Die Einfahrt zum Rinn & Cloos-Gelände in Heuchelheim. ARCHIV-FOTO: SO
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Die Einfahrt zum Rinn & Cloos-Gelände in Heuchelheim. ARCHIV-FOTO: SO

Für Wohnen und Gewerbe

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Heuchelheim und das Bauunternehmen Faber& Schnepp gründen eine gemeinsame Gesellschaft und erwerben das Rinn & Cloos-Gelände. Das verabredete Ziel: Den Gewerbestandort mit Tradition weiterzuentwickeln und um Wohnbebauung zu ergänzen.

Das mehr als 30 000 Quadratmeter große Rinn & Cloos-Gelände gilt als gewerblich-industrielles Herzstück von Heuchelheim. Rinn & Cloos-Zigarren und Minox-Kameras stehen für eine glorreiche Vergangenheit. Heute sind dort mehr als 80 Unternehmen mit einigen Hundert Arbeitsplätzen beheimatet. Und es dürfen noch einige mehr werden.

Die Gemeinde Heuchelheim und das Gießener Bauunternehmen Faber & Schnepp gründen eine gemeinsame Gesellschaft, um auf dem Gelände weitere Firmen anzusiedeln. Vor allem aber auch, um Wohnraum zu schaffen. Verabredet und jetzt von der Gemeindevertretung beschlossen ist dazu ein Eckpunktepapier. Dies soll Grundlage für einen städtebaulichen Vertrag sein, der in den kommenden Monaten zu erarbeiten und auszuhandeln ist.

Jetzt schon festgelegte zentrale Elemente sind ein Anteil von mindestens 15 Prozent Sozialwohnungen bei den Wohnungs-Neubauten, das Einplanen einer Kita-Gruppe, das Ansiedeln von weiterem Gewerbe, Handel und Kleinkunst auf dem Gelände, eine auch fahrrad-gerechte Erschließung und die Option für das Unternehmen ZAUG, Anteile zu erwerben.

Der Partner Faber & Schnepp lässt sich zusichern, dass für ein Realisieren des Konzepts ein Zeitfenster von zehn Jahren offen ist, dass die Neubau-Wohnfläche bis zu 14 000 Quadratmeter betragen kann und dass es hinsichtlich der Baustandards und energetischen Standards keine außergewöhnlichen Anforderungen gibt. Der Beschluss wurde mit den Stimmen von CDU, Freien Wählern, FDP und KWI gefasst.

"Es ist schon ein Glücksfall, dass wir das Ruder zum Guten umschwenken konnten", freute sich Gerhard Becker (FW) über das Ergebnis der langen Verhandlungen in den vergangenen 15 Monaten. Er charakterisierte die Entwicklung und die daraus erwachsenden Perspektiven für Heuchelheim als geradezu historisch.

Grüne und SPD fanden keine Mehrheit für ihre Anträge, bei den Planungen maximale Effekte für den lokalen Klimaschutz anzustreben und im Interesse des Investors die Zahl der erforderlichen Stellplätze nach unten zu korrigieren. Ihre Forderung nach einem Städtebaulichen Wettbewerb zur Ausgestaltung von Wohnbebauung und öffentlichem Raum mündete jedoch in einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen.

Gleichwohl: Die Opposition lehnte das nicht veränderte Eckpunktepapier ab. Die Reihen der SPD lichteten sich, als das Papier verabschiedet worden war. Etwa die Hälfte der SPD-Fraktion verließ die Sitzung, zeigte beim Rausgehen Verärgerung darob, dass die Änderungsanträge der Opposition nicht berücksichtigt wurden. "Wofür werden wir hier noch gebraucht? Die machen doch sowieso, was sie wollen..."

Zum Hintergrund

Die Mainzer Richter-Gruppe hat die Riesen-Immobilie 2019 zum Verkauf angeboten. Ein nach Sicht der Gemeinde fragwürdiger Investor aus Marburg wollte kaufen; die Gemeinde intervenierte jedoch, um sich den Einfluss auf die weitere Entwicklung zu bewahren. Heuchelheim sicherte sich die Kaufoption, begab sich auf Partnersuche. Als Nächstes steht der Kauf des Areals für einen Betrag in der Größenordnung von zwölf Millionen Euro an.

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