Wright und Becher vorne

  • Burkhard Möller
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Nach einem wahren Krimi bei der Gießener Oberbürgermeisterwahl stehen wohl Alexander Wright von den Grünen und Frank-Tilo Becher von der SPD in der Stichwahl. Der zeitweise führende CDU-Kandidat Frederik Bouffier scheidet voraussichtlich aus.Gegen Ende einer langen Wahlnacht trennten das Trio nur wenige hundert Stimmen.

Als Alexander Wright am Sonntagabend nach 21 Uhr auf dem Rathausplatz eintraf, wirkte er noch angespannt, gut drei Stunden später durfte er im Kreis seiner Parteifreunde von den Gießener Grünen strahlen. Nach einer Aufholjagd gewann der 34-jährige Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Stadtparlament wohl den ersten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl und zieht in die Stichwahl am 24. Oktober ein. Auf Wright entfielen rund 13 000 Stimmen, was rund 31 Prozent entsprach. Als voraussichtlich Zweitplatzierter qualifizierte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher für das Finale. Für den 58-Jährigen früheren evangelischen Dekan stimmten knapp 13000 Gießener (30,0 Prozent). Vor dem Ausscheiden stand bei Redaktionsschluss gegen 0.45 Uhr CDU-Kandidat Frederik Bouffier, für auch über 12000 Wähler votierten (gut 29 Prozent).

Wright, den bis gegen 22 Uhr noch mehrere hundert Stimmen von der Stichwahl trennten, rollte das Feld mit der Auszählung der vielen Briefwahlstimmen von hinten auf und zeigte sich erleichtert: »Es war kein einfacher Wahlkampf für uns, der Trend im Bund war gegen uns, aber wir haben vor Ort richtig Gas gegeben. Ich habe unser Kommunalwahlergebnis sogar klar übertroffen, obwohl es auch lokal Gegenwind gab. Es gab die Wahlempfehlung von Gigg/Volt gegen mich, auch die Sache mit der Linken wird nur bei uns abgeladen, obwohl die SPD auch in der Koalition ist. In der Stichwahl haben die Wähler die Wahl zwischen richtigem Klimaschutz und dem Lavieren und Wegmoderieren«, sagte Wright in einer ersten Reaktion. Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, wer als Zweiter in die Stichwahl geht.

Zeitweise mit bereits über 1000 Stimmen Vorsprung hatte Frank-Tilo Becher von der SPD geführt, musste am Ende aber den Fraktionschef der Grünen vorbeiziehen lassen. »Dass es ein enges Rennen zwischen uns drei werden wird, war zu erwarten, dass es jetzt aber immer noch kein Endergebnis gibt, ist schon nervenaufreibend. Sollte ich in die Stichwahl einziehen, werde ich ein lagerübergreifendes Angebot unterbreiten«, sagte Becher um kurz nach Mitternacht. Zu diesem Zeitpunkt lag er mit gut 400 Stimmen Vorsprung auf Platz zwei.

In der ersten Phase der Auszählung hatte CDU-Kandidat Frederick Bouffier noch geführt, aber das schlechte Abschneiden der CDU in der Stadt Gießen bei der Bundestagswahl war für den 30-Jährigen wohl eine zu große Hypothek. Am Ende reichten die gut 29 Prozent wohl nicht zum Einzug in die Stichwahl. »Es ist ganz knapp geworden. Die Verluste im Bund waren sicherlich nicht hilfreich, aber ich habe das CDU-Ergebnis in der Stadt weit übertroffen, über 12 000 Gießener haben mir ihr Vertrauen geschenkt. Dafür bedanke ich mich.«

Für eine Überraschung sorgte PARTEI-Kandidat Marco Rasch, der mit über sieben Prozent (3000 Stimmen) das Ergebnis seiner Partei bei der Kommunalwahl mehr als verdoppelte. Er sprach von einem »klaren Wahlsieg«, denn er habe verhindert, dass die Mitbewerber Bouffier und Dombrowski zum OB gewählt werden. »Vom neuen OB erwarte ich, dass mir ein gut bezahlten Job mit möglichst wenig Arbeit anbietet«, sagte der Kandidat der Spaß-Gruppierung.

Wie erwartet chancenlos war Einzelbewerber Thomas Dombrowski, der auf 2,5 Prozent (gut 1000 Stimmen) kam. »Ich habe mehr erwartet, aber scheinbar scheinen die Gießener mit ihren etablierten Politikern zufrieden zu sein. Ich fühle mich aber nicht als Verlierer«, sagte der parteiunabhängige Pohlheimer.

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