"Wollen nicht wie das Frankfurter Umland werden"

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Gießen (so/pm). Das Factory Outlet Center bei Garbenteich ist vom Tisch, das Logistikzentrum auf der Langsdorfer Höhe nahe Lich vorerst gerichtlich eingebremst - die Grünen dürften sich bestätigt sehen in ihrer kritischen Haltung zur Gewerbe-Entwicklung im Raum Gießen. Die Grünen positionieren sich gegen das Gewerbe-Entwicklungskonzept, das dieser Tage in der Regionalversammlung Mittelhessen vorgestellt wurde. "Ein solches Konzept darf im Landkreis Gießen nicht umgesetzt werden", so Christian Zuckermann, Fraktionsvorsitzender der grünen Kreistagsfraktion zu der von von dem Stuttgarter Planungsbüro Prognos vorgestellten Studie. "Wir lehnen das entschieden ab."

Grundlagen für den neuen Regionalplan müssten zuerst Natur- und Umweltschutzbelange und der Schutz wertvoller landwirtschaftlicher Flächen sein.

Das von Prognos vorgelegte Konzept sieht größere zusammenhängende Erweiterungsflächen für Ansiedlungen vor, die neu in Mittelhessen entstehen sollen.

Dabei entfallen auf den Kreis Gießen inklusive Stadt Gießen insgesamt 240 Hektar Potenzialflächen, also Flächen, die aus Sicht von Prognos geeignet sind für Großgewerbe. Hier handelt es sich um Flächen an der A 45 und der A 5 bzw. maximal rund zehn Minuten Fahrzeit davon entfernt, möglichst nah an Frankfurt. Neben Flächen am Südkreuz sind es Flächen bei Lützellinden, Garbenteich, Langgöns, Fernwald und Buseck.

Schutz landwirtschaftlicher Flächen

"Unser Landkreis wird dann genauso oder schlimmer aussehen als die Gegend rund um Frankfurt, es wird keine Hamster und keine Rebhühner mehr auf den gerade vom Umweltministerium für deren Schutz ausgesuchten Flächen im Raum Lützellinden/Linden/Langgöns geben", befürchtet Dr. Christiane Schmahl, Vorsitzende der grünen Fraktion in der Regionalversammlung, "und das für mehr Verkehr und wenig Arbeitsplätze."

Die Erfahrung aus Lich mit der Langsdorfer Höhe zeige, dass sich kein hochwertiges Gewerbe, sondern in der Regel Logistikzentren entlang der A 5 und der A 45 ansiedeln wollten. Oder, wie in Pohlheim-Garbenteich, Investoren Flächen für ein Outlet-Center suchen, das auch noch die innerörtlichen Einkaufsstrukturen der umliegenden Kommunen schädige.

Gerade die guten Böden im Süden des Landkreises seien ins Visier von Prognos geraten. "Aber genau das sind die Böden, die in den Zeiten des Klimawandels dringend gebraucht werden", sagen die Grünen. Sie könnten noch Wasser speichern, wenn auf armen Böden längst alles am Vertrocknen ist.

Aus Sicht der Grünen braucht es im Landkreis Gießen kleinere Gewerbeflächen für den Bedarf vor Ort und für intelligente arbeitsplatzintensive Neugründungen. Aber auch da ist in jedem Fall zu prüfen, ob es Möglichkeiten für ein Flächenrecycling gibt, wie es zum Beispiel auf alten Militärstandorten oder leerstehenden Gewerbeansiedlungen möglich ist. Zu bedenken sei auch, dass Flächen nicht nur für Gewerbe gebraucht werden, sondern auch für Wohnen, denn die Einwohnerzahl des Landkreises wächst.

Der Landesentwicklungsplan sieht für ganz Hessen eine Reduzierung des Flächenverbrauchs auf 2,5 Hektar pro Tag vor. Weniger als heute, aber immer noch zu viel. Ziel müsse hier die "Null" werden, denn Boden und Natur seien endlich, so die Grünen.

Mit einem Antrag positioniert sich der SPD-Juniorpartner im Kreis insbesondere gegen Logistikzentren. Diese dürfe es nur unter bestimmten Bedingungen geben: Die Flächen, auf denen sie errichtet werden sollen, waren bisher schon Gewerbegebiet (Konversionsflächen). Sie haben einen Gleisanschluss oder sie bieten die Möglichkeit, einen Gleisanschluss ohne große Komplikationen zu legen. Die Zahl der Arbeitsplätze müsse in einem vernünftigen Verhältnis zum Flächenverbrauch stehen und die Ansiedlung dürfe keinen zusätzlichen größeren Lkw-Verkehr nach sich ziehen.

Stattdessen wollen die Grünen kleinere Gewerbeflächen entwickelt wissen, die dem Eigenbedarf der Städte und Gemeinden dienen oder der Ansiedlung von Gewerbe, das zukunftsfähig ist und Arbeitsplätze schafft. Sie sollen es ermöglichen, dass heimische Betriebe sich erweitern können oder dass neue zukunftsfähige Betriebe in der Region gegründet werden können. Hierzu könnten auch Flächen im Außenbereich ausgewiesen werden.

Wertvolle landwirtschaftliche Böden oder für den Naturschutz relevante Flächen sowie Überschwemmungsgebiete sollen ausdrücklich von Bebauung frei gehalten werden.

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