren, wieder eingeladen hat. Wenn die riesige Druckmaschine richtig Fahrt aufnimmt, ist das durchaus beeindruckend. Und in der Versandhalle gibt es eine "Zeitungsachterbahn" zu bestaunen.

Schüler und Lehrkräfte werden in den nächsten Wochen nun jeden Schultag mit der Zeitung beginnen. Für viele Kinder ist das ein neues Medium. Ein kleine Umfrage unter einigen teilnehmenden Lehrern hat gezeigt: Berührungsängste haben die Kinder nicht. Im Gegenteil: Viele warten morgens schon ganz gespannt auf "ihre" Zeitung.

Schüler sind begeistert

Bei einem Besuch in der Hedwig-Burgheim-Schule war beim Betreten des Klassenraums schon auf den ersten Blick zu sehen, dass die Schüler begeistert sind von dem Projekt. Überall Zeitungen, es wurde gelesen, es wurden Zeitungshüte gebastelt und es wurden Fragen gestellt. Zum Beispiel: Was macht ein Redakteur? Und: Wie lange dauert es, bis eine Zeitung fertig ist?

Seit neun Jahren entdecken die Kinder, die am Projekt teilnehmen, dass analoge (gedruckte) Medien wie die Tageszeitung durchaus spannend, informativ und unterhaltsam sind. Es muss also nicht immer nur das Smartphone sein. Gern gelesen wird der Sportteil, aber auch die Kinderseite und die Comics sind beliebt. Tiergeschichten sind immer willkommen. Und Geschichten über Prominente.

Irgendwann, darauf hoffen die Lehrer(innen), Verlagsmitarbeiter, der Projektpartner Ovag und die IZOP-Mitarbeiter, könnte aus den drei Monaten eine lebenslange Beziehung werden.

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