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Gegner weiterer Gewerbeflächen im Gießener Süden protestieren zu Beginn der Ausschuss-Sitzung der Regionalversammlung. Foto: so

Der Zehnjahresplan

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Wo gibt’s Wohnbauland, wo darf Gewerbe hin? Auf welchen Flächen genießt Landwirtschaft Vorrang? Welcher Verkehrsplanung bedarf es und was ist beim Natur- und Landschaftsschutz zu berücksichtigen? Der Regionalplan soll den Rahmen für die kommenden zehn Jahre vorgeben. An den Inhalten wird gearbeitet, um Änderungen gerungen.

Auch wenn großflächiges Erschließen von Gewerbeland am Donnerstag nicht explizit auf der Agenda stand: Gut eine handvoll Gegner weiterer Gewerbeflächen nahe Lützellinden und Münchholzhausen haben zu Beginn der Sitzung der Fachausschüsse der Regionalversammlung im Arnsburger Landhaus Klosterwald für ihr Anliegen demonstriert. Sie befürchten den Verlust hochwertiger Ackerflächen für wenige Arbeitsplätze. Auf den Bürgerprotest aus Lützellinden hin hat die Stadt Gießen weitere Planungen bereits im Spätsommer erst einmal auf Eis gelegt.

Gleichwohl wird generell in der Region ein deutlicher Bedarf konstatiert - und auch Lützellinden taucht in einer von der Regionalversammlung in Auftrag gegebenen Studie weiter als Fläche mit Potenzial auf. Von 17 möglichen Gebieten für regional bedeutsame Gewerbeansiedlung zwischen Limburg und Lauterbach liegen allein acht im Süden und Westen von Gießen. Flächen bei Buseck (ca. 20 Hektar), Fernwald (bis zu 25 Hektar), Garbenteich (bis zu 50 Hektar), Eberstadt/Lich an der A 45 (ca. 20 Hektar), Langgöns (ca. 20 Hektar), Wetzlar-Süd/Münchholzhausen (ca. 25 Hektar), Gießen-Lützellinden/Hüttenberg (25 bis 40 Hektar) und im Gießener Südkreis (bis zu 40 Hektar). Das entspricht einem Drittel des bis 2030 prognostizierten Bedarfs an Gewerbeflächen in ganz Mittelhessen.

Zu diesem Befund kommt jedenfalls das renommierte Institut Prognos (Stuttgart) in dem Gutachten, das der Regionalversammlung seit Ende Oktober vorliegt. Darin werden Daten zu weiteren Flächenbedarfen in Mittelhessen skizziert und zugleich Hinweise gegeben, wo großflächige Ansiedlung von überregionaler Bedeutung möglich ist. Dies nicht zuletzt, um dem Rhein-Main-Gebiet Entlastung zu schaffen, wie es Dr. Ivo Gerhards vom Regierungspräsidium darlegt.

Eine solche großflächige Planungsübersicht gab es für Mittelhessen bislang nicht; diese wird jedoch als notwendig erachtet, um Ansiedlungen und Flächenverbrauch gezielt steuern zu können. Aber, so sagt auch Gerhards: Es gelte gleichermaßen zu schauen, wo in vorhandenen Gewerbegebieten Flächen besser genutzt werden können (sogenannte Innenentwicklungspotenziale). Neben den Fragen von Siedlungs- und Gewerbeflächen sind im weiteren die Aspekte Verkehr, Landwirtschaft und Landschaft- und Naturschutz zu berücksichtigen.

Deshalb informierten sich die Ausschussmitglieder am Donnerstag eingehend über Biotopverbundstrukturen in Mittelhessen. Neben der hausinternen Kompetenz beim Regierungspräsidium wurde dazu externer Sachverstand eingekauft: Frank Bernshausen vom Büro TNL in Hungen stellte vorhandene Strukturen und deren Defizite in der Region vor und gab Empfehlungen zu potenziellen Entwicklungsflächen und -achsen. In den zurückliegenden Monaten haben zudem die Städte und Gemeinden aus Mittelhessen ihre Vorstellungen und Ideen hinsichtlich ihrer Entwicklung in den kommenden Jahren vorgelegt, auch dies soll in der Regionalplanung berücksichtigt werden.

Bis zum Herbst des kommenden Jahres, so hofft Regierungspräsident Christoph Ullrich, wird ein erster Entwurf des neuen Regionalplans vorliegen, der dann in den Wintermonaten in den Gremien beraten wird. Beschluss und Offenlage sind für das Frühjahr 2021 geplant.

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