Wolfgang Niedecken im Gespräch

(no) Über sein neues Buch, das Solo-Album und sein Leben.

Hätte es »Zugabe«, den zweiten Band der W.N.-Biografie, jetzt schon gegeben – ohne den Einschnitt, den ganz persönlichen »Novembermorje« 2011? Wolfgang Niedecken: Die Antwort ist zweigeteilt. Natürlich ist uns – dem Oliver Kobold und mir – aufgefallen, dass ganz viele Sachen bei »Für ne Moment« nicht berücksichtigt werden konnten. Wenn man damals ein Buch geschrieben hätte unter der Devise »Und dann und dann und dann …“, mit Auflisten der größten Erfolge, wäre es nicht das Buch gewesen, das wir abliefern wollten. Wir haben vieles weggelassen und eben auch andere Sachen erzählt. Aus der Abteilung, Pleiten, Pech und Pannen und weiß der Teufel was. Sachen die der Leser nicht unbedingt erwartet. Der zweite Teil der Antwort: Natürlich hätte es dieses Buch jetzt noch nicht gegeben. Dann hätte ich mir mehr Zeit gelassen. Aber nach dem Schlaganfall brach ein Mediensturm über mich herein, den ich nicht erwartet und so nicht gekannt hatte. Es hat ja was Positives, dass sich die Leute dermaßen dafür interessieren, wie’s einem geht. Was mich plötzlich an Mitgefühl erreichte, das war überwältigend.

Die (Liebeslieder-)CD »Zosamme alt« – die fünfte Solo-CD nach Complizen, Leoparden und zweimal WDR-Bigband – war aber schon zuvor geplant? W. N.: Nein. Es waren allerdings zuvor Überlegungen da, angeregt aus den verschiedensten Ecken. Aber noch nicht thematisch begrenzt. Ich hab immer gedacht: Ich tät’s ja schon gern, aber damit bring ich ja unser Flaggschiff BAP irgendwie ins Trudeln. Wenn ich ankomme und mach son Album, dann stört das irgendwie die Kreise, die BAP zieht. Also war da die Frage: Wie kannste das machen? Ungefähr vor nem Jahr (…) hab ich den Julian Dawson gefragt: Wie meinst du das mit den Musikern, die in New York beziehungsweise Woodstock mitarbeiten könnten? Welches Studio erwartet mich? Dann haben wir angefangen, das ein bisschen zu skizzieren

Wo ging’s dann lang?

W. N.: Wir haben ja ein Luxusproblem. (…) Es sind so viele Songs auf unseren Alben, gerade seit »Tonfilm« 1999, bei denen wir noch nie Gelegenheit hatten, sie tatsächlich zu spielen. Und wenn, dann immer nur mit schlechtem Gewissen, weil ein Großteil des Publikums wieder nur auf die Kracher wartet. Ich finde es schön, mit diesem Album mal wieder so etwas wie Repertoirepflege betreiben zu können. Ich möchte bei dieser »BAP zieht den Stecker«-Tour einige von den neu gestalteten Songs auch spielen. Obwohl ich dann natürlich weiß, dass da Leute sein werden, die am liebsten die wunderkerzentauglichen Schlachtrösser hören wollen. Ich bin froh, dass ich einen Weg gefunden habe. Das war ein bisschen Vabanquespiel. Was wäre passiert, wenn BAP gesagt hätte, dieses »Zosamme alt«-Album finden wir nicht gut? Dann hätte es zu dem Album keine Tour gegeben. Aber es ist ja noch mal gut gegangen.

Dürfen wir mit einer Lesereise zum Buch »Zugabe« rechnen?

W. N.: Ja, aber eins nach dem anderen, ich soll ja immer nur eine Sache gleichzeitig machen, sprach mein Sohn Severin!

Wir erinnern uns an die »Immer weiter«-Lesung 2005 in Lich mit Niedecken-, Dylan- und Cohen-Musik und an die »Für ne Moment«-Veranstaltung 2011 in Garbenteich.

W. N.: Solche Sachen, die erlaube ich mir (…) Da hab ich doch bei euch im Kino gespielt. Da wollte ich mir selbst beweisen, dass ich so was noch kann. Dass ich mit einer Gitarre mal nicht von A nach B gefahren werde: Die meisten Dinger hab ich mit der Bahn im Zug erledigt. Bin in den Zug gestiegen, dann hat mich der entsprechende Buchhändler abgeholt (…). Aber du weißt, dann kommen auch wieder die Leute, die sagen: O, jetzt fährt der schon mim Zug. Jetzt kann der sich nicht mal mehr ein Auto erlauben. Das ist so, wie wenn du über Wasser gehen kannst: Kommt immer einer, der sagt: Der kann ja nicht mal schwimmen.

                                                         No. Schmidt

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