Die Zahl der Berufspendler, die aus dem Landkreis Gießen beispielsweise in Richtung Rhein-Main fahren, ist laut einer neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit trotz Corona und Homeoffice auf einem hohen Level geblieben. (Archivfoto)
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Die Zahl der Berufspendler, die aus dem Landkreis Gießen beispielsweise in Richtung Rhein-Main fahren, ist laut einer neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit trotz Corona und Homeoffice auf einem hohen Level geblieben. (Archivfoto)

Pendlerstatistik

Kreis Gießen: Viele Berufspendler trotz Pandemie

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35 200 Menschen verlassen den Landkreis Gießen auf dem Weg zur Arbeit. Diese Zahl der regelmäßigen Pendler veröffentlichte die Gewerkschaft IG Bau - und leitet daraus eine Forderung ab.

Wenn Lebenszeit im Stau verloren geht: Auch in Zeiten von Lockdown und Homeoffice bleibt die Zahl der Pendler im Landkreis Gießen auf einem hohen Level. Im vergangenen Jahr verließen rund 35 200 Menschen auf dem Weg zur Arbeit die Kreisgrenzen. Darauf macht die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) aufmerksam.

Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach blieb die Zahl der sogenannten Auspendler im Landkreis im Vergleich zum Vorjahr auf dem selben Niveau.

Hohe Mieten als eine der Hauptursachen für hohe Zahl der Pendler

Zu den Hauptursachen für die anhaltend großen Pendelströme zählt nach Einschätzung der IG BAU Mittelhessen der teure Wohnraum in den Städten. »Nach jahrelangen Mietsteigerungen können sich viele Beschäftigte das Leben am Arbeitsort nicht leisten. Ihnen bleibt als Alternative oft nur stundenlange Fahrerei mit dem Auto oder der Bahn«, erklärt die Bezirksvorsitzende Doris Hammes.

In der Baubranche seien weite Anfahrtswege besonders verbreitet. Es dürfe aber nicht sein, dass Bauarbeiter, die in den Ballungsräumen Wohnungen bauten, sich diese selbst nicht mehr leisten könnten.

Viele Pendler im Kreis Gießen: IG BAU fordert bezahlbaren Wohnraum

Die IG BAU fordert deshalb mehr Anstrengungen bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. »Deutlich mehr Wohnungen, die sich in den Städten auch Gering- und Normalverdiener leisten können, sind ein entscheidender Beitrag, um die Pendler-Zahlen zu verringern«, sagt Hammes. Dafür müsse die Politik klare Vorgaben machen, etwa indem kommunale Grundstücke nicht an den Meistbietenden verkauft würden, sondern an Bauherren, die sich zu bezahlbaren Mieten verpflichteten. Beim sozialen Wohnungsbau müssten staatliche Fördermittel aufgestockt werden und einmal gebaute Sozialwohnungen dauerhaft preisgebunden bleiben, so die Gewerkschaft.

Dass Menschen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen können, sei nicht nur eine soziale, sondern auch eine ökologische Frage: »Weniger Pendelei bedeutet für die Betroffenen mehr Zeit für die Familie, Freunde und Hobbys. Gleichzeitig kann ein erheblicher Teil der CO2-Emissionen im Verkehrssektor eingespart werden«, so Hammes weiter.

Nach Angaben der Arbeitsagentur verließen im vergangenen Jahr bundesweit vier von zehn sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf dem Weg zur Arbeit die Grenzen ihrer Stadt oder ihres Landkreises. Damit erreichte die Zahl der Fern-Pendler trotz Pandemie einen Höchststand von 13 Millionen.

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